Climate

Grazer wollen mit Humus eine Million Tonnen CO2 aus der Atmosphäre entfernen

Die Gründer von Audili © Audili
Die Gründer von Audili © Audili

Um die Erderwärmung in Grenzen zu halten, ist es notwendig, regenerativ und nicht nur nachhaltig zu handeln. Das bedeutet, nicht nur aktuelle Emissionen zu reduzieren, sondern auch frühere Emissionen direkt aus der Luft zu filtern. Ideen dafür gibt es viele, zumeist sind diese aber komplex und teuer. Audili, ein Grazer Startup, setzt auf einen einfachen und natürlichen Prozess: Humusaufbau.

Ackerflächen haben einen Nährstoffgehalt, der in der Regel über aufwändige Bodenproben ermittelt wird. Audili hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Prozess zur vereinfachen. Simpel ausgedrückt: Die beiden Junggründer Armin und Stefan Schöpf wollen Landwirte beim Aufbau einer regenerativen Landwirtschaft unterstützen. Dazu wollen Sie auch die Bodenbeschaffenheit per Satellit messen.

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Humus als CO2-Binder

„Wir haben Audili gegründet, da wir erkannt haben, dass Humusaufbau eine kosteneffektive und natürliche Methode darstellt, CO2 aus der Atmosphäre zu entfernen und hat darüber hinaus auch viele andere positive und langfristige Auswirkungen auf die Umwelt hat“, fährt Schöpf fort. Und wie darf man sich die Hilfe von Audili konkret vorstellen? „Wir unterstützen Landwirte dabei, durch Umsetzung regenerativer Maßnahmen Humus aufzubauen und dadurch CO2 aus der Atmosphäre langfristig im Boden (in Form von Humus) zu binden. Weiters wird durch die Umsetzung der Maßnahmen auch die Biodiversität und Wasser-Retention erhöht – sozusagen CO2-Speicherung mit Zusatznutzen“, erklärt Armin Schöpf.

Wie funktioniert das?

Das Prinzip dabei ist recht einfach: Pflanzen nehmen CO2 aus der Luft auf wandeln dieses durch Photosynthese in Sauerstoff und Kohlenstoff um. Der Kohlenstoff wird für das weitere Wachstum der Pflanze verwendet und der Sauerstoff an die Atmosphäre abgegeben. Wenn die Pflanze stirbt und zersetzt wird, bleibt ein Teil dieses Kohlenstoffes, der aus CO2 entstand, in Form von Humus im Boden zurück und haucht diesem neues Leben ein. Neben dem Brüderpaar arbeitet derzeit noch Patrick Leiter von der TU Graz am Projekt mit. Die Pläne für das nächste Jahr stehen bereits: „Da Humusaufbau als aktive Klimaschutzmaßnahme noch kein allgemein bekanntes Thema ist, ist es wichtig für uns, gleichzeitig mit unseren Marktstart in 2020 verstärkt Aufklärungsarbeit zu betreiben“, weiß der Gründer, was zu tun ist.

Skalierung mittels Satellitenbildern

Humusaufbau als aktive Klimaschutzmaßnahme wird durch Initiativen wie die internationale 4p1000 immer bekannter, allerdings ist der der Nachweis der gespeicherten CO2-Mengen noch arbeitsaufwendig, teuer und oft erst nach Jahren möglich. “Wir haben Audili gegründet um diese Probleme zu lösen und damit die Skalierung einer regenerativen Landwirtschaft zu ermöglichen. Dafür entwickeln wir eine selbstlernende Software, die auf Satellitenbasis Bodeneigenschaften ermitteln kann. Diese Daten dienen als eine erweiterte Entscheidungsgrundlage für Landwirte und ermöglichen auch in Kombination mit unabhängiger akkreditierter Laboranalysen den langfristigen Nachweis des Humusaufbaus”, erklärt Schöpf. Was auf den ersten Blick utopisch klingt, ist in technischer Hinsicht umsetzbar. Der Clou an der Sache: Aufgrund der Rückstrahlung lassen sich sogenannte Multispektraldaten über den Satelliten messen. Bodeneigenschaften würden sich so exakt bestimmen lassen.

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Humus-Zertifikate als Erlösquelle

Durch diesen genauen Nachweise der gespeicherten CO2-Mengen ist es Unternehmen und Privatpersonen möglich, ihre unvermeidlichen Emissionen durch Humusaufbau-Zertifikate zu kompensieren und gleichzeitig die lokale Biodiversität und Bodenqualität zu steigern.“Sozusagen CO2-Kompensation mit Zusatznutzen“, erklärt Schöpf. Die Erlöse für diese Zertifikate geben Landwirten die finanzielle Sicherheit, den Schritt zur regenerativen Landwirtschaft zu wagen und sollen damit eine positive Veränderung ermöglichen, die sonst nicht stattfinden würde.

Große Pläne für die Zukunft

Der Science Park Graz ist für die nächsten Schritte perfekt, findet das junge Team um Stefan und Armin Schöpf: „Der SPG bietet uns wichtige Unterstützung bei der Vernetzung mit Wirtschaft und Forschung“. Damit hofft das junge Team, in fünf Jahren das Thema Humusaufbau als natürlichen und aktiven Klimaschutz allgemein zu etablieren und eine Million Tonnen CO2 aus der Atmosphäre auf natürlichen Wegen entfernt zu haben.

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