Report

Europäische Uni-Spin-offs bei fast 400 Milliarden Dollar – aber USA sackt die Exits ein

© Dealroom
© Dealroom
Startup Interviewer: Gib uns dein erstes AI Interview Startup Interviewer: Gib uns dein erstes AI Interview

Die Ausgründungen europäischer Universitäten haben sich zu einem Schwergewicht der Tech-Szene entwickelt: Mehr als 7.300 Deep-Tech- und Life-Sciences-Spinouts aus europäischen Hochschulen und Forschungszentren erreichen mittlerweile eine kombinierte Bewertung von 398 Milliarden Dollar und beschäftigen über 167.000 Menschen. 76 dieser Deep-Tech- und Life-Science-Unternehmen haben entweder eine Bewertung von 1 Milliarde US-Dollar oder einen Umsatz von 100 Millionen US-Dollar erreicht. Das zeigt der neue European Spinouts Report 2025 von Dealroom.co, der erstmals das gesamte Ökosystem systematisch erfasst.

Besonders bemerkenswert: 39 Prozent des Gesamtwerts stammen von Unternehmen, die erst seit 2015 gegründet wurden – ein klares Zeichen für die Beschleunigung. Spinouts machen inzwischen 40 Prozent aller neuen Deep-Tech- und Life-Sciences-Startups seit 2019 aus, verglichen mit nur 22 Prozent im Zeitraum 2010 bis 2018. Die Zahlen belegen, dass akademische Forschung nicht nur Papers produziert, sondern zunehmend in kommerzielle Erfolge mündet.

Österreich bzw. österreichische Hochschulen bzw. Unternehmen spielen in dem Report eine untergeordnete Rolle. Das Research Institute of Molecular Pathology (IMP) in Wien schafft es immerhin auf Platz 18 der Top-Forschungszentren für Deep Tech & Life Science-basiertes Unternehmertum. Wirtschaftskammer sowie die TU Graz, Uni Wien, das Zentrum für angewandte Technologie Leoben (ZAT Leoben), Xista VC oder Noctua Science Ventures lieferten Daten für den Report.

Oxford und Cambridge führen, ETH und EPFL punkten stark

Im Ranking der wertvollsten Spinout-Erzeuger dominieren britische und Schweizer Universitäten: Oxford belegt Platz eins, gefolgt von Cambridge, der ETH Zürich, der EPFL Lausanne und der TU München. Deutschland führt auf Länderebene mit einem kombinierten Enterprise Value von 125,6 Milliarden Dollar, gefolgt von Großbritannien mit 114 Milliarden Dollar, der Schweiz mit 44,6 Milliarden und Frankreich mit 42,1 Milliarden. Pro Kopf gerechnet liegt die Schweiz allerdings unangefochten vorne – ein Indiz für die Effizienz des dortigen Ökosystems.

„An der EPFL glauben wir, dass großartige Wissenschaft der Samen für großartige Startups ist“, erklärt Andrea Crottini, Head of Technology Transfer Office der EPFL. „Forscher dabei zu unterstützen, den Zweck ihrer Technologie zu hinterfragen und sie zu Unternehmern wachsen zu lassen, ist Teil unserer DNA.“ Auch Hermann Hauser von Amadeus Capital Partners betont die Bedeutung: „Europa ist eine Quelle erstklassiger, grundlegender Wissenschaft. Unsere Herausforderung und immense Chance für die kommenden Jahre besteht darin, die Übersetzung dieser akademischen Brillanz in globale Deep-Tech-Champions zu meistern.“

Das Funding-Umfeld zeigt sich 2025 robust: Europäische Uni-Spinouts haben bisher 7,9 Milliarden Dollar an Venture Capital eingesammelt und steuern auf 9,1 Milliarden bis Jahresende zu – doppelt so viel wie vor der Pandemie 2019. Die größten Runden gingen an AI-Unternehmen wie Synthesia (380 Millionen Dollar), Quantum-Firmen wie IQM (320 Millionen) und Fusion-Startups wie Proxima (145 Millionen).

Auch bei Exits läuft es: 2025 verzeichnete sechs Exits über einer Milliarde Dollar, darunter die Übernahme von TransMedics (Oxford) durch Terumo für 1,5 Milliarden und der Buyout von Nexthink (EPFL) durch Vista Equity Partners für 3 Milliarden. US-Käufer haben seit 2019 Spinouts im Wert von fast 24 Milliarden Dollar übernommen – ein Hinweis darauf, dass europäische Forschung zwar erstklassig ist, die Skalierung aber oft anderswo stattfindet.

Late-Stage-Kapital fehlt, Reformen nötig

Genau hier liegt das Problem: Fast 50 Prozent des Late-Stage-Fundings für europäische Deep-Tech- und Life-Sciences-Spinouts stammen von außerhalb Europas, hauptsächlich aus den USA. Im Early-Stage-Bereich sieht es besser aus – dort kommen 86 Prozent des Kapitals aus Europa. „Um das Beste aus britischer und europäischer Innovation zu machen, müssen wir Forschung mit größeren Mengen an öffentlichem und privatem Kapital unterstützen – einschließlich institutioneller Investitionen und Pensionsfonds – nicht nur während der frühen Entwicklung, sondern auch durch die entscheidende Scale-up-Phase“, fordert Christine Hockley von der British Business Bank.

Der Report empfiehlt zudem mehr Proof-of-Concept-Funding für Universitäten, um die erste „Valley of Death“ zwischen Labor und Markt zu überbrücken, sowie transparentere und gründerfreundlichere Spinout-Konditionen. Equity-Stakes von Universitäten sollten maximal 25 Prozent betragen, Exit-Fees nicht über 1 bis 2 Prozent liegen, und der Gründungsprozess sollte drei Monate nicht überschreiten.

Auch kulturell muss sich einiges ändern: Unternehmertum wird zwar zunehmend als dritte Säule der Wissenschaft neben Lehre und Forschung anerkannt, doch viele Forscher sehen es noch immer nicht als Karriereoption. Universitäten könnten durch Anreize – flexible Arbeitsmodelle, Anerkennung von Ausgründungen bei Beförderungen, Rückgabe von IP-Rechten an Erfinder – gegensteuern. Einige Vorreiter machen es vor: Die ETH Zürich hat 2025 ein Express-Licensing-Verfahren eingeführt, das innerhalb von sechs bis acht Wochen eine standardisierte Lizenz mit 2 Prozent Equity-Stake liefert – ohne langwierige Verhandlungen.

Solche Initiativen könnten Schule machen, wenn Europa seine wissenschaftliche Exzellenz konsequenter in wirtschaftlichen Erfolg ummünzen will. „Es ist Mode geworden zu behaupten, dass Europa seine innovative Kraft verloren hat und nie wieder aufholen wird“, sagt Sacha Wunsch-Vincent von der WIPO. „Obwohl noch viel Arbeit nötig ist, gibt es Hoffnung und Belege für das Gegenteil.“ Die Zahlen geben ihm recht – jetzt braucht es die richtigen Rahmenbedingungen, um das Potenzial voll auszuschöpfen.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse
#glaubandich CHALLENGE Hochformat.

#glaubandich CHALLENGE 2026

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord

AI Talk

Der führende KI Podcast mit Clemens Wasner & Jakob Steinschaden

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen