Strategie

N26: Weniger Aufmerksamkeit auf USA, mehr auf Europa und Brasilien

Max Tayenthal und Valentin Stalf von N26. © N26
Max Tayenthal und Valentin Stalf von N26. © N26

2019 war das Jahr der großen Expansions-Ankündigungen. Die Neobank N26 verkündete damals sowohl den Start im größten nordamerikanischen Markt – natürlich die USA – als auch den Start im größten südamerikanischen Markt – Brasilien. Nach der jüngsten, 775 Millionen Euro schweren Finanzierungsrunde, sieht es aber nun danach aus, als wenn N26 vor allem auf Europa und die großen Märkte Deutschland und Frankreich fokussieren würden.

Denn in einem Interview mit Insider sagte N26-Mitgründer Maximilian Tayenthal kürzlich: „Die Aufmerksamkeit des Managements wird sich auf absehbare Zeit eher weniger auf den US-Markt richten. Was mich nachts wach hält, das ist in letztlich die Frage, wie wir den [Kampf um den] europäischen Markt gewinnen können.“ Wie das Online-Portal FinanceFWD auch zeigt, sind die Download-Zahlen der sehr zentralen N26-App in den USA seit dem Launch im Juli 2019 deutlich zurück gegangen – was wiederum darauf schließen lässt, dass die Marketing-Aktivitäten zurückgefahren wurden.

Starke Rivalen wachsen heran

Klar ist, dass N26 als einer der Vorreiter der Neobanken erhebliche, sehr starke Konkurrenz in vielen Märkten bekommen hat. Aus dem Heimatmarkt des großen europäischen Rivalen Revolut zog sich N26 bereits im Februar 2020 zurück. In den USA sind etwas verspätet, aber mit umso mehr Gewicht, eigene Neobanken gestartet, allen voran Chime. Die Challenger-Bank hat 2021 frische 750 Millionen Dollar von Investoren erhalten und sich zu einer satten Bewertung von 25 Milliarden Dollar aufgeschwungen. Das ist viel Marketing-Geld, das in den US-Markt fließt.

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In Europa wird das Wachstum für N26 aber nicht einfach. Die deutsche Bafin hat der jungen Bank der beiden österreichischen Gründer Maximilian Tayenthal und Valentin Stalf die Auflage verpasst, dass monatlich nur 50.000 Neukunden aufgenommen werden dürfen, berichtet das Handelsblatt. Außerdem dürfen die durch Immobilien besicherten Risikopositionen“  maximal 500 Millionen Euro betragen, und zwar über alle Länder hinweg. Die Beschränkungen sollen „in Abhängigkeit vom Fortschritt bei der Mängelbeseitigung „stufenweise“ angepasst werden.

Was passiert in Brasilien?

Währenddessen ist auch Brasilien ein Kapitel mit offenem Ende. Bereits 2019 hat N26 den Launch im größten südamerikanischen Markt angesagt, doch erst im November 2021, mit zweijähriger Verspätung, ist man nun endlich wirklich in den Startlöchern. Möglicherweise zu spät. Denn der brasilianische Konkurrent Nubank hat sich weltweit überhaupt zur wertvollsten Neobank aufgeschwungen und erreicht im Heimatmarkt 28 Prozent der brasilianischen Bevölkerung im Alter von 15 Jahren und darüber. Beim kommenden Börsengang könnte Nubank 50 Milliarden Dollar und mehr wert sein.

Nun darf man gespannt sein, was N26 in Brasilien anders macht. „Wir haben 2 Jahre lang darüber nachgedacht, wie wir am besten starten können. Sicher, wir bringen viel aus unserer DNA mit, wie zum Beispiel die Mission, Menschen dabei zu helfen, bessere finanzielle Entscheidungen für ihr Leben zu treffen, unsere innovative Denkweise und unsere Erfahrungen in 25 Ländern“, heißt es in einem Schreiben von N26. „Aber hier sind die Dinge anders. Es würde keinen Sinn machen, als europäische Digitalbank zu starten, die viele Dinge anbietet, die andere Akteure bereits haben. Es würde keinen Sinn machen, einfach ein fremdes Unternehmen zu importieren und zu sehen, wie es in die brasilianische Realität passt.“

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