Robinhood bündelt Anteile an Stripe, Revolut und Oura in Fonds – dieser startet schlecht
Mit Aktien-Token für OpenAI und SpaceX ist Robinhood schon einmal (negativ) aufgefallen: Der erste Versuch, User in Privatunternehmen investieren zu lassen, ging im Sommer 2025 ordentlich nach hinten los. Letztlich musste Robinhood-CEO Vlad Tenev zugeben, das die „tokenisierten Aktien“ von OpenAI und SpaceX keine tatsächlichen Unternehmensanteile darstellen. Doch die Idee, Anleger über neue Investitionsvehikel in populäre, nicht börsennotierte Unternehmen investieren zu lassen, hat die Fintech-Branche nicht losgelassen.
Robinhood hat jetzt mit dem Robinhood Ventures Fund I (RVI) einen börsengehandelten Venture-Fonds an der New York Stock Exchange platziert. Das Investmentvehikel verwaltet rund 658 Millionen Dollar und ermöglicht erstmals Privatanlegern den Zugang zu Beteiligungen an großen privaten Technologieunternehmen. Bisher waren solche Investments in der Regel nur institutionellen Anlegern und vermögenden Privatpersonen vorbehalten.
Emissionsdetails und Marktpositionierung
Der Fonds hat im Rahmen seines Börsengangs 12,6 Millionen Aktien zu je 25 Dollar ausgegeben. Das Emissionsvolumen blieb damit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück. CFO Shiv Verma erklärte gegenüber Reuters, dass eine große Marktlücke existiere, da Privatanleger bisher von Private-Equity-Investments weitgehend ausgeschlossen waren. Anders als traditionelle geschlossene Fonds bietet RVI keine Rücknahmegarantie, sondern setzt auf die Handelbarkeit der Fondsanteile über die Börse.
Der Start des ETF war durchwachsen, am ersten Handelstag am Freitag verlor RVI gleich einmal mehr als 13 Prozent an Wert:

Portfolio und Anlagestrategie
Das Portfolio des RVI umfasst Beteiligungen an sechs privaten Technologieunternehmen:
- Databricks (Datenanalyse)
- Stripe (Zahlungsdienstleister)
- Revolut (Fintech)
- Oura (Gesundheitstechnologie)
- Airwallex (Fintech)
- Boom Supersonic (Luftfahrt)
Die Anlagestrategie konzentriert sich auf ein fokussiertes Portfolio von Unternehmen, die in ihren jeweiligen Branchen führend sind. Der Fonds verfolgt einen langfristigen Ansatz und plant, Beteiligungen auch nach einem möglichen Börsengang der Portfoliounternehmen zu halten.
Kostenstruktur
Anleger zahlen eine jährliche Managementgebühr von 2 Prozent des verwalteten Vermögens. Eine erfolgsabhängige Performancegebühr (Carried Interest) wird nicht erhoben. Dies unterscheidet den Fonds von traditionellen Private-Equity-Vehikeln, die üblicherweise zusätzlich 20 Prozent der erwirtschafteten Gewinne als Performancegebühr berechnen.
Nachteile und Risiken
Der Fonds weist mehrere strukturelle Nachteile auf, die Anleger berücksichtigen sollten:
Bewertungsproblematik
Die Bewertungen der privaten Portfoliounternehmen werden nur selten aktualisiert. Dadurch kann der Börsenkurs des Fonds erheblich vom tatsächlichen Nettoinventarwert (Net Asset Value) der gehaltenen Beteiligungen abweichen. Anleger können somit nicht sicher sein, ob sie zu einem fairen Preis kaufen oder verkaufen.
Liquiditätsrisiko
Der Fonds kann bis zu 100 Prozent seines Vermögens in illiquide Anlagen investieren. Dies bedeutet, dass die Portfoliounternehmen nicht einfach verkauft werden können, wenn Liquidität benötigt wird oder sich Marktbedingungen ändern.
Eingeschränkte Erfahrung
Die Verwaltungsgesellschaft Robinhood Ventures DE, LLC wurde erst im August 2025 gegründet und verfügt über eine begrenzte Investmenthistorie. Die Gesellschaft ist zwar bei der US-Börsenaufsicht SEC als Anlageberater registriert, hat aber noch keine langjährige Erfolgsbilanz vorzuweisen.
Konzentrations- und Sektorrisiko
Mit nur sechs Beteiligungen ist das Portfolio stark konzentriert. Zudem sind alle Investments im Technologiesektor angesiedelt, was das Diversifikationsrisiko erhöht.
Zugänglichkeit und Transparenz
Ein Vorteil des Fonds ist, dass Anleger nicht als „akkreditierte Investoren“ qualifiziert sein müssen, um zu investieren. Diese Beschränkung gilt normalerweise für Private-Equity-Investments in den USA. Der Fonds veröffentlicht zudem regelmäßig ein Beteiligungsverzeichnis, sodass Anleger jederzeit nachvollziehen können, in welche Unternehmen investiert wurde. Die Verwaltung übernimmt Robinhood Ventures DE, LLC, eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Robinhood Markets, Inc.
In Europa hat etwa Trade Republic das Thema aufgegriffen und ermöglicht seinen Users seit September 2025 Investments in Tech-Unicorns über PE-Fonds. Dabei kooperiert das deutsche Fintech mit den Investmentgesellschaften Apollo und EQT. Auch das deutsche Startup NAO ermöglicht Investments in Private Equity.

