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Spritzpistole statt Revolver: Wie Emojis zum politischen Instrument von Unternehmen und Regierungen werden

Apple ersetzt das Revolver-Symbol durch eine Spritzpistole. © Apple
Apple ersetzt das Revolver-Symbol durch eine Spritzpistole. © Apple

Wenn im September das neue iPhone-Betriebssystem iOS 10 auf den Markt kommt, wird dieses Apple zufolge auch eine ganze Reihe neuer Emojis auf die Displays bringen. Auffällig dabei: Apple wird das derzeit noch verfügbare Symbol des Revolvers durch eine niedliche grüne Spritzpistole ersetzen. Der Schritt erfolgt nach einer Reihe von tödlichen Gewaltakten mit Schusswaffen in den USA, Frankreich oder Deutschland, außerdem lobbyiert seit 2015 eine Organisation namens „New Yorkers Against Gun Violence“ unter dem Claim #DisarmTheiPhone gegen die Verwendung des Revolver-Emojis. Apples Intention: Man will seinen Nutzern – es wurden bis dato mehr als eine Milliarde iPhones verkauft – eine familienfreundliches und diverses Set an Emojis bieten.

Ein Symbol mit Vorgeschichte

Das Revolver-Emoji war zuvor bereits Gegenstand von Gerichtsverhandlungen. Ein Franzose wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt, weil er seiner Ex-Freundin Drohbotschaften schickte, die das Waffensymbol beinhaltete. Eine 12-jährige US-Schülerin wurde verhaftet, weil sie Bomben-, Messer- und Revolver-Emojis verwendete, um sich gegen Belästigungen zu wehren. Und in Brooklyn wurde ein Teenager verhaftet, weil er Pistolen-Emojis in einem Facebook-Posting in Kombination mit dem Symbol eines Polizisten verwendete.

Apple und Microsoft haben schon zuvor erfolgreich beim für Emojis zuständigen Unicode Consortium dafür lobbyiert, dass kein Gewehr-Symbol in das Set aufgenommen wird. Diese Bestrebungen stoßen aber auch auf Häme im Netz:

Wer Einfluss im Unicode Consortium hat

Damit Smartphones auf der ganzen Welt Emojis senden und empfangen können, muss das gemeinnützige Unicode Consortium diese als Standards definieren – anschließend können die Symbole von Tech-Firmen in ihre Betriebssysteme (iOS, Android) integriert werden, damit sie die Nutzer verwenden können. Welche neuen Emojis aufgenommen werden, entscheiden die stimmberechtigten Mitglieder vierteljährlich in Sitzungen, wobei diese Sitzungen von den unterstützenden Mitgliedern veranstaltet werden. In der Regel finden diese Sitzungen in Silicon-Valley-Standorten von großen IT-Firmen wie Microsoft, Adobe oder IBM statt.

Unter den stimmberechtigten Mitgliedern, die pro Jahr 18.000 US-Dollar für die Mitgliedschaft zahlen (es gibt auch Rabatte für Mehrjahresmitgliedschaften) finden sich folgende Unternehmen: Adobe, Apple, Facebook, Google, Huawei, Microsoft, IBM, Oracle und SAP. Noch spannender ist aber, dass mittlerweile auch Staaten stimmberechtigte Mitglieder geworden sind, und zwar: Bangladesch, Indien und das Sultanat Oman. Sie alle dürfen mitentscheiden, welche Emojis auf die Smartphones kommen und welche nicht.

Präsident und Mitgründer des Unicode Consortiums ist übrigens der 64-jährige Mark Davis, der hauptberuflich bei Google arbeitet. Google hat in der jüngeren Vergangenheit dafür gesorgt, dass Emojis diverser werden und Berufsbilder wie Arzt, Koch, Wissenschaftler oder Bauarbeiter auch mit einer weiblichen Figur dargestellt werden.

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