Stammtisch-Diskussion

“Die Startup-Branche muss erwachsen werden”

Daniel Cronin (AustrianStartups) mit seinen Podiumsgästen. © Timar Ivo Batis
Daniel Cronin (AustrianStartups) mit seinen Podiumsgästen. © Timar Ivo Batis

Wo soll man die Grenzen bei der Bro Culture im eigenen Unternehmen ziehen, wann ist faken noch erlaubt? Diesen Fragen widmeten sich am Mittwoch Abend bei einer Podiumsdiskussion am AustrianStartups Stammtisch eine Vertreter der Startup-Szene. Anlass der Diskussion: Die Präsentation des neuen Code of Conduct der österreichischen Branche, der das Miteinander der Community-Mitglieder regeln soll und von einer ganzen Reihe an Organisationen, Unternehmen und Medien unterstützt wird (Trending Topics berichtete).

“Wenn eine Frau in ein Büro voller Alpha-Männchen kommt, dann ist das keine wirklich willkommene Atmosphäre”, sagte Floor Drees vom Coworking Space sektor5 über die Bro Culture, die in vielen Männer-Teams herrscht. Sie rät Gründern und Geschäftsführern dazu, „diversity hiring“ zu machen – also darauf zu schauen, dass es ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter in Teams gibt. “Am Ende bremst Diskriminierung die Innovation, es ist einfach ineffizient”, sagte Andreas Klinger, CTO bei Product Hunt in San Francisco. Wenn man nicht aktiv nach Frauen suchen würde, würde man viele Talente ausklammern. Seiner Erfahrung nach würden Frauen oft besser, kreativer und schneller arbeiten. “Die Startup-Industrie muss erwachsen werden”, so Klinger weiter.

“Das Problem betrifft nicht nur die Startup-Szene, sondern die gesamte Wirtschaft”, sagte Johann Rath, CEO bei TableConnect. Dass es viel weniger Frauen in technischen Berufen gebe, sei auf die Ausbildung zurückzuführen. Exklusive Männerrunden im Business-Bereich, zu denen Frauen nicht eingeladen werden bzw. davon ausgeschlossen werden, sieht Maggie Childs, neues Vorstandsmitglied von AustrianStartups und Gründerin des Magazins Metropole, als Problem. “Für mich ist es ein Deal-Breaker, wenn sich jemand so benimmt.”

„Manchmal ist es ganz gut etwas zu faken“

Der zweite große Themenkomplex neben Diversity war das Thema „Fake it till you make it“. Das Beispiel des Wiener Startups TableConnect zeigt, dass aus einem Fake-Video ein echtes Unternehmen entstehen kann. 2010 präsentierte man in einem viralen YouTube-Video einen Tisch, der ein iPhone-Display spiegeln kann. Der Zuspruch damals war so groß, dass sich das Team dazu entschloss, die Tische wirklich auf den Markt zu bringen. “Die Kaufanfragen haben nie aufgehört, deswegen haben wir dann angefangen, das Produkt tatsächlich zu verkaufen”, so Rath von TableConnect. Grenzen beim Faken gebe es aber natürlich: “Wir haben aber nie Dinge verkauft, die nicht funktionieren.”

Doch wie weit darf man beim Faken gehen? “Manchmal ist es ganz gut, etwas zu faken. Wenn man ehrlich auf eine clevere Art und Weise ist, dann ist es ok”, sagte Klinger, der im Silicon Valley arbeitet und lebt. Dort sei es gang und gäbe, schön designte Landing Pages ohne Produkt dahinter zu launchen, um abzutesten, ob es einen Markt für eine Idee gibt. “So lange es nicht Betrug ist, entscheidet der Markt.”

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