Hintergrund

krawutzi.at: Wie eine heimische Search Engine österreichischen Online-Shops hilft

Josef Korntheuer, Schöpfer von Krawutzi.at. © J. Korntheuer
Josef Korntheuer, Schöpfer von Krawutzi.at. © J. Korntheuer

Als „Alternative zum Kaufhaus Österreich“ ist die Suchmaschine krawutzi.at vor knapp einem Jahr an den Start gegangen – und hat sich seither ordentlich weiter entwickelt. Wie die Macher Josef Korntheuer, als SEO-Spezialist bei ithelps-digital.com tätig, und Chris Landa gegenüber Trending Topics erklären, wollen sie nun aus dem Experiment ein richtiges Produkt machen – und zwar eines, dass heimischen Online-Shops so viel Traffic wie nur möglich zuschaufelt.

Im Interview erklärt Korntheuer, wie sie es geschafft haben, eine eigenständige Suchmaschine zu bauen, wie diese und ihr Geschäftsmodell funktioniert und wie man damit österreichischen Online-Shops in der Corona-Krise unterstützt.

Trending Topics: Krawutzi.at startete vor etwa einem Jahr – was ist seither passiert?

Josef Korntheuer: Für uns war krawutzi.at am Beginn ja eigentlich ein kleines Experiment angespornt vom Kaufhaus Österreich-Fail. Nachdem Weihnachten 2020 vorüberzog, ließen wir die Arbeit an krawutzi.at einmal ruhen. Mitte 2021 begannen wir uns dann genauer mit den Möglichkeiten zu beschäftigen, die Custom Search JSON API von Google direkt anzuzapfen.

Bislang hat uns rein der Spaß an der Sache angetrieben, krawutzi.at weiterzuentwickeln. Seit kurzem leiten wir die Suchanfragen bzw. den von uns modifizierten Such-Query nicht mehr einfach an Google weiter, sondern liefern die Suchergebnisse selbst auf krawutzi.at als Ergebnisse aus. Vorher waren wir hier auf 100 Suchanfragen limitiert und Google hat bei mehreren Anfragen von derselben IP oft eine Captcha-Abfrage gemacht. Dieses Limit haben wir jetzt nicht mehr. Google verrechnet pro 1.000 Suchanfragen 5 Dollar. Wenn krawutzi.at also einmal 5000 Suchanfragen pro Tag hat, würde uns das 25 Dollar kosten.

Was bedeutet „eigene Suchmaschine“ konkret? Wie funktioniert die Technologie? Bedient ihr euch auch Bing, DuckDuckGo oder anderen?

Wir zapfen direkt die Custom Search JSON API von Google an und holen uns die Rankings direkt aus dem Google AT Index. Man braucht dafür ein Google-Cloud Konto, eine eigene Suchmaschinen-ID und einen eigenen API-Key. Damit kann man dann direkt auf die Google-Ergebnisse zugreifen. Wie auch schon zuvor, ignorieren wir bei unserer Abfrage die Rankings von Amazon, Zalando & Co., sowie DE-Rankings, womit wir kleinere, österreichische Online-Shop Anbieter schonmal ein gutes Stück besser sichtbar machen. Zusätzlich grenzen wir die Suchergebnisse – so gut es geht – auf österreichische SHOP-Ergebnisse ein. Das ist noch nicht perfekt, funktioniert bei produkt-spezifischen Suchanfragen wie beispielsweise „Bio-Honig“, „Zirbenkissen“ oder „Holzspielzeug“ jedoch schon sehr gut.

Ist ein Online-Shop für Suchmaschinen optimiert und richtig konfiguriert, dann ist die Chance hoch, dass er bei krawutzi.at ganz vorne auf der ersten Seite erscheint. Ist das nicht der Fall, rankt der Shop meistens auch nicht sehr gut bei google.at bzw. weist er dann meistens grobe SEO-Versäumnisse auf. Deshalb kooperieren wir auch mit ithelps, die jedem Online-Shop-Betreiber optional eine kostenlose SEO-Maßnahmen-Analyse anbieten (inkl. 30-Minuten Gespräch) wo die größten SEO-Hebel aufgezeigt werden, um besser bei Google zu ranken.

