Energie

Newcleo: 300 Mio. Euro für Nuklear-Startup, das Uran-Recycling verspricht

Newcleo-CEO Stefano Buono. © Newcleo
Newcleo-CEO Stefano Buono. © Newcleo

Den traditionell Atomkraft ablehnenden Deutschen und Österreicher:innen wird das gar nicht schmecken, aber: Das britische Kernkraft-Startup Newcleo rund um CEO Stefano Buono (der Italiener gründete auch Advanced Accelerator Applications, später von Novartis um 4 Mrd. Dollar gekauft) hat frische 300 Millionen Euro Investment erhalten. Das junge Unternehmen arbeitet an so genannten Small Modular Reactors (SMRs) und will mit der so genannten MOX-Technologie ermöglichen, abgebranntes Uran aus herkömmlichen Atomkraftwerken zu recyceln.

Newcleo ist damit eines von mehreren Startups, das im Zuge der Renaissance der Atomkraft in Europa an Fahrt aufnimmt. bereits 2021 wurden 100 Millionen Euro Risikokapital aufgenommen, nun kommen weitere 300 Millionen Euro dazu. Ziel ist nun zuerst, die Mitarbeiter:innen in UK, Frankreich (Lyon) und Italien (Turin) auf 500 auszubauen. Mit den SMRs und MOX (dazu später mehr) in Kombination mit der geplanten EU-Taxonomie (Atomkraft soll „grünes“ Investment sein) und den geopolitischen Verwerfungen sieht man bei Newcleo gute Marktchancen.

„Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen haben die Bedeutung der Kernenergie für die Gewährleistung der globalen Energiesicherheit und den notwendigen Wandel bei den Dekarbonisierungsbemühungen unbestreitbar verstärkt. Die Dynamik ist groß, und der Appetit des Kapitalmarkts ist offensichtlich. Dies ist der richtige Zeitpunkt für einen Paradigmenwechsel in der Kernenergie hin zu einer neuen Technologie, die die Hauptprobleme unserer Branche – Kosten, Sicherheit und Abfall – auf nachhaltige Weise lösen kann“, so CEO Buono.

Ehemaliger SpaceX-Ingenieur arbeitet an tragbarem Atomreaktor

Frankreich im Visier

In Frankreich hat das Startup bereits einen Fuß in der Tür, und zwar über eine Partnerschaft mit dem Kernkraftunternehmen Orano. Mit diesem will man MOX vorantreiben. Dabei handelt es sich nicht um eine Erfindung des Startups, sondern um eine längst bekannte Methode, so genannte Mischoxid-Brennelemente (kurz MOX) herzustellen. Dabei wird abgebrannter Uranbrennstoff mit Plutoniumdioxid, manchmal auch Thoriumdioxid gemischt, und kann dann wieder in Atomreaktoren eingesetzt werden. Das zweite Versprechen: MOX soll ein Weg sein, um Plutonium, das für Atomwaffen hergestellt wird, einer Zweitverwertung im Energiesektor zuzuführen.

Newcleo verspricht sich nun aus dem Vorantreiben von MOX, die Kosten für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle zu senken bzw. die Notwendigkeit des Abbaus neuer Kernbrennstoffe abzuschaffen. MOX ist aber spätestens seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima in Verruf gekommen, weil dort neben Uran-Brennelementen auch 32 MOX-Brennelemente im Einsatz waren. Wenige Monate nach der Katastrophe wurde etwa die Sellafield Mox Plant in Großbritannien als einer der führenden Hersteller von MOX-Brennelementen stillgelegt, weil sich die Nachfragesituation an den internationalen Märkten änderte.

Streit um „grüne“ Atomkraft“

Nun riecht offenbar Newcleo und seine Investor:innen ein Comeback von MOX. In Frankreich sei MOX bereits für den Einsatz in schnellen Kernreaktoren zugelassen, auch in Großbritannien könne man es absetzen. Parallel dazu arbeitet man in Italien gemeinsam mit dem Partner ENEA, also der italienischen Energie- und Umweltagentur, an nicht-nuklearen Reaktor-Prototypen. In Italien werden keine Kernkraftwerke mehr betrieben, das Land stieg nach der Katastrophe von Tschernobyl aus der Kernenergie aus.

In der EU ist die Frage, wie man künftig mit Atomkraft umgehen soll, weiter eine große Streitfrage. Während Länder wie Frankreich stark darauf setzen, gibt es vor allem in Deutschland und Österreich großen Widerstand dagegen. Zuletzt haben Ausschüsse des EU-Parlaments gegen die Einstufung von Atomkraft und Gas als „grün“ gestimmt.

Taxonomie: EU-Ausschüsse stimmen gegen „grüne“ Einstufung von Atomkraft und Gas

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