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Flinn: Wiener Scale-up für Medizintechnik holt 17 Mio. Euro in der Series A

Floinn founders Markus Müller, Bastian Krapinger-Rüther und Hasib Samad. © Flinn
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Das Wiener Scale-up Flinn hat eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 17 Mio. Euro (20 Millionen US-Dollar) abgeschlossen. Die Runde wird von HV Capital angeführt, mit Beteiligung des US-amerikanischen Healthcare-Spezialisten BHI (Bertelsmann Healthcare Investments) sowie den Bestandsinvestoren Cherry Ventures, Speedinvest und SquareOne. Das 2023 gegründete Scale-up entwickelt KI-gestützte Software zur Automatisierung von Regulierungs- und Qualitätsprozessen in der Medizintechnik- und Pharmaindustrie.

Produkterweiterung und internationale Expansion

Mit dem frischen Kapital plant Flinn die Erweiterung seiner Plattform über den gesamten Produktlebenszyklus in MedTech und Pharma. Dies umfasst neben den bisherigen Schwerpunkten in Regulierung und Post-Market-Prozessen auch Forschung und Entwicklung sowie kommerzielle Prozesse. Gleichzeitig soll die internationale Präsenz in Europa ausgebaut und der Eintritt in den US-Markt vorbereitet werden.

Das Unternehmen hatte bereits im September 2024 eine Finanzierungsrunde über sechs Millionen Euro abgeschlossen, damals unter dem Namen „Flinn Comply“. Insgesamt hat das Scale-up nun eigenen Angaben zufolge rund 30 Millionen Dollar eingesammelt.

Automatisierung regulatorischer Prozesse

Flinn adressiert die Herausforderung, dass Medizintechnik- und Pharmaunternehmen mit zunehmend komplexen regulatorischen Anforderungen konfrontiert sind. Die Software des Unternehmens automatisiert regulatorische Workflows, Datenevaluierung und Berichterstattung. Manuelle, dokumentenlastige Prozesse werden durch skalierbare, intelligente Systeme ersetzt.

Zu den Kunden zählen nach Unternehmensangaben führende MedTech-Unternehmen wie Carl Zeiss, Philips und Paul Hartmann. Stefan Fischer, Senior VP Regulatory Affairs bei Hartmann, wird in der Pressemitteilung mit folgender Aussage zitiert:

„Bei Paul Hartmann hat Flinn grundlegend verändert, wie wir an regulatorische und Qualitätsarbeit herangehen. Durch die Automatisierung wiederkehrender Compliance- und Evaluierungsaufgaben können unsere Teams konsistenter über Märkte hinweg arbeiten und sich auf höherwertige Aktivitäten konzentrieren, die Expertenwissen erfordern.“

Gründerteam mit N26-Hintergrund

Flinn wurde von Markus Müller, Bastian Krapinger-Rüther und Hasib Samad gegründet. Alle drei Gründer waren zuvor bei der Neobank N26 tätig. Krapinger-Rüther bringt zusätzlich Erfahrung aus der MedTech-Branche mit, unter anderem vom steirischen Unternehmen Carbomed.

Bastian Krapinger-Rüther, Co-Founder und Co-CEO, erklärt die strategische Ausrichtung: „Regulatorische und Qualitätsprozesse sind zu einem der Hauptkostentreiber über den gesamten medizinischen Produktlebenszyklus geworden. Unsere Software ist darauf ausgelegt, manuelle, dokumentenlastige Workflows durch automatisierte Systeme zu ersetzen, die über Produkte, Märkte und regulatorische Regime hinweg skalieren.“

Investorenperspektive

Felix Klühr, General Partner bei HV Capital, hebt die kommerzielle Traktion und das Kundenfeedback hervor. Tim Schneider, Partner bei BHI, betont die Marktchancen in den USA und die Kombination aus branchenspezifischer Erfahrung und technischer Umsetzungsgeschwindigkeit des Teams.

HV Capital ist einer der führenden Early-Stage- und Growth-Investoren in Europa mit 2,8 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen. BHI konzentriert sich als Investmentarm von Bertelsmann auf Healthcare-Technologien.

Marktkontext

Die Medizintechnik- und Pharmaindustrie unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen. In Europa müssen Unternehmen beispielsweise die Vorgaben der Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation, MDR) einhalten. Diese Compliance-Prozesse sind aufwendig und kostenintensiv, was insbesondere für innovative Unternehmen eine Herausforderung darstellt.

Flinn positioniert sich als Lösung, um diese Prozesse effizienter zu gestalten, ohne dabei Kompromisse bei der Patientensicherheit einzugehen. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Wien und beschäftigt sich nach eigenen Angaben mit der Transformation von Compliance von einem manuellen Kostenfaktor zu einem skalierbaren Wissens-Hub.

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