OpenAI und Cerebras schließen Partnerschaft für KI-Inferenz im Milliardenwert
OpenAI hat eine mehrjährige Vereinbarung mit dem Chip-Startup Cerebras Systems getroffen, die den Einsatz von 750 Megawatt Rechenleistung auf Basis von Cerebras-Systemen vorsieht. Die Partnerschaft besitzt einen Wert von über zehn Milliarden Dollar und erstreckt sich über drei Jahre, wobei die Implementierung in mehreren Phasen bis 2028 erfolgen soll.
Das Abkommen markiert nach Angaben beider Unternehmen die weltweit größte Bereitstellung von Hochgeschwindigkeits-KI-Inferenz. OpenAI-Chef Sam Altman ist persönlich als Investor an Cerebras beteiligt, und die beiden Unternehmen haben bereits seit 2017 regelmäßig Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit geführt.
Bei Inferenz geht es nicht um das Training neuer KI-Modelle, sondern das Ausführen bestehender – also wenn User via ChatGPT Anfragen senden und diese dann möglichst schnell und gut beantwortet werden sollen.
Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil
Cerebras entwickelt KI-Prozessoren im Wafer-Maßstab, die nach Unternehmensangaben Antworten deutlich schneller generieren als GPU-basierte Systeme. Die Technologie integriert massive Rechenkapazität, Speicher und Bandbreite auf einem einzelnen großformatigen Chip und eliminiert damit Engpässe konventioneller Hardware.
Bei Anwendungen wie Coding-Agenten oder Sprach-Chats liefern große Sprachmodelle auf Cerebras-Systemen Ergebnisse bis zu 15-mal schneller als auf vergleichbaren GPU-Plattformen. Diese Geschwindigkeit transformiert die Nutzererfahrung grundlegend und ermöglicht Echtzeit-Interaktionen, die längere Engagement-Zeiten und produktivere Arbeitsabläufe fördern.
OpenAI steht vor erheblichen Herausforderungen bei der Beschaffung ausreichender Rechenkapazitäten. Das Unternehmen verzeichnet mehr als 900 Millionen wöchentliche Nutzer und hat wiederholt auf einen gravierenden Mangel an Computing-Ressourcen hingewiesen.
Die Integration der Cerebras-Technologie erfolgt gezielt für Workloads, bei denen niedrige Latenzzeiten entscheidend sind. Ein Infrastruktur-Verantwortlicher von OpenAI erläuterte, dass die Compute-Strategie des Unternehmens darauf abzielt, verschiedene Systeme optimal auf spezifische Aufgaben abzustimmen. Die Verhandlungen zwischen beiden Unternehmen begannen im Herbst und führten bis Thanksgiving zur Unterzeichnung eines Term Sheets. Generell kennt man sich gut, seit 2017 soll es immer wieder Treffen zwischen den beiden Unternehmen gegeben haben.

Finanzielle Dimension und Marktkontext
Cerebras befindet sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen in Gesprächen über eine Finanzierungsrunde von einer Milliarde Dollar, die das Unternehmen mit 22 Milliarden Dollar bewerten würde – nahezu eine Verdreifachung gegenüber der vorherigen Bewertung. Das vor etwa zehn Jahren gegründete Startup hatte in der Vergangenheit mit Herausforderungen zu kämpfen:
Bei der Vorbereitung eines Börsengangs 2024 offenbarte das Unternehmen, dass der Großteil seiner Einnahmen von einem einzigen Kunden stammte, dem in Abu Dhabi ansässigen Unternehmen G42. Cerebras zog den geplanten Börsengang zurück und sammelte stattdessen 1,1 Milliarden Dollar privat ein, was einer Bewertung von 8,1 Milliarden Dollar entsprach. Mittlerweile hat das Unternehmen neue Vereinbarungen mit IBM und Meta abgeschlossen und diversifiziert damit seine Kundenbasis – nun auch mit OpenAI.
OpenAI verfolgt eine breit angelegte Chip-Strategie, um sich von der Dominanz einzelner Anbieter zu lösen. Das Unternehmen entwickelt gemeinsam mit Broadcom einen maßgeschneiderten Chip und hat eine Vereinbarung über den Einsatz von AMDs neuem MI450-Chip unterzeichnet. Nvidia, der führende Anbieter von KI-Chips, hatte im September eine vorläufige Vereinbarung mit OpenAI über den Verkauf von bis zu zehn Gigawatt an Chips getroffen, die jedoch noch nicht finalisiert wurde. Parallel dazu schloss Nvidia im Dezember ein 20-Milliarden-Dollar-Lizenzabkommen mit dem Inference-Startup Groq ab. Der Markt für spezialisierte Inference-Chips gewinnt an Dynamik, da KI-Unternehmen nach schnellen und kosteneffizienten Alternativen zu herkömmlichen GPU-Systemen suchen.
Die finanziellen Verpflichtungen von OpenAI werfen bei Investoren zunehmend Fragen auf. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr rund 13 Milliarden Dollar Umsatz, während es Cloud-Verträge mit Oracle, Microsoft und Amazon im Gesamtwert von etwa 600 Milliarden Dollar unterzeichnete. Sam Altman betont, dass das Unternehmen diese über mehrere Jahre gestaffelten Verpflichtungen durch zukünftiges Umsatzwachstum finanzieren wird. OpenAI befindet sich in einer frühen Phase einer weiteren massiven Finanzierungsrunde, die dem Unternehmen vor der neuen Investition eine Bewertung von 830 Milliarden Dollar zuschreiben könnte. Die Finanzierung soll einen geplanten Börsengang vorbereiten und die umfangreichen Wachstumspläne des Unternehmens unterstützen.

