UniverCell holt sich 30 Millionen Euro für europäische Batterieproduktion
Das Kieler Batterie-Startup UniverCell hat eine Series-B-Finanzierungsrunde über 30 Millionen Euro abgeschlossen. Die Runde wird vom DeepTech & Climate Fonds (DTCF) angeführt, mit Beteiligung des European Innovation Council (EIC) Fund. Das 2019 von Stefan Permien und Marius Strack gegründete Unternehmen nimmt im Sommer die Serienfertigung eigener Lithium-Ionen-Batteriezellen auf.
Ab Juni will UniverCell monatlich 50.000 Rundzellen vom Typ 21700 in seiner Produktionsanlage nahe Kiel in Deutschland herstellen. Das Unternehmen beabsichtigt, seine Produktion schrittweise deutlich auszuweiten. Ziel ist es, die Herstellungsmenge zu erhöhen, ohne dass die Kosten im gleichen Verhältnis ansteigen. Laut Co-Founder Permien könnte UniverCell bis 2027 eine jährliche Produktionskapazität von etwa 1,3 Gigawattstunden erreichen.
Batterien made in Germany
UniverCell beschäftigt mittlerweile 83 Mitarbeitende. Das deutschen Jungunternehmen entwickelt und produziert seit November 2020 Elektrodenfolien, die zentrale Komponente für Energiespeicherung in Batterien. UniverCell setzt dabei auf vollständige Eigenentwicklung: Alle Anoden und Kathoden entstehen in-house, was hohe Reproduzierbarkeit, niedrige Ausschussraten und schnelle Umrüstzeiten für kundenspezifische Projekte ermöglicht.
Die Zellen kommen in Hochleistungsanwendungen wie Satelliten, Raumfahrtsystemen und medizinischen Intensivgeräten zum Einsatz. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen zweistelligen Millionenumsatz.
Trockenbeschichtung als technologischer Differenzierungsfaktor
Der entscheidende technologische Vorteil liegt im industriellen Trockenbeschichtungsverfahren für Elektroden. Im Vergleich zu konventionellen Nassbeschichtungsmethoden reduziert das Verfahren Energieverbrauch, Chemikalieneinsatz und CO₂-Emissionen erheblich – bei gleichzeitig verbesserter Elektrodenmikrostruktur und höherer Zellleistung. „Trockenbeschichtung ermöglicht es uns, Leistung, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit im industriellen Maßstab zu kombinieren“, so Co-Founder Permien. „Dies wird zunehmend kritisch, da regulatorische und ökologische Anforderungen weiter steigen.“
In strategischer Zusammenarbeit mit IKA, einem führenden Hersteller innovativer Prozesstechnologie, treibt UniverCell ein umfassendes Entwicklungsprogramm im Bereich Trockenbeschichtung voran – von der Weiterentwicklung über Pilotierung bis zur Großserienfertigung. Mitgründer Marius Strack betont: „Im Herzen jeder Hochleistungsbatterie steht ein Produktionsprozess, den man wirklich kontrolliert. Unser Fokus lag immer auf industrieller Umsetzung und skalierbarer Fertigung in Europa.“
Europäische Antwort auf chinesischen Wettbewerb
„Der europäische Batteriesektor befindet sich in einer kritischen Situation mit Druck durch chinesische Joint Ventures“, sagt Elisabeth Schrey, Venture Partner bei DTCF. „Gleichzeitig zeigt die Elektrifizierung in Hochleistungsanwendungen eine vielversprechende Gelegenheit, einen lokalen Champion aufzubauen und unabhängige Lieferketten zu sichern.“
Die Gründer haben sich bewusst gegen ein Joint Venture mit chinesischen Unternehmen entschieden und setzen auf eine souveräne europäische Lösung. „Wir haben in den vergangenen Jahren mühsam unser eigenes Know-how aufgebaut und Rückschläge verkraftet“, sagt Permien gegenüber dem Handelsblatt.
Svetoslava Georgieva, Vorsitzende des EIC Fund Board, unterstreicht die strategische Bedeutung: „UniverCell repräsentiert genau die Art von europäischem DeepTech-Champion, für dessen Unterstützung der EIC Fund geschaffen wurde. Das Unternehmen kombiniert starke technologische Differenzierung mit klarer industrieller Relevanz in einer der strategisch wichtigsten Wertschöpfungsketten Europas.“
Das frische Kapital fließt in die Skalierung der Produktionskapazität, die Weiterentwicklung der proprietären Elektroden- und Zelltechnologien sowie den Aufbau wettbewerbsfähiger, nachhaltiger Batteriezellenfertigung in Europa.
