Kampfansage

So sieht Apples Angriff auf den umkämpften „Buy Now Pay Later“-Markt aus

Apple Pay later. © Apple
Apple Pay later. © Apple

Eigentlich beutelt es den BNPL-Markt gerade ziemlich durch. Die Rezession spüren die Anbieter von Rechnungskauf, Ratenzahlungen und Schnellkrediten im E-Commerce besonders, weil die Shopping-Lust bei Konsument:innen mit rasant steigender Inflation spürbar gesunken ist. Genau in dieser Phase kommt nun das wertvollste Unternehmen der Welt daher und sagt: „Später mit Apple Pay bezahlen“.

Genau. Der iPhone-Konzern steigt ins Geschäft mit „Buy Now Pay Later“ ein. Nutzer:innen in den USA werden die Kosten eines Apple-Pay-Kaufes in vier gleich große Raten auf sechs Wochen verteilen können, ohne dass Zinsen oder anderweitige Gebühren anfallen, so das Versprechen. Völlig kostenlos wird das Angebot aber nicht sein: „Das kartenausgebende Bankinstitut kann eine Gebühr erheben, wenn das Debitkartenkonto von Nutzer:innen nicht ausreichend gedeckt ist“, heißt es bei Apple – und weist darauf hin, dass man recht schnell im Minus landen kann.

Das Update ist Teil von iOS16, das im Herbst auf iPhones kommen wird. „Später mit Apple Pay bezahlen“ ist direkt in Apple Wallet integriert und soll damit auch ermöglichen, die Ratenzahlungen anzuzeigen, nachzuverfolgen und zurückzuzahlen. Für jeden User ist die Ratenzahlungsmöglichkeit nicht verfügbar – man braucht dazu Apple Pay oder muss über die Wallet bezahlen, und man muss sich für den neuen Service freischalten lassen.

Amazon steigt mit Partner Affirm ins „Buy Now Pay Later“-Geschäft ein

In vielen Apps und Online-Shops möglich

Wichtig zu erkennen: Die BNPL-Lösung von Apple ist nicht nur für die hauseigenen Online-Stores gedacht, sondern soll überall dort funktionieren, wo „Apple Pay online oder in Apps mit dem Mastercard Netzwerk akzeptiert wird“, heißt es. Das bedeutet, dass die Ratenzahlungen sehr bald in sehr vielen Online-Shops verfügbar sein werden – zumindest für jene US-Nutzer:innen, die dafür in Frage kommen. Belege und Informationen zur Nachverfolgung von Bestellungen soll es in der Wallet für Apple-Pay-Käufe auch zu sehen geben, aber nur von teilnehmenden Händler:innen.

Generell wird bei BNPL-Lösungen die Liquidität und Bonität von Nutzer:innen überprüft. Apple könnte das auf Basis der bisherigen Kaufhistorie von Apple Pay zurückgreifen oder das über die Partnerschaft mit Mastercard machen – immerhin einer der wichtigsten Herausgeber von Debit-Karten. Spannend wird auch, wie sich das neue Angebot auf den restlichen Markt auswirkt – denn die kostenlose Ratenzahlung innerhalb von sechs Wochen sind natürlich eine Kampfansage und dienen dazu, dass Payment-System von Apple zu stärken.

Besonders wichtig aber wird, welche Online-Shops das Angebot integrieren werden. Bei Amazon etwa wird es nicht funktionieren – dort ist bereits die BNPL-Lösung von Affirm, das von PayPal-Mitgründer Max Levchin gegründet wurde, integriert. Auch Klarna hat sich bereits zahlreiche Partner an Bord bzw. in seine „Super-App“ geholt, und PayPal ist mit seinen Ratenzahlungslösungen in viele Check-out-Prozesse integriert.

Allerdings ist das Marktumfeld ein riskantes. Klarna, einer der Marktführer aus Europa, will sich von zehn Prozent seiner Belegschaft trennen – etwa 700 Mitarbeiter:innen wurden Abfindungsangebote unterbreitet. „Das Vertrauen der Verbrauche:innen in die Zukunft hat sich verändert, die Inflation ist stark angestiegen, der Aktienmarkt ist sehr unbeständig und eine Rezession ist wahrscheinlich im Anmarsch“, argumentierte CEO Sebastian Siemiatkowski. Viele andere BNPL-Anbieter:innen stehen ebenfalls eher unsicher da.

„Rezession im Anmarsch“: Fintech Klarna mit Massenkündigungen vor Downround

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