360-Grad-Fotos

Berliner Start-up Panono: „Wir wollen die Spiegelreflexkamera der 3D-Fotografie werden“

Jonas Pfeil mit Ballkamera, fotografiert mit normaler Kamera. © Jakob Steinschaden
Jonas Pfeil von Panono mit Ballkamera, fotografiert mit normaler Kamera. © Jakob Steinschaden

Jonas Pfeil steht auf einem Hochhaus in Tokio und wirft einen schwarz-grünen Ball in die Luft, nur um gleich darauf von einem Hauswächter ermahnt zu werden, dass das hier gar nicht gehe. Das 360-Grad-Foto, das die Kamerakugel im Flug mit 36 Einzelkameras und insgesamt 108 Megapixel aufgenommen hat, hat Pfeil aber natürlich trotzdem in der Tasche.

“Wir wollen die Spiegelreflex der 360-Grad-Fotografie werden”, sagt Pfeil später im Gespräch. Gemeinsam mit Björn Bollensdorff und Qian Qin hat er das Startup Panono in Berlin 2012 ins Leben gerufen und vier Jahre Entwicklungszeit in den mittlerweile weltbekannten Fotoball gesteckt. Bis Mitte März konnte die Jungfirma rund 650 Panonos (zum Stückpreis von 1500 Euro) verkaufen, mehr als 35.000 interaktive Panoramabilder wurden von den Nutzern auf die Server hochgeladen. Die Chancen auf die Marktführerschaft in der hochqualitativen 360-Grad-Fotografie stehen nicht schlecht: Laut Pfeil böte man eine fünf Mal bessere Auflösung als die Konkurrenz.

Fotos in der Cloud

Die Cloud – Panono hat sich bei den Amazon Web Services eingemietet – ist die zentrale Komponente des Startups. Denn während die Hardware von Jabil, einem der größten Auftragsherstellern der Welt neben Foxconn (Apple), in Polen hergestellt wird, liegt das eigentliche Know-how des Startups in seiner Software. Denn erst auf den Servern werden die 36 hochauflösenden Einzelbilder zu einem nahtlosen Gesamtfoto zusammenrechnet, auf dem man sich im Web, auf Smartphones, mit Tablets und natürlich auf Virtual-Reality-Brillen umsehen kann:

Was die Ball-Kamera nicht kann: Video. “Wir wollen keine Kompromisse eingehen. Wenn man Foto und Video macht, dann ist beides nicht optimal”, sagt Pfeil. Deswegen fokussiert sich Panono, das bis dato vor allem Hobby-Fotografen mit dem nötigen Kleingeld begeisterte (das Startup sammelte via Crowdfunding insgesamt 2,6 Millionen Euro ein), zunehmend auf den B2B-Markt. Versicherungen, Immobilienfirmen, Tourismusgesellschaften oder Bauunternehmen will man künftig gleich mehrere Panonos verkaufen, weil diese die 360-Grad-Kamera brauchen könnten, um detailreiche Aufnahmen von Häusern, Baustellen oder anderen Objekten zu schießen.

Aus diesem Grund ist Pfeil auch in Japan unterwegs gewesen. Denn dort sitzen führende Kamerahersteller wie Nikon oder Canon, zu deren Portfolio und weltweiten Vertriebsnetzen eine 360-Grad-Kamera auch ganz gut passen würde. Ob es Panono geschafft hat, einen der großen Kamerahersteller als strategischen Partner oder gar als Käufer gewonnen zu haben, wird die nähere Zukunft weisen.

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