Studie

Blackout in Österreich würde zwischen 6 und 48 Stunden dauern

Dunkel in der Stadt. © Ralph Darabos on Unsplash
Dunkel in der Stadt. © Ralph Darabos on Unsplash

Er ist kein Horrorszenario aus einem Buch mehr, sondern für immer mehr Menschen mögliche Realität im kommenden Winter. Deswegen bereitet man sich auch in Österreich auf höchster Ebene auf ein Blackout-Szenario vor. In einer neuen Studie der ARGE ITA/AIT (Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Austrian Institute of Technology) im Auftrag des österreichischen Parlaments ist nun auch zu lesen, wie lange ein solcher Blackout in Österreich dauern würde.

Sobald ein großflächiger Stromausfall eingetreten ist, wird grundsätzlich nach bestehenden Wiederaufbauplänen vorgegangen, heißt es in der Studie. Wie lange nun dauert dieser Wiederaufbau, der auch davon abhängt, ob „nur“ Österreich oder Teile davon, oder auch Nachbarländer betroffen sind? Darauf gibt es eine konkrete Antwort:

„Bis zu einem voll versorgten Übertragungsnetz kann es 10 bis 24 Stunden dauern. Im Anschluss, und teilweise parallel, müssen auch die Verteilnetze wiederaufgebaut werden. Im schlimmsten Fall rechnet die APG mit einem Ausfall von bis zu 48 Stunden, bis alle, auch private, Verbraucher:innen wieder versorgt sind. Läuft alles optimal, ohne Fehler oder grobe Hardwareausfälle, ist das Ziel theoretisch auch in sechs Stunden zu erreichen.“

Die APG (Austrian Power Grid) betreibt das überregionale österreichische Stromnetz und sorgt mit mehr als 700 Mitarbeiter:innen für eine „sichere und lückenlose Stromversorgung“ im Land. Ein Blackout wird definiert als „unerwarteter und unvorhersehbarer Totalzusammenbruch des überregionalen Stromversorgungsnetzes für einen längeren Zeitraum“, bzw. als sogenanntes HILP-Event (High Impact Low Probability) – im Gegenteil zum lokalen Stromausfall.

Vorbereitungen auf Worst Case-Szenario

Bis zu 48 Stunden – das ist also viel kürzer als jene 10 bis 14 Tage, von denen beim Zivilschutz die Rede ist. In Bezug auf Blackout-Vorbereitungen heißt es dort: „Sorgen Sie für eine Lebensmittel- und Wasservorrat für mindestens 10-14 Tage.“ Zusätzlich solle man :

  • sich informieren, welche Vorkehrungen in der Gemeinde getroffen wurden (z.B. Wasserversorgung, Ansprechstellen im Krisenfall).
  • ein Batterie- oder Kurbelradio bereit halten
  • für ausreichend Leuchtmittel im Haushalt sorgen(LED-Lichter statt Kerzen, da keine Brandgefahr).
  • für eine Möglichkeit auch ohne Strom zu kochen sogen (z.B. Gaskochplatte, Notkochstelle, Grill).
  • Überlegungen anstellen, ob man Vorkehrungen für Notstrom benötigt (z.B. landwirtschaftlicher Betrieb).
  • Pläne mit Haushalt, Familie und Nachbarn besprechen

Trockener Sommer: Wasserkraftwerke produzieren 10% weniger Strom

Aktuell kein gesteigertes Risiko

Allerdings hält die Studie auch fest, dass aktuell kein gesteigertes Risiko für einen Blackout gebe. „Seit Anfang der 1950er Jahre gab es keinen solchen Fall in Österreich. Abseits verstärkter medialer Aufmerksamkeit zur Thematik gibt es keine klaren Belege für ein steigendes Risiko. Ankündigungen von Blackout-Eintritten in definierten Zeiträumen beruhen nicht auf wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen“, so die Studienautor:innen. „Auf Basis des in dieser Studie zusammengetragenen Wissens kann festgestellt werden, dass das österreichische Stromsystem momentan weitgehend versorgungssicher ist. Das könnte sich freilich in den nächsten Jahren ändern, weil sich das ganze System an vielen Stellen zu ändern begonnen hat.“

Doch durch Energiewende, Ausbau der Erneuerbaren Energiequellen, Elektromobilität oder Extremwetterphänomenen (Hitze, Hochwasser, massive Unwetter, starke Stürme) kommen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten große neue Herausforderungen auf das österreichische Stromnetz zu. Der Trockene Sommer 2022 etwa hat dafür gesorgt, dass Wasserkraftwerke um 10 Prozent weniger Strom produzierten als in den Vorjahren (Trending Topics berichtete)

Bereits heute zeigt sich, dass Österreichs Stromnetze den Zubau von Wind- und Solarkraftanlagen nicht verkraftet. Alleine die fünf Netzbetreiber Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich wollen bis 2030 rund 10 Milliarden Euro in den Ausbau investieren – das zeigt die Größenordnung der Investitionen, die notwendig sein werden.

Auf EU-Ebene sieht man die Angelegenheit bereits kritischer. Dort bereitet man sich bereits konkret für Blackouts im Winter vor. Die Europäische Kommission schlug am Mittwoch eine Verordnung vor, in der die Regierungen aufgefordert werden, den Stromverbrauch insgesamt um zehn Prozent zu senken sowie eine obligatorische Reduzierung um fünf Prozent während der Spitzenlastzeiten vorzunehmen.

Österreichs Stromnetze verkraften Solar- und Wind-Boom nicht

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