Weniger Verpackung

Green-Bag: Startup verkauft reines Saftkonzentrat und will den Markt damit verändern

Green-Bag-Gründer Martina Giczy und Bernhard Gager © Green-Bag
Green-Bag-Gründer Martina Giczy und Bernhard Gager © Green-Bag

Auf vielen Säften im Supermarkt steht beim näheren Hinsehen nicht Direktsaft, sondern Saft aus Fruchtkonzentrat. Das bedeutet, dass nicht der Saft, der beispielsweise direkt aus dem Apfel kam, abgefüllt wurde. Stattdessen wurde aus dem gepressten Saft ein Konzentrat hergestellt, das dann wieder mit Wasser vermengt und in Kartons abgefüllt wurde.

Dass Konsument:innen durchaus in der Lage sind, die Wasserzufuhr bei Getränken selber nach Geschmack zu bestimmen, zeigt die Auswahl an Sirup-Varianten in Österreich. Ein ähnliches Prinzip verfolgt daher das Startup Green-Bag. Nur, dass sie Fruchtsaft-Konzentrat zum Mischen bereitstellen.

Schwedisches Konzept für sich entdeckt

Die Idee für die Gründung ihres Startup stammt eigentlich aus Schweden, erzählt die Gründerin Martina Giczy im Gespräch mit Tech & Nature. Gemeinsam mit ihrem späteren Mitgründer Bernhard Gager war sie mehrere Jahre bei dem Fruchtsaftproduzenten Höllinger beschäftigt. Sie im Vertrieb, er in der Geschäftsführung. Dort begegnete sie dem in Schweden gängigen Angebot an Fruchtsaftkonzentraten. „In Schweden ist das ein alteingesessenes Konzept. Ganze Regale sind mit den Produkten gefüllt“, so Giczy. Im Rest von Europa kam das Angebot bisher allerdings bisher nicht an, so die Gründerin. Ende 2019 beschlossen die beiden Gründer:innen daher, das zu ändern.

2020 folgte die Gründung von Green-Bag. Im Nachhinein betrachtet kein leichter Start angesichts der Corona-Pandemie, erzählt die Gründerin. „Einen gewissen Startvorteil hatten wir aber natürlich. Wir waren in der Branche bereits gut vernetzt“, so Giczy. Das erleichterte die Suche von Partnern:innen. Abgefüllt werden die Bio-Fruchtsaftkonzentrate heute in der Steiermark, die Früchte kommen aus verschiedenen Herkunftsländern.

Green-Bag: Wenn sich statt Saft Fruchtkonzentrat im Tetrapack befindet

Weniger Verpackung, weniger Transport

Also, was ist aber nun anders? In den Green-Bags befindet sich Fruchtkonzentrat. Das ist soweit nicht weiter außergewöhnlich. Doch anders als andere Marktteilnehmende lassen sie das Wasser weg. Wie die großen Geschwister gibt es auch das Konzentrat in Tetrapaks. Im Vergleich zu den ganzen Säften sind die jedoch deutlich kleiner. Um genau zu sein: Die Green Bag-Päckchen sind ein Fünftel so groß wie die abgepackten Säfte. Denn laut den Gründer:innen kann man mit dem Mischverhältnis eins zu fünf aus einem Green Bag-Konzentrat einen Liter Saft machen, so wie er auch im Supermarkt steht – nur mit deutlich weniger Verpackungsmüll. Im Vergleich zu anderen handelsüblichen 1-Liter Saft-Kartons kämen sie auf 66 Prozent weniger Verpackungsgewicht und so auch beim Transport mit deutlich weniger Paletten aus. Das reduziert entsprechend den Transportaufwand.

Das Rad direkt neu erfunden haben sie mit dem Konzept dabei aber natürlich nicht. Die Aufmerksamkeit von großen anderen Mitbewerbern hätten sie daher schon geweckt: „Ich glaube, dass wir Ideengeber sein können“, so Martina Giczy. Über ihren Online-Shop hätten bereits große Unternehmen wie Eckes-Granini, Coca Cola und auch Voelkel ihre Säfte gekauft. Seit Ende 2021 hat Eckes-Granini mit „JUiCE ME UP!“ einen konzentrierten Fruchtsaft zum Selbermischen im Angebot.

Future Food: Diese 6 Startups haben es 2021 in den Handel geschafft

„Stehen nicht im ‚Battle‘ mit den Großen“

Vielleicht folgen bald die nächsten Hersteller. Von einer baldigen Kooperation mit großen Saftproduzenten geht die Gründerin Giczy nicht aus. „Ich gehe eher davon aus, dass sie es für sich selbst entdecken werden. Aber die Kleinen werden ihre Nischen finden“, so die Gründerin. Und eine Community, welche diese schätzen. In einem „Battle mit den Großen“ würden sie nicht stehen. Ziel sei es, die eigenen Familien versorgen zu können und „vielleicht Veränderungen angestoßen haben“, gibt die Gründerin an. Zudem könne es nicht schaden, wenn auch große Hersteller das Konzept für sich entdecken, glaubt sie. „Die haben natürlich eine ganz andere Markenkraft, so Giczy. Das wiederum könnte die Akzeptanz von solchen Angeboten bei den Konsument:innen erhöhen und stärken.

Green-Bag schreitet Richtung stationären Handel

Einen kleinen Schritt in den stationären Handel hat Green-Bag zudem auch schon geschafft. Gelistet seien sie unteranderem aktuell bei Denns Biomärkten, Reformstark Martin, Prokopp, über den Großhändler Biogast und auch bei der Bio-Bäckerei Gradwohl. Mit ihrem Apfel-Fruchtkonzentrat seien sie aber auch bei Interspar vertreten. „Auch wenn es natürlich schwierig ist, unser kleines Päckchen zwischen den großen Interspar-Angeboten zu finden“, so die Gründerin von Green-Bag.

Das Generieren von Aufmerksamkeit nennt Martina Giczy als eine der größten Herausforderungen für Kleinfirmen angesichts der riesigen Auswahl am Markt. Helfen kann dabei der Zusammenschluss von verschiedenen Startups, beispielsweise in temporären Pop-Up Stores. „Veränderungen wird es schon geben. Ich bin überzeugt davon, auch in unserem Fall, dass die Großen kommen werden und das Potenzial erkennen werden.“ Das auch getrieben durch die Nachfrage der Konsument:innen nach mehr nachhaltigen Produkten.

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