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SaaS-Unternehmen geraten ins M&A-Visier von KI-Laboren

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Die Softwarebranche steht vor einer Phase verstärkter Fusionen und Übernahmen. Experten führen diese Entwicklung auf die strukturellen Veränderungen durch Künstliche Intelligenz zurück, die traditionelle Geschäftsmodelle im Software-as-a-Service-Bereich (SaaS) grundlegend in Frage stellen.

Dominic Rizzo, Portfoliomanager der Global Technology Equity Strategy bei T. Rowe Price, sieht die Softwarebranche mitten in einer strukturellen Umgestaltung. „KI zehrt an den traditionellen IT-Budgets und senkt die Kosten für die Entwicklung von Software, was den Wettbewerb verschärft“, erklärt Rizzo. „Einige wenige datenreiche Plattformen werden gestärkt daraus hervorgehen, aber viele Unternehmen benötigen schlankere Kostenstrukturen, geringere aktienbasierte Vergütungen und eine klarere Preisgestaltungsmacht.“

Prognose: Konsolidierung durch KI-getriebene Umwälzungen

Da die Bewertungen nun angemessener sind, könnte es zu einer deutlichen Zunahme von Fusionen und Übernahmen im Softwarebereich kommen, da große Technologie- und KI-Labore Daten und Workflows erwerben wollen.“ – Dominic Rizzo, T. Rowe Price

Der Portfoliomanager betont zugleich, dass KI für den größten Produktivitätsschub seit der Erfindung der Elektrizität sorge und die Entwicklung noch am Anfang stehe. Die Produktivität im Informationssektor steige, das Cloud-Wachstum habe sich beschleunigt, und große Plattformen erzielten deutlich mehr Umsatz pro Mitarbeiter.

Börsenturbulenzen nach Launch von KI-Arbeitsassistenten

Hintergrund der M&A-Erwartungen sind massive Kurseinbrüche bei börsennotierten SaaS-Unternehmen. Ausgelöst wurden diese durch die Veröffentlichung von Claude Cowork, einem agentischen KI-System von Anthropic, das eigenständig Aufgaben in verschiedenen Programmen ausführen kann.

Das System erstellt Excel-Tabellen, bearbeitet PowerPoint-Präsentationen, verwaltet E-Mails und greift auf Cloud-Speicher zu. Für etwa 22 Euro monatlich erhalten Nutzer Zugang zu Funktionen, die bisher spezialisierte SaaS-Lösungen erforderten. In der Woche nach dem Launch von Cowork verzeichneten zahlreiche etablierte Softwareunternehmen deutliche Kursverluste.

Analysten führten die Marktreaktion direkt auf die Veröffentlichung von Cowork zurück. Die Geschwindigkeit der Entwicklung überraschte dabei selbst Branchenkenner: Nur drei Wochen nach dem Launch diskutierte die Fachwelt bereits über die grundsätzliche Zukunftsfähigkeit traditioneller SaaS-Geschäftsmodelle.

Strukturelle Herausforderungen für SaaS-Anbieter

Die Bedrohung für etablierte Software-Anbieter ist mehrschichtig. KI-Agenten können zunehmend Aufgaben direkt per Code lösen, wodurch der Bedarf an komplexen Benutzeroberflächen entfällt. Workflow-Automatisierungstools verlieren an Bedeutung, da KI-Systeme Integrationen eigenständig durchführen können.

Branchenexperten identifizieren zwei Kategorien mit besseren Überlebenschancen: Unternehmen, die als dauerhafte Datenspeicher fungieren (CRM-Systeme, Buchhaltungssoftware, ERP-Lösungen), sowie Datenanbieter, die proprietäre Daten mit KI-Analysen kombinieren.

Implikationen für Investoren und Startups

Für die Venture-Capital-Branche bedeutet die Entwicklung eine grundlegende Neubewertung. Branchenbeobachter schätzen, dass für viele der aktuellen SaaS-Startups die ursprünglichen Wachstumsprognosen nicht mehr zutreffen, da potenzielle Neukunden Aufgaben zunehmend selbst mit KI-Tools lösen.

Experten erwarten einen verstärkten Druck in Richtung Mergers & Acquisitions. Investoren werden Portfoliounternehmen zum Verkauf drängen, wenn Follow-on-Finanzierungen unrealistisch werden. Eine Konsolidierungswelle ähnlich der Private-Equity-Bewegung der 1980er-Jahre wird prognostiziert.

Ausblick: Halbleiter als klare Profiteure

Während die Softwarebranche vor Umwälzungen steht, sieht Rizzo Halbleiter als klare Nutznießer des KI-Booms. „Die Ausgaben für KI-Chips könnten bis 2030 1 Billion US-Dollar erreichen, und Hyperscaler planen bereits für das nächste Jahr Investitionen in Höhe von mehr als 650 bis 700 Milliarden US-Dollar“, so der T. Rowe Price-Manager.

Er betont, dass die Bewertungen im Technologiesektor attraktiver seien, als es die Schlagzeilen vermuten ließen. Viele der größten Halbleiterunternehmen im KI-Bereich würden immer noch schneller wachsen als ihre Bewertungen, was bedeute, dass Anleger weniger für Wachstum zahlen als normalerweise üblich.

Ob die kommenden Monate tatsächlich eine umfassende Konsolidierungswelle bringen, wird sich zeigen. Fest steht: Die Geschwindigkeit der Veränderung lässt etablierten Anbietern wenig Zeit zur Anpassung. Unternehmen ohne einzigartige Daten, tiefe Domain-Expertise oder eine Position als unverzichtbarer Datenspeicher müssen ihre Geschäftsmodelle grundlegend überdenken.

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