Google’s Gemini ist dabei, ChatGPT vom iPhone zu verdrängen
Im Juni 2024 war es ein ganz großer Moment für Sam Altman, als sein Unternehmen OpenAI verkünden durfte, dass seine KI ChatGPT tief bei Apple in iPhone und CO integriert wird. Die enge Anbindung des KI-Chatbots an das reichweitenstarke Ökosystem von Apple hat ordentlich dazu beigetragen, dass OpenAI sich mit 900 Millionen Nutzern brüsten kann. Doch zwei Jahre später, im Jahr 2026, ist in Bezug auf Apple der Wendepunkt erreicht.
Denn Apple hat wie berichtet einen mehrjährigen Kooperationsvertrag mit Google geschlossen, der weitreichende Auswirkungen auf die KI-Landschaft hat. Die nächste Generation der Apple Foundation Models wird künftig auf Googles Gemini-Modellen und Cloud-Technologie basieren, wie beide Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Währenddessen geht OpenAI im Gespann mit dem ehemaligen Chef-Designer von Apple, Jony Ive, auf Konfrontationskurs, und will eigene KI-Hardware auf den Markt bringen.
Google-Technologie als Basis für Apple Intelligence
Die Gemini-Modelle sollen künftig verschiedene Apple Intelligence-Funktionen antreiben, darunter auch eine verbesserte Version des Sprachassistenten Siri, die noch in diesem Jahr erscheinen soll. Nach eigenen Angaben hat Apple verschiedene Optionen geprüft und festgestellt, dass Googles KI-Technologie die leistungsfähigste Grundlage für die eigenen Foundation Models bietet.
Der Vertrag ist als Cloud-Computing-Vereinbarung strukturiert. Laut einem Bericht der Financial Times könnte Apple im Laufe der Zeit mehrere Milliarden Dollar an Google zahlen. Analysten schätzen den Wert des Vertrags auf bis zu 5 Milliarden Dollar. Der Start von Apples zweitem Anlauf in Sachen KI mit Hilfe von Gemini wird für das zweite Quartal 2026 erwartet.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Google-Assistenten Gemini als eigenständiger App und dem zugrundeliegenden Large Language Model (LLM), das ebenfalls Gemini genannt wird. Apple nutzt das LLM als technologische Basis, nicht den Consumer-Assistenten. Nutzer werden mit der neuen Siri-Version interagieren, ohne die dahinterliegende Google-Technologie direkt wahrzunehmen.
Datenschutz und technische Umsetzung
Apple betont, dass die Privatsphäre-Standards gewahrt bleiben. Apple Intelligence soll weiterhin hauptsächlich direkt auf den Geräten laufen. Für rechenintensivere Anwendungen greift Apple auf das eigene „Private Cloud Compute“ zurück. Nutzerdaten oder sensible Informationen sollen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht an Google weitergeleitet werden.
Zurückhaltende Investitionsstrategie
Die Vereinbarung spiegelt Apples vorsichtigen Ansatz bei KI-Investitionen wider. Während Google, Microsoft, Amazon und Meta seit dem Start von ChatGPT 2022 Hunderte Milliarden Dollar in neue KI-Rechenzentren investieren, hielt Apple seine Infrastruktur-Investitionen in den vergangenen fünf Jahren konstant bei etwa 3 Prozent des Umsatzes.
Für das Geschäftsjahr 2025 gab Apple 12,7 Milliarden Dollar für Sachanlagen aus – deutlich weniger als die etwa 90 Milliarden Dollar, die Google voraussichtlich investieren wird. Apple bezieht den Großteil seiner Cloud-Infrastruktur von Drittanbietern und konzentriert sich auf kleinere, spezialisierte KI-Modelle, die direkt auf den Geräten laufen können.
Konsequenzen für OpenAI
Die Vereinbarung stellt einen deutlichen Rückschlag für OpenAI dar. Das Unternehmen hatte seit 2024 ChatGPT in Apple Intelligence-Funktionen integriert und hoffte, über diese Partnerschaft Millionen iPhone-Nutzer zu erreichen. Analysten erwarten, dass die ChatGPT-Integration angesichts der umfassenderen Google-Vereinbarung an Bedeutung verlieren wird.
Eine mit OpenAI vertraute Person erklärte gegenüber der Financial Times, das Unternehmen habe im Herbst vergangenen Jahres bewusst entschieden, nicht maßgeschneiderter Modell-Anbieter für Apple zu werden, und konzentriere sich stattdessen auf die Entwicklung eigener KI-Geräte.
Währenddessen sieht man am Markt, dass Google seinen Rückstand auf ChatGPT zusehends verringert. Gemini soll bei mehr als 650 Millionen Usern halten, während OpenAi eben auf die 900 Mio. kommt. Im Werbegeschäft will OpenAI Google 2026 mit dem Start von Werbeanzeigen angreifen.
Googles gestärkte Position
Für Google bedeutet der Deal eine erhebliche Stärkung der Marktposition. Nach eigenen Angaben hat Google in den vergangenen Monaten den Leistungsrückstand gegenüber OpenAI aufgeholt. Mit der Apple-Kooperation sind Googles KI-Modelle nun sowohl auf Android- als auch auf iOS-Geräten integriert – praktisch auf dem Großteil aller Smartphones weltweit.
Die Vereinbarung erinnert an den vor zwei Jahrzehnten geschlossenen Deal, der Googles Suchmaschine als Standard auf Apple-Geräten etablierte und Google mittlerweile etwa 20 Milliarden Dollar jährlich an Apple einbringt.
Apples KI-Strategie in der Kritik
Die Entscheidung wird als Eingeständnis gewertet, dass Apple die frühe Phase intensiver KI-Forschung verpasst hat. Das Unternehmen arbeitete zwar an eigenen KI-Modellen, verpasste aber die Entwicklungen, in die Konkurrenten wie Google über Jahre investiert haben.
Apple hat zudem mit Personalabwanderung zu kämpfen: Mehrere hochrangige KI-Experten, darunter Ruoming Pang, Leiter des Foundation Models-Teams, sowie die Senior-Forscher Tom Gunter und Mark Lee, wechselten zu Meta.
Trotz der Kritik an mangelnden KI-Investitionen haben Apples Aktien in den vergangenen zwölf Monaten über 12 Prozent zugelegt, unterstützt durch den erfolgreichen Launch des iPhone 17 und nachlassende Zollrisiken.

