Wie tief kann Bitcoin noch fallen? 3 Prognosen für 56.000, 31.000 und 10.000 Dollar
Der Bitcoin-Kurs hat seit seinem Rekordhoch im Oktober 2025 bereits über 40 Prozent an Wert verloren. Während die Kryptowährung aktuell um die 68.000 Dollar notiert, warnen mehrere Analysten vor weiteren drastischen Kursverlusten. Denn an ein baldiges Aufwärts glaubt aktuell kaum jemand; der „Fear & Greed Index“ für die Krypto-Branche steht aktuell bei 12 Punkten – also bei „extremer Angst“. Kleinere Ausbrüche von BTC, wieder auf mehr als 70.000 Dollar zu klettern, hielten sich nicht lange.
Drei prominente Stimmen zeichnen nun besonders düstere Szenarien: Ned Davis Research, Cointelegraph und Bloomberg-Stratege Mike McGlone. Ihre Analysen deuten darauf hin, dass der Absturz noch lange nicht vorbei sein könnte.
Ned Davis Research: Historische Muster deuten auf 31.000 Dollar hin
Die Strategen von Ned Davis Research (NDR) haben in einer aktuellen Analyse historische Bitcoin-Bärenmärkte untersucht und kommen zu einem alarmierenden Ergebnis. Pat Tschosik, Chef-Themenanalyst bei NDR, und sein Kollege Philippe Mouls warnen, dass Bitcoin auf bis zu 31.000 Dollar abstürzen könnte, sollte sich die aktuelle Korrektur zu einem vollständigen Krypto-Winter entwickeln.
Die NDR-Analyse basiert auf historischen Mustern vergangener Bitcoin-Abstürze. Seit 2011 hat die Kryptowährung in sogenannten Krypto-Wintern durchschnittlich 84 Prozent ihres Wertes verloren. Für den aktuellen Bärenmarkt erwarten Tschosik und Mouls einen Rückgang von 70 bis 75 Prozent vom Höchststand bis zum Tiefpunkt.
„Ein Fall auf 31.000 Dollar würde bedeuten, dass Bitcoin von seinem aktuellen Niveau noch einmal 55 Prozent verlieren würde“, so die NDR-Analysten.
Ein weiterer Aspekt ihrer Analyse betrifft die Dauer solcher Abschwünge. Historisch gesehen dauerten Bitcoin-Winter durchschnittlich 225 Tage. Seit dem Höchststand Anfang Oktober sind erst 129 Tage vergangen, was darauf hindeutet, dass noch weitere schmerzhafte Monate bevorstehen könnten.
Cointelegraph: Bärische Chart-Muster und Wale signalisieren 56.000 Dollar
Die Krypto-Nachrichtenplattform Cointelegraph identifiziert ein klassisches bärisches Chartmuster, das auf einen weiteren Kursrückgang von etwa 20 Prozent hindeutet. Auf dem Tages-Chart hat sich ein sogenanntes Bear Pennant (Bärenwimpel) gebildet, ein technisches Muster, das häufig weitere Kursverluste ankündigt.
Das Bear Pennant Muster im Detail
Ein Bear Pennant entsteht, wenn sich der Kurs nach einem starken Abwärtstrend innerhalb konvergierender Trendlinien konsolidiert. Der anfängliche steile Kursverfall wird als „Fahnenstange“ bezeichnet. Typischerweise folgt nach der Konsolidierung ein weiterer Abwärtsimpuls, der in etwa dem ursprünglichen Rückgang entspricht.
Im Fall von Bitcoin bildete sich diese Struktur nach dem scharfen Ausverkauf in Richtung der 60.000-Dollar-Marke. Seitdem bewegt sich der Kurs in einem sich verengenden Dreieck und bleibt unter wichtigen gleitenden Durchschnitten, was auf eine schwache Dynamik hindeutet.
„Ein entscheidender Durchbruch unter die Pennant-Unterstützung könnte die Tür zu einem Rückgang unter 56.000 Dollar öffnen, etwa 20 Prozent unter den aktuellen Niveaus“, warnt Cointelegraph.
Wale verstärken den Verkaufsdruck
Zusätzlich zum technischen Muster zeigen Daten von CryptoQuant beunruhigende Aktivitäten großer Bitcoin-Halter. Die sogenannte Whale Inflow Ratio auf Binance ist auf ein Rekordhoch von 0,619 gestiegen, verglichen mit 0,40 zu Monatsbeginn. Diese Kennzahl vergleicht die Zuflüsse der zehn größten BTC-Transaktionen mit den Gesamtzuflüssen an die Börse.
Laut dem CryptoQuant-Analysten Darkfost deutet dieser Anstieg auf wachsenden Verkaufsdruck von Großinvestoren hin. Wenn Wale ihre Bitcoin-Bestände auf Börsen transferieren, geschieht dies häufig in Vorbereitung auf Verkäufe.
