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Enpal verteidigt Preismodell nach Vorwurf der überteuerten PV-Anlagen

© Enpal
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In Deutschland ist Streit ausgebrochen, und zwar um einen boomenden Markt im Umbruch. Die Rede ist von Erneuerbaren Energiequellen, in Form von Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern. Bis 2030 ist ein PV-Ausbau auf 215 GWP (Gigawatt Peak) bis 2030 und auf 400 GWP bis 2040 vorgesehen – das ist also das Drei- bis Sechsfache an Leistung, die 2022 zur Verfügung steht. Bedeutet auch: Für die Anbieter von Solaranlagen ist hier ein stark wachsender Milliarden markt ausgebrochen.

Mittendrin in diesem Markt steht das Berliner Solar-Unicorn Enpal. Dieses hat 2022 eigenen Angaben ungefähr 400 Millionen Euro Umsatz gemacht. Rein rechnerisch, würde Enpal mit dem Markt mitwachsen, würde es dann bereits 2030 Milliardenumsätze machen können. Zuletzt haben die Berliner rund um CEO Mario Kohle satte 855 Millionen Euro Fremdkapital von führenden europäischen Banken aufgenommen, um das boomende Geschäft mit den PV-Anlagen für Private vorfinanzieren zu können. Monatlich sollen bald monatlich 2.000 PV-Anlagen installiert werden.

Das aktuelle Geschäftsmodell dazu ist die Miete. Anstatt eine PV-Anlage, die schon mal so viel wie ein Auto kosten kann, auf einmal bezahlen oder über einen Kredit finanzieren zu müssen, bietet Enpal die Miete. Ab 114 Euro/Monat beginnt der Monatstarif, Laufzeit ist 20 Jahre. Man bezahlt die PV-Anlage sowie inkludierte Leistungen (Installation, Wartung, Stromspeicher, App usw.), und nach 20 Jahren gehört einem das Ding am Dach. Doch dieses Mietmodell ist so manchem Mitbewerber ein Dorn im Auge. Sowohl SolarHelden aus München als auch 1Komma5° aus Hamburg – beide Firmen sind ebenfalls im Geschäft mit PV-Anlagen – warfen Enpal überteuerte Ware vor – und rechneten vor, dass man eine PV-Anlage auch um die Hälfte des Geldes, das Enpal verlangt, bekommen kann.

Solar-Unicorn Enpal holt satte 855 Millionen Euro Finanzierung an Bord

So kommen schnell 60.000 Euro Kosten zusammen

Nachdem sich Enpal zuerst in Sachen Kosten nicht in die Karten blicken lassen wollte, meldet sich nun Wolfgang Gründinger gegenüber Trending Topics zu Wort. Er ist Chief Evangelist bei Enpal, ist als solcher demnach als Missionar für die Marke unterwegs und zählt sich auf der eigenen Webseite zu den „streitbarsten Vordenkern in Deutschland“. Diesmal geht es ihm darum, das Mietmodell von Enpal zu verteidigen. Erst der richtige Vergleich inklusive aller Produkte und Dienstleistungen, die in den Mietpreis eingerechnet sind, würde die echten Kosten zeigen – also nebst Wartung, Service, Versicherung, Reparatur, die Finanzierung (Zinsen!), der Austausch des Speichers und der Austausch des Wechselrichters.

Gründinger rechnet also vor, und zwar basierend auf den Zahlen aus dem Preisindex, den der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) pro Quartal für Solaranlagen und pro Halbjahr für Batteriespeicher veröffentlicht. Er listet folgende Kostenpunkte auf:

  • 17.170  Euro für eine 10 kWp-Anlage (PV pro KWp bei 1.717 Euro laut Preisindex PV Q4/2022)
  • 13.240 Euro für einen 10 kWh-Speicher (Speicher pro kWh bei 1.324 Euro laut Preisindex Speicher H2/2022)
  • 15.921  Euro Finanzierungskosten bei Finanzierung mit einem KfW-Kredit (effektiver Zins 4,64% (Programm 270, Preisklasse A, 20/3/20, Stand 23.12.2022)
  • 5.200 Euro Betriebskosten, summiert über 20 Jahre (26€/kWp/Jahr laut HTW und Fraunhofer, Inflation ist nicht berücksichtigt)
  • 1.200 Euro für die Software/App, summiert über 20 Jahre (5 Euro/Monat)
  • 6.620 Euro Austausch Speicher nach ca. 15 Jahren

Daraus ergeben sich also Anschaffungskosten von 30.410 Euro Anschaffungskosten, und nach 20 Jahren Gesamtkosten von 59.351 Euro. Dem gegenüber stellt er die Mietkosten von Enpal für eine solche Anlage. Sie würden bei 54.120 Euro liegen. Man bezahlt 212 Euro/Monat in den ersten beiden Jahren, dann 227 Euro/Monat in den verbleibenden 18 Jahre. Und es wäre dann noch Spielraum drinnen, sollte man auch die Wechelrichter nach mehreren Jahren Betrieb tauschen müssen. Insofern sei man sogar günstiger, weil die Miete ein inflationsgeschützter Festpreis sei, der nicht steige.

Auch Kauf ist eine gute Option

„Im Kern ist Miete genauso teuer wie Kauf, wenn alle Kosten einbezogen werden. Bei einem ehrlichen Vergleich sind die Kostenunterschiede je nach Anlagengröße und Rechenweise meist eher gering und hängen davon ab, wie genau man rechnet und welche Faktoren man einbezieht“, so Gründinger. „Wer eine Solaranlage mietet, schätzt das Rundum-Sorglos-Paket, die Kostentransparenz und den einfachen Zugang. Wer dagegen vieles selbst in die Hand nehmen möchte, keinen Kredit benötigt und sein Erspartes keinesfalls anders verwenden oder investieren möchte, für den ist auch der Kauf eine gute Option.“

Dass sich wie berichtet die kleine Firma SolarHelden aus München von Enpal, seinem Mietmodell und dem intensiven Online-Marketing bedroht fühlt, hat dazu geführt, dass sich deren CEO Andreas Pichlmair nunmehr via Anwälten mit dem großen Berliner Mitbewerber austauscht und sich für aufgeregte nächtliche Anrufversuche bei Enpal-CEO Kohle bereits entschuldigen musste. Gründinger meint dazu: „Die PV-Kapazität in Deutschland soll von heute 60 GW auf 215 GW innerhalb von acht Jahren sich deutlich mehr als verdreifachen. Da ist für alle genug zu tun.“

Rivalen werfen Solar-Unicorn Enpal überteuerte Solaranlagen vor

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