Österreich

Votedeck: Wiener Medien-Start-up will seine Nutzer die besten Artikel aus dem Netz filtern lassen

Voten und lesen, lesen und voten. © Votedeck
Voten und lesen, lesen und voten. © Votedeck

Die Logik, die dem neu gestarteten Wiener Start-up Votedeck zugrunde liegt, kennt man ja schon von der Online-Community reddit: Dort bewerten die User mit Up- und Downvotes die Links, die andere veröffentlichen, und bringen sie dadurch in eine stetig aktualisierte Reihenfolge – der populärste oben, dahinter reihen sich die anderen. Bei Votedeck von Gründer Andreas Bintinger kommen die Links allerdings nicht von den Usern, sondern von großen internationalen Nachrichten-Seiten wie dem Guardian, CNN, BBC oder Mashable. Auf der Webseite (Apps gibt es noch keine) können sich User per Facebook oder Twitter einloggen und dürfen dann ein Plus oder ein Minus pro Beitrag vergeben. Daraus soll für den Leser eine vorkuratierte Liste an interessanten News entstehen.

„Anstatt dass undurchsichtige Algorithmen bestimmen, welche News dem User gezeigt werden, so wie etwa auf Facebook, sind die populären Artikel auf Votedeck von echten Menschen handverlesen, was zu einer Qualitätssteigerung für alle Nutzer führt“, glaubt der Votedeck-Gründer. Das klingt zwar, gut, hat aber auch seine Tücken. Wer sich etwa die Social Media Charts für Österreich ansieht, wird sehen, dass Internetnutzer auf Social Media beileibe nicht immer bei Qualitätsjournalismus auf „Like“, „Share“ und „Retweet“ klicken, sondern gerne auch bei Satire-Artikeln und Boulevard-Inhalten. Bintinger relativiert: „Wir wollen die Macht zu bestimmen, was gute, relevante und lesenswerte Artikel sind, in die Hände der User legen. Die Plattform selbst kann nur so gut sein und so gute News liefern, wie die User bereit sind Votes zu vergeben.“

Die Krux mit dem Leistungsschutz

Noch arbeitet Votedeck vor allem mit Verlagsinhalten aus dem englischsprachigen Raum – auf der Webseite werden Vorschaubilder, Schlagzeilen und Anrisse von Artikeln angezeigt. Würde man diese Inhalte von deutschen Verlagen nehmen, käme man schnell mit dem in Deutschland geltenden Leistungsschutzrecht in die Quere – auch in Österreich ist ein solches Gesetz geplant. „Da wir hier wirklich nur mit kleinen Textausschnitten arbeiten und keine gesamten Texte / Artikel auf unserer Plattform bieten ist hier noch alles im Rahmen. Natürlich muss man Entwicklungen hier beobachten, da wir aber als Traffic-Lieferant für die Medien agieren und wir bei allen Medien die Erlaubnis der Einbindung ihrer Feeds eingeholt haben, stellt das für uns aktuell kein Problem dar“, so Bintinger.

„Wir haben an sämtliche Medien Anfragen für die Verwendung ihrer RSS Feeds gestellt und die Nutzungserlaubnis in der vorliegenden Form erhalten“, so Bintinger weiter. Die „Erlaubnis“ sieht so aus: Webseiten, die keine negative Antwort auf die Anfrage durch Votedeck geschickt haben, ob das Start-up ihre Inhalte verwenden darf, werden gelistet. Wer seinen Content nicht auf bei Votedeck sehen möchte, schreibt dem Start-up eine E-Mail.

Sehr frühes Stadium

Wie sich Votedeck finanzieren lassen soll, ist noch offen. „Aktuell sind wir darauf konzentriert, ein möglichst gutes Produkt zu machen und Usern einen Weg zu bieten, interessante News zu entdecken. Wir denken natürlich über Wege nach, etwa mittels Werbung oder Content-Partnerschaften Geld zu verdienen, zuerst müssen wir aber natürlich eine kritische Masse an Usern erreichen“, so Bintinger.

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