Microsoft warnt, das chinesische KI-Modelle den globalen Süden erobern
Microsoft schlägt Alarm: Chinesische AI-Unternehmen gewinnen den Wettlauf um Nutzer außerhalb der westlichen Märkte. Das Unternehmen führt den Vorsprung auf staatliche Subventionen und kostengünstige Open-Source-Modelle zurück, wie die Financial Times berichtet. Microsoft-Präsident Brad Smith betont in einer aktuellen Stellungnahme, dass chinesische Anbieter wie das Startup DeepSeek amerikanische Firmen preislich unterbieten können – finanziert durch massive Subventionen der Regierung in Peking. Besonders in afrikanischen Schwellenländern verzeichnet die chinesische Konkurrenz rasante Zuwächse.
DeepSeek hat sich binnen eines Jahres nach der Veröffentlichung seines R1-Modells als ernstzunehmender Player etabliert. Neue Daten von Microsoft zeigen beeindruckende Marktanteile: In Äthiopien erreicht DeepSeek 18 Prozent, in Simbabwe 17 Prozent. Noch dominanter präsentiert sich das chinesische Unternehmen in Ländern mit eingeschränktem Zugang zu US-Technologie – 56 Prozent in Belarus, 49 Prozent in Kuba und 43 Prozent in Russland. China hat die USA mittlerweile im globalen Markt für offene AI-Modelle überholt, während amerikanische Tech-Giganten wie OpenAI, Google und Anthropic auf proprietäre Systeme und Abo-Modelle setzen.
Zuletzt hat man gesehen, dass eine ganze Reihe an chinesischen AI-Startups an die Börse gegangen sind: MiniMax und ZhipuAI sind Hersteller von Open-Source-Modellen und nun etwa 4 bzw. 12 Milliarden Dollar an der Börse wert, während es mit Moore Threas, Biren und MetaX gleich drei KI-Chip-Macher aus China an der Börse gibt.
Subventionen als Wettbewerbsvorteil
Microsoft sieht die Wurzel des Problems in unterschiedlichen Finanzierungsmodellen. Während chinesische Firmen auf staatliche Förderung zählen können, müssen US-Konzerne auf private Kapitalströme vertrauen. Smith fordert Investitionen internationaler Entwicklungsbanken in afrikanische Rechenzentren und Strominfrastruktur. Ohne diese Unterstützung erscheint ein Wettbewerb mit subventionierten Konkurrenten kaum möglich. Microsoft verfügt zwar über besseren Zugang zu leistungsfähigen Chips und genießt einen Vertrauensvorsprung – der Preiskampf bleibt jedoch entscheidend.
Wie mehrmals berichtet, dominieren chinesische Unternehmen wie ZhipuAI, DeepSeek oder MiniMax im Bereich der Open-Source-Modelle. Damit ermöglichen sie es Unternehmen weltweit, KI-Modelle zum Nulltarif verwenden und etwa in ihre Apps verbauen zu können. Folglich sind sie damit nicht abhängig von den API-Preisen von OpenAI, Anthropic oder Google aus den USA.
Digitale Kluft verschärft sich
Die AI-Adoption entwickelt sich weltweit höchst ungleich. Im vierten Quartal 2025 nutzten 24 Prozent der Bevölkerung im Globalen Norden AI-Technologien, verglichen mit nur 14 Prozent im Globalen Süden. Der weltweite Durchschnitt liegt bei 16 Prozent. Microsoft warnt vor einer wachsenden digitalen Spaltung, die bestehende wirtschaftliche Ungleichheiten zwischen Nord und Süd weiter vertieft. Das Unternehmen fordert koordinierte Investitionen von Privatwirtschaft, Regierungen und Finanzinstitutionen in Infrastruktur und Ausbildung.
Smith rahmt die Entwicklung als geopolitischen Konflikt: Afrika mit seinen jungen, schnell wachsenden Bevölkerungen dürfe nicht ignoriert werden. Andernfalls drohe die Etablierung von AI-Systemen, die nicht mit demokratischen Werten übereinstimmen. DeepSeek plant die Veröffentlichung eines neuen Modells noch vor dem chinesischen Neujahrsfest – der Wettlauf um die Zukunft der globalen AI-Landschaft geht in die nächste Runde. Für amerikanische Tech-Konzerne steht fest: Wer Afrika aus den Augen verliert, riskiert die globale Führungsposition.

