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Investment-Zukunft: Warum Österreich Luxemburg werden muss

Luxemburg City. © Cedric Letsch on Unsplash
Luxemburg City. © Cedric Letsch on Unsplash

Luxemburg hat zwar nur etwa 640.000 Einwohner:innen, doch Österreich ist trotzdem ein Zwerg dagegen. Zumindest in einem Punkt, und zwar, wenn es um den bevorzugten Standort für Venture-Capital- (VC) und Private-Equity-Gesellschaften (PE) geht. Das sind jene Kapitalgeber:innen, die meistens dafür verantwortlich sind, dass aus Startups Unicorns und börsennotierte Innovations-Unternehmen werden.

Während in Luxemburg mehr als 3,2 Prozent des BIP durch PE-Investitionen stammt, sind es in Österreich lediglich 0,045 Prozent. Kein Wunder: „Es gibt kaum PE-Fonds (Invest AG und AG Capital, Anm.) in Österreich“, sagt Rudolf Kinsky von der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO), im Rahmen eines Pressegesprächs in der Wirtschaftskammer Wien. Er sowie Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien meinen, dass Wien aber durch einige Reformen die Chance hätte, zum neuen Luxemburg zu werden – als attraktiver Standort für VCs und PEs auf der Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa.

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Zehn Milliarden in zehn Jahren

Wirtschaftsforscherin ​​Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, liefert dafür die Zahlen. Würde man es in Österreich schaffen, die Ansiedelung von Fonds mit einem Volumen von 10 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren zu erreichen, hätte das ordentliche volkswirtschaftliche Effekte. Jährlich würde es eine knapp 4 Milliarden höhere Wertschöpfung geben (2 Milliarden davon in Wien). Außerdem, so die Berechnung: Etwa ein Fünftel der zehn Milliarden Euro (also 2) würden in österreichische Firmen investiert werden.

„Es kommt nicht nur Kapital nach Österreich, sondern es würden auch sehr viele Dienstleister davon profitieren, Stichwort Umwegrentabilität“, sagt Kinsky. Man müsse eben nur ein besserer und günstigerer Anbieter werden als Luxemburg. Kleine Fonds würden in Luxemburg pro Jahr 300.000 Euro an Kosten haben – würde man das in Österreich günstiger machen, dann wären viele gewillt, sich etwa in Wien anzusiedeln.

„Es ist einiges da“, sagt auch Ruck. „Es gibt eine gut ausgebaute Bankenszene und eine gut ausgebaute Versicherungsszene.“ Die wiederum seien gut in Mittel- und Osteuropa etabliert – also ein gutes Fundament, um Fonds aufzubauen. Eco Austria hat 3 Szenarien errechnet, welche Effekte ein besserer VC/PE-Standort hätte:

Bekannte Liste an Forderungen

Was aber braucht es, um Österreich Luxemburg überholen zu lassen? Eigentlich die Erfüllung einer längeren Liste aus Forderungen aus der Startup-Szene, wie man sie schon seit mehreren Jahren hört:

  • Günstigere Besteuerung von Körperschaften und von Kapitaleinkommen
  • Gesetzliche Klarheit hinsichtlich der Besteuerung von „carried interest“, VC/PE Fonds sowie Mitarbeiterbeteiligungen
  • Reform des Gesellschaftsrechts
  • Etablierung eines Dachfonds, um große Investoren zu animieren

Aktuell sieht es aber nicht danach aus, als würde es viel Bewegung in diesen Punkten geben. Zumindest die Reform des Gesellschaftsrechts inklusive der Mitarbeiter:innenbeteiligung wird aktuell zwischen Wirtschafts-, Justiz- und Finanzministerium verhandelt; ein Dach-Fonds (Fund of Funds), der seinerseits in zahlreiche weitere Fonds investieren kann, wird seit Jahren diskutiert. Wie berichtet hat die AVCO dazu bereits einen Vorschlag für einen 500 Millionen Euro schweren Fonds vorgelegt.

Welche Chancen auf eine Erfüllung der oben gelisteten Vorschläge/Forderungen gibt es? Klar ist, dass diese in der aktuellen Energiekrise keine Priorität genießen. „Versuchen wir uns neben den vielen anderen Dingen, mit Dingen zu beschäftigen, die für den Wirtschaftsstandort in zehn, fünfzehn Jahren wichtig sein wird“, sagt Ruck. „Steter Tropen höhlt den Stein.“

© Barbara Lachner
© Barbara Lachner

Fund of Funds: So kann ein österreichischer Dachfonds mit 500 Mio. Euro funktionieren

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