Klimaschutz

Europas 25 größte Banken investieren trotz Klimaziele weiter Milliarden in Öl und Gas

Europe's 25 largest banks continue to invest billions in oil and gas © Pexels

Im Mai 2021 veröffentlichte die International Energy Agency (IEA) ihren “Net Zero by 2050: a Roadmap for the Global Energy Sector” Report. Dabei kam die IEA zu dem Ergebnis, dass bereits ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Investitionen in neue Projekte zur Versorgung mit fossilen Brennstoffen mehr getätigt und das keine endgültigen Investitionsentscheidungen für neue Kohlekraftwerke ohne Abgasreinigung mehr getroffen werden dürften. Sonst könne das 1,5 Grad Celsius Ziel bis 2050 nicht erreicht werden.

Soweit, so klar. Das allerdings nicht für alle, wie eine aktuelle Analyse deutlich macht. Diese zeigt: 25 der größten Banken Europas haben diesen Part des Reports wohl schlichtweg überlesen. 

Investitionen trotz Net-Zero Banking Alliance

Dabei klingen die Ankündigungen oft ganz anders. Offiziell haben sich 40 Prozent der weltweiten Bankaktiva der im April 2021 gegründeten Net-Zero Banking Alliance der Vereinten Nationen angeschlossen. Darin verpflichten sie sich ihre Kredit- und Anlageportfolios bis 2050 auf Netto-Null-Emissionen auszurichten. In der Praxis nehmen sie das mit dem Commitment Statement dann jedoch wohl nicht so genau. Nach diesem sollten sie nämlich bis spätestens 18 Monate nach dem Beitritt Ziele für 2030 (oder früher) festlegen und dementsprechend umsetzen. In der Praxis sieht das aber wieder ganz anders aus. Das zeigt eine Analyse der Kampagnengruppe ShareAction.

24 der 25 europäischen Banken, deren Aktivitäten von ShareAction untersucht wurden, haben sich im Rahmen der Net-Zero Banking Alliance verpflichtet. Trotzdem haben diese 24 Banken seit ihrem Beitritt zur Allianz im vergangenen Jahr 33 Milliarden Dollar (circa 29 Milliarden Euro) für Öl- und Gasexpander bereitgestellt. Mehr als die Hälfte dieses Betrages (19 Milliarden Dollar) stammt ausgerechnet von vier der Gründungsmitglieder: der Allianz – HSBC, Barclays, BNP Paribas und der Deutschen Bank, so die Studie.

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Damit gingen alleine im vergangenen Jahr gewaltige Summen in die Förderung von Öl und Gas. Doch damit nicht genug. Die Studie ergab auch, dass alle 25 Banken den fossilen Energieunternehmen insgesamt seit 2016 Finanzmittel in Höhe von über 400 Milliarden US-Dollar (circa 350 Milliarden Euro) zur Verfügung gestellt hätten. HSBC führt die Tabelle mit 59 Milliarden US-Dollar an, gefolgt von Barclays (48 Milliarden US-Dollar) und BNP Paribas (46 Milliarden US-Dollar). 

Viele Versprechen – wenige Beweise

All diese Investitionen stellen die Integrität Net-Zero Banking Alliance ziemlich in Frage. Bisher sind laut ShareAction die deutsche Commerzbank, die französische Crédit Mutuel und die französische La Banque Postale die einzigen Banken, die damit begonnen haben, die Finanzierung von Unternehmen, die ihre Öl- und Gasproduktion ausweiten, einzuschränken. Wobei man auch dort ein großer “aber” setzen muss. Denn obwohl die Commerzbank tatsächlich die Investitionen einschränkt, gilt das nur für neue Kund:innen. 

Doch nützen dann Leitlinien, wie die der Allianz, gar nichts? Laut der Organisation kaum. Banken würden ihre Ziele oft so formulieren, dass sie ihre Kund:innen bei der Abkehr von fossilen Brennstoffen unterstützen wollen, anstatt ihnen Finanzierungsbeschränkungen aufzuerlegen. So hieße es lau ShareAction beispielsweise in der Energiepolitik der HSBC: „Unser vorrangiges Ziel ist es, unsere Kunden beim Übergang von einer kohlenstoffreichen zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu unterstützen.“ Nach überzeugten Maßnahmen hört sich das eher weniger an.

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Dabei wäre es laut Xavier Lerin, Senior Research Manager bei ShareAction, auch für die Banken vorteilhaft, jetzt schon radikal auf Erneuerbare Energien umzuschwenken: „Wenn die Öl- und Gasnachfrage in Übereinstimmung mit den 1,5C-Szenarien zurückgeht, werden die Preise fallen und die Vermögenswerte werden gestrandet sein. Wenn andererseits die Nachfrage nicht ausreichend zurückgeht, um die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, wird die Wirtschaft unter schweren physischen Klimaauswirkungen leiden. In beiden Fällen werden Werte für Energieunternehmen, Banken und ihre Investoren vernichtet.”

Für ihre Analyse untersuchte die Nichtregierungsorganisation für verantwortungsbewusstes Investment das Finanzierungsvolumen von 25 der größten europäischen Banken für 50 Unternehmen mit großen Öl- und Gas-Expansionsplänen, darunter Exxon Mobil, Saudi Aramco, Shell und BP. Vierundzwanzig der in der ShareAction-Studie untersuchten Banken sind Mitglieder der Net Zero Banking Alliance. Die einzige Ausnahme ist die DZ Bank, die Mitglied der Net Zero Banking Alliance Germany ist. 

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