Ein Hoffnungsschimmer: Sentiment-Indikator deutet auf Bodenbildung
Trotz der düsteren technischen Indikatoren gibt es auch positive Signale. Matrixports Greed & Fear Sentiment Index hat ein potenzielles Bodenbildungssignal ausgelöst. Der 21-Tage-Durchschnitt ist unter null gefallen und dreht nun wieder nach oben. Historisch gesehen fiel diese Kombination mit „dauerhaften Böden“ zusammen, was darauf hindeutet, dass den Verkäufern möglicherweise die Kraft ausgeht.
Mike McGlone: Makroökonomische Warnsignale deuten auf 10.000 Dollar hin
Die mit Abstand pessimistischste Prognose stammt von Mike McGlone, Makrostratege bei Bloomberg Intelligence. Er warnt, dass zusammenbrechende Kryptopreise auf umfassendere finanzielle Spannungen hindeuten könnten und Bitcoin möglicherweise auf 10.000 Dollar zurückfallen wird, was eine Rezession in den USA ankündigen könnte.
Das Ende der „Buy the Dip“-Mentalität
In einem Beitrag auf X argumentiert McGlone, dass die seit 2008 vorherrschende „Buy the Dip“-Mentalität, die Risikoanlagen gestützt hat, zusammenbrechen könnte, während digitale Assets schwächer werden und sich die Volatilitätsdynamik verschiebt.
„Die Buy-the-Dips-Mentalität seit 2008 könnte vorbei sein“, schrieb McGlone und fügte hinzu, dass die „Krypto-Blase implodiert“ und die „Trump-Euphorie“ ihren Höhepunkt erreicht habe.
Alarmierende makroökonomische Indikatoren
McGlone stützt seine düstere Prognose auf mehrere makroökonomische Warnsignale:
- Rekord-Marktkapitalisierung: Die US-Aktienmarktkapitalisierung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat den höchsten Stand seit etwa einem Jahrhundert erreicht.
- Historisch niedrige Volatilität: Die 180-Tage-Volatilität im S&P 500 und Nasdaq 100 befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit etwa acht Jahren.
- Gold- und Silberrally: Edelmetalle „schnappen sich Alpha“ in einem Tempo, das zuletzt vor etwa einem halben Jahrhundert zu beobachten war, mit steigender Volatilität, die auf Aktien „überschwappen“ könnte.
Bitcoins Abhängigkeit vom Aktienmarkt
McGlone teilte eine Grafik, die Bitcoin (durch zehn geteilt zur Skalierung) mit dem S&P 500 vergleicht. Er argumentiert, dass der „volatile und beta-abhängige“ Bitcoin kaum über 7.000 Dollar bleiben wird, wenn sich das breitere Aktien-Beta abschwächt.
Der Bloomberg-Analyst identifiziert 5.600 Punkte beim S&P 500, was etwa 56.000 Dollar für Bitcoin entspricht, als anfängliches „normales Reversionsniveau“. Darüber hinaus sieht sein Basisszenario eine Rückkehr von Bitcoin in Richtung 10.000 Dollar vor, abhängig von einem Höhepunkt am US-Aktienmarkt.
Kritische Stimmen: Ist ein Absturz auf 10.000 Dollar realistisch?
Nicht alle Marktbeobachter teilen McGlones extreme Einschätzung. Jason Fernandes, Mitbegründer von AdLunam und Marktanalyst, kritisiert McGlones These als zu einseitig. Er argumentiert, dass die Annahme, Marktextreme müssten sich durch einen Zusammenbruch auflösen und Bitcoins Aktien-Beta garantiere einen proportionalen Crash, eine „falsche Äquivalenz und Single-Path-Verzerrung“ darstelle.
„Märkte können Überschüsse auch durch Zeit, Rotation oder Inflationserosion auflösen. Eine makroökonomische Verlangsamung könnte eine Konsolidierung oder einen Reset auf 40.000 bis 50.000 Dollar bedeuten, nicht eine systemische Abwicklung auf 10.000 Dollar“, so Fernandes.
Fernandes fügt hinzu, dass ein Rückgang auf 10.000 Dollar ein echtes systemisches Ereignis erfordern würde, einschließlich scharfer Liquiditätskontraktion, sich ausweitender Kreditspannen, erzwungener Entschuldung bei Fonds und eines ungeordneten Aktienrückgangs. Dies würde nicht nur eine Rezession, sondern auch finanzielle Spannungen implizieren. Ohne einen Kreditschock oder politischen Fehler, der die globale Liquidität abfließen lässt, bleibe eine solche Katastrophe ein „Tail Risk mit niedriger Wahrscheinlichkeit“.

