Geopolitik

Rotes Telefon für KI-Krisen: China und USA reden jetzt über „Super Intelligence“

Xi Jinping and Donald Trump shaking hands
Xi Jinping and Donald Trump © www.whitehouse.gov

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Viel Pomp, wenig Durchbruch, und am Ende heißt KI plötzlich „Super Intelligence“. Chinas Staatschef Xi Jinping war soeben zum Staatsbesuch in Washington, es war sein drittes Gipfeltreffen mit Donald Trump binnen zwölf Monaten. Während Trump von einer „wirklich großartigen Freundschaft“ schwärmte, legte Xi gleich zum Auftakt seine Bedingungen für ein friedliches Nebeneinander der beiden Supermächte auf den Tisch, berichtet der Guardian.

Xi und die Thukydides-Falle

Xi warnte vor der sogenannten Thukydides-Falle. Der griechische Historiker beschrieb, wie Spannungen zwischen einer aufstrebenden und einer etablierten Macht in einen Krieg münden können. Um das zu verhindern, nannte Xi mehrere Voraussetzungen:

  • Dialog: Beide Länder sollten „offen, tiefgehend und kontinuierlich“ miteinander sprechen, Gemeinsamkeiten suchen und Differenzen beiseitelegen.
  • Militärische Kanäle: Die Streitkräfte sollten regelmäßig im Austausch stehen und ihre Mechanismen zur Krisenkommunikation ausbauen.
  • Kooperation: China und die USA würden durch Zusammenarbeit beide gewinnen und bei einer Konfrontation beide verlieren. Xi griff dabei sogar Trumps Slogan auf: Die „Wiederbelebung der chinesischen Nation“ und „Make America Great Again“ könnten Hand in Hand gehen.
  • Austausch: Xi lud 100.000 junge Amerikaner:innen zu Studienaufenthalten nach China ein.

Beim heikelsten Thema Taiwan drängte Peking darauf, dass sich Washington deutlicher gegen eine Unabhängigkeit der Insel ausspricht. Xi forderte Trump auf, die Frage „mit Umsicht“ zu behandeln. Öffentlich übernahm Trump die chinesische Formulierung allerdings nicht, berichtet IBTimes.

Aus KI wird „Super Intelligence“

Das auffälligste Ergebnis des Gipfels ist sprachlicher Natur. Laut Weißem Haus wollen beide Länder künftig von „Super Intelligence“ (SI) sprechen statt von künstlicher Intelligenz. Trump hatte den Begriff kurz zuvor in seiner Rede vor der UN-Generalversammlung eingeführt, weil „artificial“ für ihn nach Fälschung klingt, berichtet CBS News.

Inhaltlich vereinbarten beide Seiten einen eigenen „U.S.-China Super Intelligence Dialogue“, der erstmals im November tagen soll. Dazu kommt ein direkter Draht für KI-Zwischenfälle, vergleichbar mit dem roten Telefon aus dem Kalten Krieg, schreibt Axios. Was genau als solcher Zwischenfall gilt, blieb allerdings offen.

Wie sehr KI inzwischen Chefsache ist, zeigte das Staatsbankett im Weißen Haus. Unter den Gästen waren Nvidia-Chef Jensen Huang, Meta-Chef Mark Zuckerberg, Apple-Chairman Tim Cook, Elon Musk und OpenAI-Chef Sam Altman. Gleichzeitig halten die USA an ihren strengen Exportkontrollen für Chips und Chipmaschinen fest, um Chinas KI-Entwicklung zu bremsen.

Handelsfrieden auf Zeit

Beim Handel blieb es bei kleinen Schritten:

  • Zollpause verlängert: Der Waffenstillstand im Zollstreit, der im November ausgelaufen wäre, gilt nun bis Februar.
  • Kohle für China: Peking sagte zu, 2027 und 2028 mindestens zehn Millionen Tonnen US-Kohle zu importieren.
  • Neue Gremien: Ein gemeinsames Investment-Board soll Geschäftsmöglichkeiten ausloten, auch über Seltene Erden wurde gesprochen.

Analyst:innen werten die nur kurze Verlängerung als Zeichen, dass Trump mit Chinas Zugeständnissen noch nicht zufrieden ist und den Druck hochhalten will. Die nächsten Gelegenheiten kommen bald: das APEC-Treffen im November im chinesischen Shenzhen und der G20-Gipfel im Dezember in Miami. Unterdessen steuert China weltweit zum zweiten Mal in Folge auf einen Handelsüberschuss von rund 860 Milliarden Euro (1 Billion US-Dollar) zu.

Europa steht am Rand

Für Europa ist die neue Harmonie zwischen Washington und Peking eine zwiespältige Nachricht. Die EU hat mit China ein Handelsdefizit von 1,18 Milliarden Euro pro Tag, Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht von einem „Kipppunkt“. Wenn sich die USA und China arrangieren, dürften chinesische Exporte noch stärker nach Europa drängen. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič trifft seinen chinesischen Amtskollegen Wang Wentao Anfang Oktober, um einen eigenen Waffenstillstand auszuhandeln.

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