Ferrero investiert Millionenbetrag in Neoh
Die italienische Süßigkeiten-Dynastie Ferrero steigt laut Standard über ihre Investmentgesellschaft Teseo Capital beim Wiener Schokoriegelhersteller Neoh ein. Das Jungunternehmen hat mit seinem Zuckerersatz Zero+ eine Technologie entwickelt, die Zucker in Süßwaren durch pflanzliche Ballaststoffe ersetzt. Die Investmentsumme liegt im unteren zweistelligen Millionenbereich. Es ist das erste Mal, dass der Konzern hinter den Marken Nutella, Kinder und Ferrero Rocher in ein österreichisches Unternehmen investiert.
„Zero+ hebt sich durch breites Anwendungspotenzial ab“
Zero+ besteht zu mehr als 90 Prozent aus pflanzlichen Ballaststoffen aus Agave, Chicorée, Mais und Weizen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 attestiert dem Zuckerersatz „deutlich geringere Schwankungen des Blutzuckerspiegels“. Neoh produziert seit knapp zehn Jahren zuckerfreie Riegel, Waffeln und Schokoladetafeln auf Basis dieser Formel.
Alessandro Boccardo, Investment Director bei Teseo Capital, erklärt: „Wir haben weltweit unterschiedliche Ansätze zur Zuckerreduktion evaluiert. Zero+ hebt sich durch seine industrielle Einsetzbarkeit sowie sein breites Anwendungspotenzial über mehrere Produktkategorien hinweg ab.“
Neben Teseo Capital beteiligt sich auch Zintinus an der Finanzierungsrunde. Der Food-Tech-Investor wurde vom ehemaligen Metro-Chef und Mercedes-Benz-Aufsichtsratsmitglied Olaf Koch gegründet. „Neoh hat eine technologische Lösung entwickelt, die eines der zentralen Probleme der Lebensmittelindustrie adressiert: die Reduktion von Zucker ohne geschmackliche Kompromisse. Das hat uns überzeugt“, heißt es bei Zintinus.
Neoh produziert nach „Coca-Cola-Modell“
Neoh-Mitgründer Manuel Zeller spricht von „sehr fairen und amikalen Verhandlungen“ und ergänzt: „Die Familie Ferrero hat unsere Produkte selbst gekostet und war begeistert.“ Die genaue Höhe der abgegebenen Unternehmensanteile bleibt vertraulich. In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung von Neoh klafft 2024 ein Minus von fast 16 Millionen Euro, das laut Zeller auf eine notwendige Abwertung zurückgeht. Für 2025 erwartet Neoh einen Umsatz von 22 Millionen Euro.
Ein Patent für Zero+ gibt es nicht und soll es auch nicht geben. Zeller setzt stattdessen auf strenge Geheimhaltungsvereinbarungen. Er nennt es das „Coca-Cola-Modell“. Die Formel werde ständig weiterentwickelt, ein Patent würde anderen mit der Zeit Einblick gewähren. Der 43-Jährige versteht Zero+ mittlerweile als „offene Technologieplattform für Zuckerreduktion“, die bei Lebensmitteln jeglicher Art andocken kann, die Schokolade enthalten.

