Binance weist Berichte über massive Kapitalabflüsse zurück
Es sind wieder mal unruhige Zeiten in Krypto-Land, und im aktuellen Markteinbruch sorgen dann auch schon mal falsche Daten ordentlich für Unruhe. So geschehen diese Woche rund um Binance, der weltgrößten Krypto-Börse mit einem Marktanteil jenseits der 40 Prozent. Denn Binance sah sich am Donnerstag mit Gerüchten über angeblich beispiellose Mittelabflüsse konfrontiert.
In sozialen Medien – also vorwiegend auf X – kursierten Warnungen, wonach innerhalb von sieben Tagen zwischen 10 und 17 Milliarden US-Dollar von der Plattform abgezogen worden sein sollen. Binance hat die Vorwürfe bald zurückgewiesen und auf fehlerhafte Daten von Drittanbietern verwiesen. Das Abziehen solch großer Geldmengen wäre, hätte er wirklich stattgefunden, doch ein deutlicher Hinweis darauf, dass viele Trader aktuell nicht mehr in Kryptowährungen investieren wollen und Kapital anderswo hin verschieben. Parallel dazu wäre die Frage zu stellen, ob Binance solche Beträge auch sofort auszahlen kann.
Widersprüchliche Zahlen sorgen für Verunsicherung
Ein populärer Krypto-Analyst warnte auf X (ehemals Twitter; Tweet wurde mittlerweile wieder gelöscht) eindringlich: „Holen Sie Ihre Gelder von Binance. 17 Milliarden Dollar Abhebungen in den letzten 7 Tagen. Es besteht das Risiko, dass sie zahlungsunfähig werden.“ Ähnliche Warnungen verbreiteten sich rasch in der Krypto-Community, wobei die genannten Abflussvolumina stark variierten.
Die Plattform Coinglass hatte zunächst einen 24-Stunden-Abfluss von 3,76 Milliarden US-Dollar gemeldet. Daten von OKLink zeigten hingegen deutlich niedrigere Zahlen: 46,58 Millionen US-Dollar in 24 Stunden und 19,14 Millionen US-Dollar in sieben Tagen. Diese erheblichen Diskrepanzen bildeten den Kern der Kontroverse.
Binance erklärt Datenfehler bei Drittanbietern
Binance reagierte zeitnah auf die Vorwürfe und veröffentlichte eine offizielle Stellungnahme. Die Börse erklärte, dass die von Coinglass zitierten Daten aus Drittquellen stammten und auch DefiLlama zuvor bereits Unstimmigkeiten aufgewiesen habe. Laut Binance würde es weitere 24 bis 48 Stunden dauern, bis die Daten der Drittanbieter korrigiert seien.
„Die von Coinglass zitierten Daten stammen aus Drittquellen, und DefiLlama zeigte zuvor ebenfalls Diskrepanzen. Es wird weitere 24 bis 48 Stunden dauern, bis ihre Daten wiederhergestellt sind.“
Die Börse verwies Nutzer auf ihre eigenen Transparenzwerkzeuge, darunter die Proof-of-Reserves-Seite, und externe Plattformen wie CoinMarketCap und OKLink zur Überprüfung von Zu- und Abflüssen. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung zeigten die offiziellen Proof-of-Reserves-Berichte, dass alle Kryptowährungen überbesichert sind, was bedeutet, dass mehr US-Dollar die Reserven decken als Krypto-Vermögenswerte vorhanden sind.
Binance schlägt jährlichen „Withdrawal Day“ vor
In ihrer Stellungnahme ging Binance über die reine Verteidigung hinaus und schlug vor, dass regelmäßige Abhebungstests auf allen Handelsplattformen eine positive und gesunde Praxis darstellen würden. Die Börse empfahl die Einführung eines jährlichen „Withdrawal Day“ für alle Plattformen, um die Authentizität ihrer Vermögenswerte gründlich zu überprüfen.
Nutzer wurden aufgefordert, bei solchen Tests ihre Adressen sorgfältig zu überprüfen: „Bestätigen Sie, dann heben Sie ab“, so die Empfehlung von Binance.
Hintergrund: SAFU-Fonds vollständig in Bitcoin umgewandelt
Parallel zu den Diskussionen über angebliche Mittelabflüsse hat Binance kürzlich eine bedeutende strategische Entscheidung bezüglich seines SAFU-Fonds (Secure Asset Fund for Users) getroffen. Die Börse hat die finale Tranche von 4.545 BTC erworben und damit den Übergang von einer Milliarde US-Dollar an Stablecoin-Reserven in Bitcoin abgeschlossen.
Diese Umschichtung wurde innerhalb von 30 Tagen nach der ursprünglichen Ankündigung vollzogen, wie versprochen. Der SAFU-Fonds hält nun 15.000 Bitcoin im Wert von 1,005 Milliarden US-Dollar (berechnet zu einem BTC-Preis von 67.000 US-Dollar zum Zeitpunkt des Abschlusses).
Binance stellte die Bitcoin-Adresse des SAFU-Fonds sowie die Transaktions-ID öffentlich zur Verfügung, um Transparenz zu gewährleisten. In einer Erklärung betonte die Börse: „Mit dem SAFU-Fonds nun vollständig in Bitcoin bekräftigen wir unseren Glauben an BTC als erstklassigen langfristigen Reservevermögenswert.“