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Wie funktioniert das Geschäftsmodell?

Wir beginnen mit einem Premium-Search-Abonnement für österreichische Online-Shops. Dieses Abonnement bieten wir aktuell bis 30.1.2022 kostenlos an. Man muss dafür einfach dieses Formular abschicken und Online-Shop Betreiber können uns damit ihr Domain/Shop-URL mitteilen. Diese Shop-URLs werden dann bei jeder Suchanfrage bevorzugt gecrawlt und auf der Ergebnisseite von krawutzi.at vorgereiht.

Das Ergebnis auf krawutzi.at ist dadurch eine Mischung aus den eingetragenen Online-Shops und den Ergebnissen, die wir ohnehin aus dem Google-Index holen. Dieses Abo läuft automatisch ab und kann per 1.2.2022 von allen Interessenten einfach verlängert werden. Preislich wird dieses PREMIUM-SEARCH Abo nicht mehr kosten wie ein Netflix-Abo – also zwischen € 12,90 und € 17,90 pro Monat. Als Ergebnis bekommt jeder Shop-Betreiber regelmäßig eine Auswertung über die Klicks pro Suchbegriff die Besucher über die Krawutzi-Suche auf deren Shop-Webseiten weiterführen. Für uns ist das auch eine Art Crowdfunding – Eine einfache Möglichkeit wie man uns und damit die Weiterentwicklung von krawutzi.at unterstützen kann.

Später möchten wir noch „Auto-Suggest“-Pakete für 5, 10 oder 20 Suchbegriffe anbieten, wo direkt bei der Eingabe des Suchbegriffs schon ein Dropdown aufgeht, und der Kunde mit 50-60 Zeichen sein Produkt mit Text + kleinem Bild bewerben kann. Auch normale „Paid-Ads“-Pakete möchten wir anbieten. Damit kauft man sich für bestimmte Suchbegriffe ein Platz 4-Ranking, das farblich und mit Bild hervorgehoben wird.

Wie ist die Strategie, die Suchmaschine zu Endnutzern zu bringen?

Wir wollen organisch wachsen und hoffen, dass vielen die Idee hinter krawutzi.at gefällt und die Seite weiterempfohlen wird. Im Idealfall sucht jeder in Österreich zuerst auf krawutzi.at, bevor er die Google-Suche bedient, wenn er etwas kaufen will und den österr. Handel bewusst unterstützen möchte.

Gerne würde wir in Zukunft auch die österreichischen Startups einbinden. Als Beispiel: Jemand sucht nach „Schokolade“ oder „kalorienarme Schokolade“ auf krawutzi.at und wir liefern in einem eigenen Tab alle relevanten Suchergebnisse von trendingtopics.at aus wo das Wort „Schokolade“ im Titel oder in der URL vorkommt. Oder jemand sucht nach „Lego“ und wird dadurch auf das Startup „Robo Wunderkind“ aufmerksam, das ja von LEGO gekauft wurde, oder kommt damit auf die Idee, dieses Jahr vielleicht Bioblo anstatt Lego zu kaufen.
Auf jeden Fall gäbe es da viele Synergien.

Auch ein „Such-Snippet“ das andere Webseiten einbinden können, wäre eine Möglichkeit, wie wir Awareness für die Idee hinter krawutzi.at schaffen können. Sobald wir erste Einnahmen generieren, möchten wir dann natürlich auch Facebook-Ads schalten um noch mehr Leute auf krawutzi.at aufmerksam zu machen. Ich denke, die Summe dieser Maßnahmen kann reichen damit wir die kritische Masse an Nutzern erreichen die es braucht, damit krawutzi.at ein Erfolg wird.

Zukünftig möchten wir die Ergebnisse von krawutzi.at gerne noch regionaler und treffsicherer machen und schauen uns auch gerade die Möglichkeiten an wie wir nachhaltige, Bio- und Fair-Trade-Produkte noch besser sichtbar machen können.

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