Hintergrund

Terra: „LUNA ist wie die Aktie der großen Weltbank“

Terra sieht sich im Mittelpunkt des Krypto-Ökosystems. © Terra.money
Terra sieht sich im Mittelpunkt des Krypto-Ökosystems. © Terra.money

2021 waren es vor allem Cardano, Solana und Polkadot, die die Blicke der Krypto-Industrie auf sich gezogen haben. Im noch jungen 2022 gibt es aber einen anderen Überflieger, der sich in den Charts nach Marktkapitalisierung vor seine Rivalen gearbeitet hat: Terra mit seinem LUNA-Token. In den vergangenen 30 Tagen ist LUNA so richtig angezogen und hat vor kurzem sein All-Time-High erreicht. Doch was steckt hinter Terra?

„Terra hat sich einem Thema verschrieben: Decentralized Stablecoins“, sagt Florian Wimmer, seines Zeichens CEO des Krypto-Startups Blockpit. Seine zweite Blockchain-Leidenschaft heißt aber Terra. Er und immer mehr andere bezeichnen sich als LUNAtics – also große Fans von Terra und LUNA, die nicht nur in den Token investieren, sondern auch als Validatoren im Netzwerk Transaktionen mitrechnen – und dafür belohnt werden.

Der Algorithmus sorgt für die Deckung

Um Den Kern von Terra zu verstehen, muss man einmal verstehen, wie andere, zentralisierte Stablecoins funktionieren. Die Herausgeber von Tether (USDT), USD Coin oder Binance Coin (BUSD) bürgen als Unternehmen dafür, dass die Menge an Token mit einer bestimmten Menge an Dollar oder anderen Assets (oft Schuldverschreibungen) gedeckt sind. Auch das ist oft strittig, aber am Ende vertrauen Nutzer:innen einer einzelnen Institution, dass die Stablecoins gedeckt sind.

Bei Terra ist das anders. Hier werden Stablecoins, allen voran Terra USD (UST) eigentlich durch das Fehlen von LUNA-Token gedeckt – also im Wesentlichen durch einen Algorithmus und nicht durch irgendwelche Assets, die wo gespeichert sind. „Für Stablecoins (auf Terra, Anm.) müssen keine echten Dollars oder Ähnliches hinterlegt werden, sondern es müssen dafür LUNA zerstört werden. Wenn LUNA bei 100 Dollar steht und ich Stablecoins im Gegenwert von 100 Dollar schaffen will, dann müsste ich einen LUNA zerstören“, so Wimmer. Und damit ist Terra noch einmal komplexer als andere Stablecoins, die (auch für so manche Behörden) kaum greifbar sind.

Terra, LUNA & der russische Rubel

Mit Platz 7 in den Krypto-Charts hat sich Terra, das in Südkorea von Daniel SHin und Do Kwon über Terraform Labs gestartet wurde, eine echte, weltweit verteilte Fan-Gemeinde aufgebaut. Und das aus gutem Grund. Denn die LUNAtics werden gut incentiviert, wenn sie am Netzwerk teilnehmen. Es sind etwa 130 Validatoren, die mit ihren Nodes die Transaktionen im Netzwerk bestätigen. Auch in Österreich sind sie mittlerweile zu finden.

Die Kursentwicklung der vergangenen 30 Tage zeigt, wie stark sich Terra/LUNA im Vergleich zum restlichen Krypto-Markt entwickelt hat:

  • LUNA = Türkis
  • ETH = Violett
  • BTC = Blau
  • SOL = Gelb
  • ADA = Rot
  • BNB = Grün
  • AVAX = Hellgrün

„LUNA ist wie die Aktie der großen Weltbank. Jedes Mal, wenn jemand eine Transaktion macht und seine Stablecoins oder LUNA von A nach B sendet, dann fallen so genannte Taxes an. Und diese bekommen die LUNA-Staker. Sie sind tatsächlich involviert und bekommen Anteile am System. Und wenn das System wächst, dann bekommt man die Dividenden, die Staking Rewards, und zwar nicht nur in LUNA, sondern auch in Form der Stablecoins, die hier überwiesen werden“, sagt Wimmer. Mit block42 aus Graz von Gründer Lukas Götz (wir berichteten) gibt es neben Wimmer ein weiteres Unternehmen, das einen Validator im Terra-Netzwerk betreibt.

Wechselwirkung wie bei Mond und Erde

Terra und LUNA stehen sinnbildlich für die Wechselwirkung zwischen Erde und Mond bzw. den Gezeiten, die der Mond auf der Erde verursacht. Bei der Blockchain, die übrigens auf dem Cosmos-SDK basiert, funktioniert das so: Je mehr Nachfrage es nach Stablecoins gibt, desto mehr LUNA wird zerstört. Der LUNA-Token wird dadurch deflationär und steigt im Wert. Das sieht man aktuell: Parallel zum Preisanstieg von LUNA ist die Menge von UST im Markt gestiegen. Hier die Entwicklung der UST-Marktkapitalisierung seit Anfang 2022:

Terra ist dabei keine einmalige Idee. Iron Finance mit dem TITAN-Token hat ebenfalls versucht, einen solchen algorithmischen Stablecoin zu schaffen, scheiterte damit aber spektakulär – der „Stablecoin“ sank auch Null Dollar und war innerhalb kurzer Zeit wertlos (Trending Topics berichtete). „Ausschließen kann man so etwas auch bei Terra nicht. Viele solcher Dinge im Krypto-Space sind als Experiment zu sehen“, sagt Götz. „Da muss man erst sehen, wie sich die Systeme bei großer Liquidität verhalten.“

Doch aktuell stimmt die Richtung. Immer mehr Blockchain-Projekte laufen auf Terra. Zuletzt sorgte die Gaming-Plattform C2X aus Südkorea für Aufmerksamkeit – sie sammelte in einem Token Sale 25 Mio. Dollar ein, um unter anderem das Spiel „Summoners War“ weiter zu treiben. Mit an Bord sind sehr bekannte Namen im Blockchain-Geschäft, nämlich FTX, Jump Crypto, Crypto.com, Galaxy Interactive oder Huobi Ventures.

Der Armageddon-Button

Und damit stellt sich auch bei Terra wie bei vielen anderen, neueren Blockchains die Frage: Wie dezentral ist das alles eigentlich? Bei Terraform Labs und Do Kwon ist wissentlich sehr viel Wert und Entshceidungsmacht zentralisiert. Das ist per se nicht unbedingt schlecht. Denn Dezentralisierung hat auch Nachteile, wie man etwa bei Ethereum sieht. Dort läuft der Umstieg auf Energie sparendes Proof of Stake sehr langsam – obwohl dort niemand Geringerer als Vitalik Buterin als Mastermind fungiert.

Terraform Labs-Mitgründer Dow Kwon hält großen Teil der LUNA-Token, und dessen ist er sich sehr wohl bewusst. Schließlich kann (und wurde er auch) so zum Ziel von Regulierungsbehörden werden, die das Stablecoin-Netzwerk kontrollieren oder bremsen wollen. Kwon hat für diesen Zeitpunkt angeblich vorgesorgt: Es gibt einen „Armageddon Button“, der auf Knopfdruck alle LUNA-Token von Terraform Labs zerstören würde – zu Gunsten des Werts aller anderen LUNA-Token, die bereits im Kreislauf sind. Dann wäre der zentrale Player von Terra aus dem Spiel – und die Blockchain komplett dem Wirken des freien Marktes ausgesetzt.

Der Kollaps von Iron Finance wirft große Fragen zum DeFi-Markt auf

 

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