Neues Dashboard

Weiter verzwickte Datenlage zur Zahl der Spin-offs in Österreich

Forschung im Bereich Information, Communication and Computing an der TU Graz. © DAVE - TU Graz
Forschung im Bereich Information, Communication and Computing an der TU Graz. © DAVE - TU Graz

Spin-offs sind gut und wichtig für die Wirtschaft einer Nation, und wir brauchen mehr davon – darüber gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Doch bis zuletzt gab es Unklarheiten darüber, wie viele solcher akademische Startups bzw. Verwertungs-Spin-Offs es in Österreich überhaupt gibt (Trending Topics berichtete). Ein neues Spin-off Dashboard Austria soll nun Einblicke in die Datenlage geben.

„Beim Spin-off Dashboard Austria geht es im ersten Schritt darum, die Aktivitäten der österreichischen akademischen Akteure und deren Auswirkungen auf das Ökosystem aufzuzeigen. Langfristig können die Daten und Inhalte eine Grundlage schaffen, Aktivitäten zur Steigerung von akademischen Gründungen voranzutreiben“, so Klara Brandstätter, Co-Autorin des heute präsentierten Dashboards – sie ist auch für Mitinitiator und Investor Hermann Hauser tätig. Man wolle mit den neuen Daten dazu beitragen, die bürokratischen Umgebung mit ihren Prozessen, Standards und Rahmenbedingungen zu verbessern und aufzeigen, welche Gründungs-Vorbilder und führenden Institutionen es in Österreich gibt. Man wolle „pushen und nicht bashen“.

146 Gründungen seit 2018 gefunden

Um erste Daten zu erheben, wurden 51 österreichische Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen angeschrieben – allerdings gaben nur 25 davon auch Rückmeldung. Unterm Strich wurden vom Spin-off Dashboard so nun 44 Verwertungs-Spin-offs und 102 akademische Startups zwischen 2018 und 2021 erfasst. Ergibt in Summe von 146 Gründungen im universitären/akademischen Kontext – allerdings fehlen auch die Daten von mehr als der Hälfte der angefragten Bildungseinrichtungen. Die Unterscheidung der beiden Kategorien:

  • Verwertungs-Spin-off: Für eine Einordnung als Verwertungs-Spin-off muss zusätzlich zur Definition der für Universitäten gültigen Wissensbilanz-Verordnung ein Lizenz- oder Kaufvertrag für IP der Institution(en) existieren, als Beleg, dass die Gründung auf Basis eines aus Forschungsergebnissen resultierenden Schutzrechts (z. B. Patent) erfolgt ist. Bei Verwertungs-Spin-offs ist es unerheblich, ob es sich um EPU (Ein-Personen-Unternehmen) handelt oder nicht.
  • Akademisches Startup: Das Unternehmen weist einen hohen (technologischen) Innovationsgehalt auf oder operiert mit einem innovativen Geschäftsmodell und strebt signifikantes Beschäftigten- bzw. Umsatzwachstum an. Als Proxy für diese qualitative Einschätzung kann die Aufnahme in einen akademischen Inkubator oder Accelerator dienen, der Gewinn einschlägiger Preise, die finanzielle Beteiligung von Fonds bzw. Financiers. Zusätzlich muss das Unternehmen ein Team von Gründer*innen aufweisen und/oder zum Erhebungszeitpunkt bereits mind. 1 unselbständige:n Arbeitnehmer:in haben.

Auch wenn der direkte Vergleich zu anderen Ländern schwer ist – die vorliegenden Zahlen sind nicht unbedingt berauschend. An der ETH Zürich alleine wurden im Zeitraum von 2018-2021 105 Gründungen vermerkt.

Spin-off Austria geht ins zweite Jahr – Konferenz am 23. November

„Kann fantastischer beruflicher Weg sein“

„Die Quote der Studierenden, die nach dem Studium ein Unternehmen gründen wollen, ist in Österreich nach verschiedenen Erhebungen deutlich geringer ausgeprägt als der Wunsch nach einer unselbständigen Beschäftigung. Sie liegt bei 10 bis 15 % eines Jahrgangs“, so etwa Rektor Harald Kainz von der TU Graz. „Umso wichtiger ist es, keine Chance zu verpassen und dieser Gruppe durch wiederkehrende Touchpoints während des Studiums zu zeigen, dass man wichtige Fähigkeiten für selbständiges Unternehmertum lernen kann, dass dies ein fantastischer beruflicher Weg sein kann und dass sie nicht allein sind.“

Deswegen gelte es, „aufstrebenden Unternehmer:innen und den relevanten Akteur:innen des Ökosystems Ressourcen und Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, welche die Gründung erleichtern“, so Klara Brandstätter weiter. Maßnahmen, die sie vorschlägt: Die Integration von Gründungen aus der Forschung in die Leistungsvereinbarungen bzw. in das Performance Management der Institutionen sowie Standards und klare Prozesse in Bezug auf IP-Verwertung im Rahmen der Ausgründung sowie die Verpflichtung der Universitäten zu Entrepreneurship.

Die Zahlen im Überblick:

Institutionen (2018 – 2021*) Gesamt davon akademische Startups davon Verwertungs-Spin-Offs
AIT 4 0 4
IST 4 4 0
LBG 1 0 1
Med. Universität Graz 2 0 2
MedUni Innsbruck 1 0 1
MedUni Wien 8 1 7
ÖAW 9 0 9
TU Graz 34 30 4
TU Wien 23 15 8
Uni Innsbruck 11 0 11
Uni Wien 6 6 0
Univ. für Musik und darst. Kunst Graz 1 1 0
Universität Graz 7 5 2
Universität Klagenfurt 2 2 0
VetMedUni Wien 1 0 1
WU Wien 8 8 0

Zusätzlich gibt es noch die Fachhochschulen, die ebenfalls Zahlen geliefert haben (sie können per se nur akademische Startups hervorbringen):

Institutionen (2018 – 2021*) akademische Startups
FH JOANNEUM 1
FH Kärnten 0
FH OÖ 16
FH St. Pölten 8
FH Technikum Wien 2
FH Wiener Neustadt 8

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