Immo-Crowdinvesting-Plattform Rendity stellt Betrieb ein, wird zugesperrt
Die österreichische Immobilien-Crowdinvesting-Plattform Rendity hat ihre Investoren, die über die Plattform in Immobilienprojekte investierten, am 16. Februar 2026 über die Einstellung des operativen Betriebs informiert. Das Unternehmen mit Sitz in Wien begründet diesen Schritt mit massiven Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld und im Immobiliensektor.
Wie aus dem Schreiben an die Kunden hervorgeht, hat Rendity den operativen Betrieb bereits deutlich früher beendet. In der E-Mail heißt es: „Rendity hat den operativen Betrieb der Plattform bereits mit April 2024 eingestellt. Seit diesem Zeitpunkt wurden keine neuen Emissionen mehr angeboten, keine neuen Investitionen vermittelt und keine neuen Geschäftsbeziehungen abgeschlossen.“
Die Gewerbeberechtigungen wurden zurückgelegt, und die zuständigen Behörden wurden bereits informiert. Die technische Plattform soll jedoch während des Liquidationszeitraums voraussichtlich mindestens bis 31. Mai 2026 betriebsfähig bleiben. Wie berichtet, war Rendity bereits in Probleme geraten.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen als Hauptgrund
Als Hauptursache für die Schließung nennt Rendity die drastischen Veränderungen im Immobiliensektor. Das Unternehmen schreibt: „Das wirtschaftliche Umfeld, insbesondere im Immobiliensektor, hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Kombination aus Zinswende, Inflation, steigenden Bau- und Finanzierungskosten sowie geopolitischen Unsicherheiten hat zu erheblichen Verwerfungen geführt.“
Diese Entwicklungen hätten konkrete Auswirkungen gehabt:
- Projektentwicklungen verzögerten sich
- Finanzierungen wurden schwieriger
- Mehrere Darlehensnehmer mussten Insolvenz anmelden
- Das Investoreninteresse im Immobilienbereich ging stark zurück
Probleme mit Emittenten und fehlende Einnahmen
In einem persönlichen Statement räumt das Team ein, dass viele Emittenten in erhebliche Schwierigkeiten geraten sind. „Leider befinden sich mehrere Emittenten aufgrund der angespannten Marktsituation in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Teilweise kommt es zu Verzögerungen und/oder es wurden Konkursverfahren eröffnet“, heißt es in dem Schreiben.
Hinzu kam, dass vereinbarte Bearbeitungsgebühren vielfach nicht mehr beglichen wurden: „Auch die mit den Emittenten vereinbarten Bearbeitungsgebühren, die der Aufrechterhaltung und dem Betrieb der technischen Infrastruktur dienten, wurden vielfach nicht mehr beglichen. In den letzten beiden Jahren wurde die Plattform daher im Wesentlichen ohne laufende Einnahmen weiterbetrieben und aus eigenen Mitteln finanziert.“
Was bedeutet das für Investoren?
Rendity weist darauf hin, dass die Plattform selbst nicht Vertragspartner der qualifizierten Nachrangdarlehen ist. Das Unternehmen erklärt: „Bei den über Rendity vermittelten Investments handelt es sich um direkte Vertragsbeziehungen zwischen Ihnen als Darlehensgeber und dem jeweiligen Darlehensnehmer (Emittent). Rendity selbst ist nicht Vertragspartner der qualifizierten Nachrangdarlehen.“
Investoren werden aufgefordert, folgende Schritte zu unternehmen:
- In ihr Konto einloggen
- Die hinterlegte Bankverbindung überprüfen oder ein Auszahlungskonto hinzufügen
- Verfügbare Mittel vom Verrechnungskonto auf das hinterlegte Bankkonto überweisen
Neue Einzahlungen oder Investitionen sind nicht mehr möglich. Auszahlungen können jedoch weiterhin vorgenommen werden. Sollten während des Abwicklungszeitraums Zahlungen von Emittenten eingehen, werden diese den jeweiligen Verrechnungskonten der Anleger gutgeschrieben.
Rechtliche Einschränkungen der Plattform
Das Unternehmen betont seine begrenzte rechtliche Handlungsfähigkeit: „Unsere Möglichkeiten waren jedoch rechtlich begrenzt: Rendity war als Plattformbetreiberin nicht Vertragspartnerin der abgeschlossenen qualifizierten Nachrangdarlehen. Dadurch waren uns unmittelbare rechtliche Schritte zur Durchsetzung offener Forderungen nicht möglich.“
Zusätzlich hätten rechtliche Auseinandersetzungen die wirtschaftliche Situation weiter belastet: „Zusätzlich sah sich Rendity mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert, in denen unsere Rolle als Plattformbetreiberin teilweise missverstanden wurde. Die daraus resultierenden Rechts- und Beratungskosten haben die wirtschaftliche Situation des Unternehmens weiter belastet.“
Steuerliche Hinweise für Anleger
Für den Fall endgültiger Ausfälle weist Rendity darauf hin, dass keine automatische Verlustbescheinigung erfolgt. Verluste können im Rahmen der persönlichen Steuererklärung geltend gemacht werden, sofern entsprechende Nachweise vorliegen. Das Unternehmen empfiehlt für individuelle steuerliche Fragen die Rücksprache mit einer Steuerberatung.
Für projektbezogene Updates verweist Rendity auf die jeweiligen Emittenten, die vertraglich zur regelmäßigen Information verpflichtet seien. Die Kontaktdaten der Emittenten wurden den Investoren zur Verfügung gestellt, damit eine direkte Kommunikation möglich ist.
Das Support-Team von Rendity steht während des Abwicklungszeitraums weiterhin per E-Mail für technische Anfragen zur Verfügung, allerdings mit eingeschränkten Ressourcen.

