Emerald Horizon AG: „Die Wiener Börse wird sehr, sehr unterschätzt“
“IPO Spotlight” – gemeinsam mit der Wiener Börse sprechen wir mit einigen der besten Expert:innen Europas über den Weg von Unternehmen und Scale-ups an die Börse.
Das Grazer Deep-Tech-Unternehmen Emerald Horizon positioniert sich für einen möglichen Börsengang. Die 2019 gegründete Firma entwickelt Small Modular Reactors (SMRs) auf Thorium-Basis zur Erzeugung von günstigem Strom und macht aktuell eine Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 790 Millionen Euro. Im Podcast „IPO Spotlight“ spricht Vorstand Florian Wagner über die Technologie, das unkonventionelle Geschäftsmodell und konkrete IPO-Pläne – möglicherweise sogar an der Wiener Börse.
KI-Boom treibt Nachfrage nach kompakter Energie
SMRs waren lange ein Nischenthema. Das ändert sich jetzt radikal. Der Grund: Künstliche Intelligenz. „ Es werden sehr viele Datencenter benötigt, um KI betreiben zu können und diese Datencenter brauchen eine kompakte, modulare Energiequelle“, so Wagner. Die meisten grünen Energien würden keine stabile Leistung liefern, Öl, Gas und Kohle sind nicht CO2-frei. SMRs sollen diese Lücke schließen. Anders als die meisten SMR-Konzepte basiert der ADES (Accelerator Driven Energy Source) der Grazer nicht auf kritische Kettenreaktion wie bei anderen Atomreaktoren, sondern auf Thorium in flüssigem Salz, das letztlich für die Energie sorgt. Dadurch gebe es auch keinen Atommüll.
Emerald Horizon verkauft die Anlagen nicht, sondern vermietet sie. „Energy as a Service heißt: Du bestellst diese Anlage und musst das Gerät nicht kaufen. Du bezahlst nur, wenn es wirklich Strom oder Hitze liefert“, beschreibt Wagner das Modell. Die Due-Diligence-Last verschiebe sich zum Anbieter, die Akzeptanz steige. Angepeilt sind Strompreise von 8 bis 10 Cent pro Kilowattstunde.
Möglich wird das durch Skalierung und Energiedichte. Die Teilchenbeschleuniger passen in Container, die Module lassen sich am Fließband fertigen. Das Thorium im Container hält laut Wagner 20 Jahre ohne Nachfüllen. „Das senkt die operativen Kosten enorm.“ Für die Serienproduktion hat Emerald Horizon die niederländische VDL Group gewonnen, die auch mit dem Chip-Giganten ASML arbeitet. „Die sind einer der Marktführer bei sehr komplexen Maschinen“, sagt Wagner. Expandieren will er global, mit Niederlassungen in den USA, Asien und im pazifischen Raum.
IPO-Pläne: Wien für Non-Nuklear-Teil im Gespräch
Aktuell läuft die Pre-IPO-Phase mit einer Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 790 Millionen Euro – eingenommen werden sollen bis zu 225 Mio. Euro.. Das Kapital soll bis zum Erreichen des so genannten Technology Readiness Level 9 (TRL 9, nahe Serienproduktion) reichen. Für die Serienproduktion selbst braucht es mehr Geld, das unter anderem auch über einen Börsengang hereinkommen soll. Dabei könnte Emerald Horizon auf zwei Schienen fahren: Ein Teil der Firma, in dem die Nukleartechnologie steckt, könnte in den USA an die Börse (die Grazer haben eine US-Tochter, Anm.), der zweite Teil, der die Flüssigsalz-Batterie „CALstore“ (mehr dazu hier) zum Schwerpunkt hat, könnte aufs Wiener Parkett.
Über die reine Kapitalbeschaffung hinaus sei ein Börsengang wichtig für die Sichtbarkeit und die Vertrauensbildung für ein Unternehmen. Wagner lobt die Wiener Börse: „Ich glaube, dass die Wiener Börse sehr, sehr unterschätzt wird allgemein in der Wahrnehmung. Tatsache ist, dass die Wiener Börse eine sehr hohe Visibility und hohe Liquidität hat.“ Zudem sei für ein Unternehmen in der Größe von Emerald Horizon ein Platz im ATX erreichbar. „Wenn man in einen Leitindex wie den ATX Prime kommen kann, dann hat man sehr viele Vorteile, die sich daraus erschließen.“ Alle internationalen Handelshäuser sind angebunden, das ergebe gute Rahmenbedingungen gepaart mit globaler Investoren-Reichweite. „Bei der Wiener Börse gibt es gute Beratung, guten Support und man kann sich auch als neueres Unternehmen drüber trauen.“
Top-Tipp: IPO-Workshop mit Erste Group und Baader Bank
Am 12. März 2026 lädt die Wiener Börse zum nächsten IPO-Workshop in Kooperation mit Erste Group Bank und Baader Bank ein. Renommierte Experten teilen wertvolle Einblicke in die Nutzung des Kapitalmarktes und vermitteln praxisnahe Tipps für ein erfolgreiches Börsenlisting. Hier kann man sich dafür anmelden.
Regulatorik als Schlüsselfrage
Ob die Bewertungen und Businesspläne aufgehen, entscheidet letztendlich auch die Regulatorik: SMRs benötigen entsprechende Zulassungen. „Ich glaube, dass das die die wichtigste Frage sein wird“, betont Wagner. Emerald Horizon setzt deswegen auf einen „Non-Criticality Regulatory Pathway“: Die Technologie hätte keine kritische Kettenreaktion, es sei kein Uran-Transport notwendig, die Module könnten ähnlich wie Die Flotten von Autoherstellern reguliert werden. „Man kann ein Gerät zulassen und der Rest ist einfach nur Copy und Paste. Das wird auch sehr vom Regulator geliebt.“
