Hintergrund

Verlieren Developer wegen GPT-4 bald ihre Jobs? Moment, nicht so schnell

Developer. © Canva Pro
Developer. © Canva Pro

Die Unkenrufe kommen alle paar Jahre wieder auf: Durch Fortschritte bei Technologien wird so viel vereinfacht und automatisiert, dass es künftig weniger oder gar keine Developer mehr braucht. Zuletzt kam diese Diskussion auf, als 2019 Gerüchte durch den Markt schwappten, dass der weltweit führende Cloud-Anbieter Amazon Web Services bald eine No-Code-Plattform auf den Markt bringen würde, die es Nicht-Programmierer:innen ermöglichen sollte, selbst Web-Anwendungen umzusetzen. Zwar hat AWS 2020 „Honeycode“ gelauncht, doch auch 3 Jahre später steht da noch „Beta“ dabei.

2023 kommt die Diskussion nun wieder auf. Der Auslöser: GPT-4. Wie berichtet wird das Netz aktuell mit Berichten und Beispielen geflutet, die unterm Strich eines zeigen: Das KI-Modell kann auf Befehl Code schreiben, und Nicht-Developer zeigen, dass sie damit Games, Webseiten oder Browser-Erweiterungen in kurzer Zeit umsetzen konnten. Die Beispiele – ein „Pong“-Game, eine einer Papierskizze nachempfundene Webseite oder eine Chrome-Extension – sind natürlich ziemlich rudimentär und fallen eher in die Kategorie Schulprojekt. Doch die rasche Entwicklung zeigt doch auf, in welche Richtung es schnell gehen könnte, wenn die AI dazu lernt.

„Jedes einzelne Skript funktionierte auf Anhieb perfekt“

Zwischen den Zeilen deutet es etwa Joe Perkins, Gründer von Landscape.vc an. Er versorgt die Welt der Startups und Investor:innen mit Reviews und Dealflow-Tools – und gehört zu jenen, die sich mit dem erst wenige tage alten GPT-4 auseinandergesetzt haben. „Gestern Abend habe ich GPT-4 verwendet, um den Code für 5 Mikrodienste für ein neues Produkt zu schreiben“, schreibt Perkins. „Ein (sehr guter) Entwickler bot £5k und 2 Wochen an. GPT-4 lieferte das gleiche in 3 Stunden, für $0.11.“ Das sind, gelinde gesagt, Dumping-Preise auf Steroiden.

Aber es geht noch besser (oder schlimmer, je nach Betrachtungsweise). Denn Perkins behauptet Folgendes: „Es hat nicht nur die Scripts geschrieben, sondern auch Schritt-für-Schritt-Anweisungen für die Einrichtung und Ausführung auf Replit geliefert“, schreibt er. „Jedes einzelne Skript funktionierte auf Anhieb perfekt, und dann habe ich neue Aufforderungen verwendet, um die Komplexität zu erhöhen.“

 

Die Beispiele, die man bisher von GPT-4 gesehen hat – etwa die Webseite, die einfach auf Basis einer auf Papier gekrizzelten Skizze von GPT-4 nachempfunden wurde – sind beeindruckend. Jedoch ist auch festzuhalten, dass die bisherigen Beispiele eher rudimentäre Anwendungen sind, die wohl wenig bis gar nicht an Kund:innen vermarktbar wären. Währenddessen stellen sich Entwickler:innen auch die Frage, wie gut GPT-4 eigentlich ist, wenn es um komplexere Programmierung geht.

Der Programmierer und Game-Designer Tyler Glaiel hat GPT-4 genauer unter die Lupe genommen und am Beispiel eines einfacheren Computer-Spiel versucht herauszufinden, wie GPT-4 beim Programmieren agiert. Anhand seines eigenen Games „Mewgenics„, in dem Katzen die Hauptrolle spielten, gab er GPT-4 die Aufgabe, eine Lösung zu programmieren, die die Katzen auf einem Spielfeld einem Feuer ausweichen und ein Ziel erreichen lassen. Nach dem langen Hin und Her mit dem KI-Chatbot stellte Glaiel schließlich fest:

„Es versagt völlig bei wirklichen Problemen“

„Wenn man eine Beschreibung eines Algorithmus oder ein bekanntes Problem mit vielen Beispielen im Internet hat, kann GPT-4 durchaus Code schreiben. Meistens setzt es nur Dinge zusammen, die es schon gesehen hat, aber um fair zu sein… ein Großteil von Programmierung ist genau das“, so der Entwickler. „Allerdings versagt es völlig, wenn es versucht, wirkliche Probleme zu lösen. Also die Art von neuartigen Problemen, die noch nicht gelöst wurden und auf die man beim Programmieren stoßen kann. Außerdem liebt es, zu raten, und diese Vermutungen können viel Zeit vergeuden, wenn sie einen auf den falschen Weg zur Lösung eines Problems führen.“

Dementsprechend kann man vorerst festhalten: Nein, GPT-4 und andere neuen KI-Tools können Entwickler:innen derzeit bei weitem noch nicht ersetzen. Diesen Weg geht übrigens das Startup Magic.dev der österreichischen Gründer Eric Steinberger und Sebastian De Ro. Sie bauen mit viel Investment-Geld von CapitalG (VC-Arm von Alphabet) einen Copilot für Programmierer:innen – also ein Tool, das sie nicht ersetzen, aber effizienter machen soll. Einen ähnlichen Weg schlagen aktuell viele weitere kleine und große Unternehmen bis hinauf zu Microsoft ein.

Zudem muss man auch festhalten: Trotz der zahlreichen Low-Code- und No-Code-Tools der letzten Jahre ist bei weitem kein Sterben bei IT- und Developer-Jobs festzustellen. Im Gegenteil: In Deutschland fehlen 137.000 IT-Fachkräfte, in Österreich wird der IT-Fachkräftemangel mittlerweile auf 24.000 Personen schätzt.

Die Dinge, die GPT-4 kann, sind faszinierend und verstörend gleichermaßen

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