Krypto-Business

Wie eine bayrische Regionalbank ins Bitcoin-Geschäft einsteigt – mit Hilfe aus Österreich

© Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte
© Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte

Sehen so Bitcoiner aus? In der allgemeinen Vorstellung vieler Krypto-Afficionados wohl eher nicht. Tatsächlich sind die etwa 800 Mitarbeiter:innen einer deutschen Regionalbank, die über die Grenzen ihrer Region kaum bekannt ist, mittlerweile in Sachen Bitcoin, Cold Wallet und Private Key bestens vertraut. Denn der Regionalverband der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte mit Hauptsitz in Ingolstadt in Oberbayern hat sich kürzlich dazu im Alleingang entschlossen, ins Bitcoin-Geschäft einzusteigen.

Und das tut sie sehr niederschwellig. Während es bei bekannten Neobrokern, Neobanken und Exchanges eine Flut an Krypto-Assets zu handeln gibt, fokussiert sich die Volksbank ausschließlich auf drei Buchstaben: BTC. Kund:innen wird neben der Möglichkeit, Bitcoins direkt vom Online-Girokonto aus zu kaufen auch Cold Wallets (z.B. von Ledger) im Online-Store sowie eine so genannte „VR-BitcoinGoCard“. Diese dient dazu, den persönlichen Private Key unter einem Hochsicherheits-Siegel zu verstecken und verwahren zu können.

Dabei kommt auch ein österreichisches Unternehmen ins Spiel. Nämlich die Österreichischen Staatsdruckerei, die anders als ihr Name vielleicht vermuten lässt, ein Privatunternehmen ist und sich bereits vor mehr als vier Jahren auf das Thema Bitcoin eingelassen hat. Damals wurde vom Tochterunternehmen Youniqx die Card Wallet gemeinsam mit dem Bitcoin-Händler Coinfinity präsentiert, die als sichere Verwahrungsmöglichkeit für den Private Key der eigenen Bitcoin-Wallet dient. Dieses Konzept kommt nun eben bei der bayrischen Bank zum Einsatz. Der Kauf der BTC wird übrigens über die CM-Equity AG abgewickelt – die Firma ist bereits im Zusammenhang mit den mittlerweile wieder eingestellten Aktien-Token bei Binance aufgefallen.

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„Wollen auf keinen Fall den Anschluss verpassen“

„Als regionale Bank wollen wir für unsere Kunden in allen Finanzangelegenheiten erster Ansprechpartner sein. Deshalb war unser  Ziel, Know-how aufzubauen und unseren Kunden eine Lösung bieten“, so Andreas Streb, Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte, in einem Interview im hauseigenen Kund:innenmagazin. So wurden in einem ersten Schritt das gesamte Führungspersonal und dann alle 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 25 Workshops zu je 30 Personen zum Thema Bitcoin geschult. Bitcoin sei ein „strategisches Thema“ für die Bank, man wolle „auf keinen Fall den Anschluss verpassen“. „Wir sehen die Gefahr, dass uns andere Anbieter den Rang ablaufen, wenn wir jetzt nicht reagieren“, so Streb weiter.

Beim eigenen Angebot wird ausschließlich auf Bitcoin fokussiert, die Bank verkauft ihren Kund:innen also weder Ethereum noch andere Altcoins. Dazu hat Streb eine ganz klare Meinung, die sehr an die Einstellung von Bitcoin-Maximalist:innen erinnert. „Bitcoin ist die einzige wirkliche dezentrale Blockchain-Anwendung und aus unserer Sicht bietet nur sie ausreichend Sicherheit vor Manipulation bietet. Alle anderen Kryptowerte sind mit Bitcoin nicht vergleichbar. Vor allem sind sie nicht dezentral aufgebaut, sondern es stehen Unternehmen beziehungsweise Geschäftsmodelle dahinter, die theoretisch oder auch ganz praktisch Einfluss auf den jeweiligen Kryptowert nehmen können.“

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„Kann für langfristige Sparer interessant sein“

Spannend ist dabei, dass die Bank derzeit nicht das in Deutschland seit 2020 regulierte Kryptoverwahrgeschäft betreibt, sondern den Kund:innen lediglich dabei hilft, die gekauften Bitcoins zu verwahren – also etwa in den Cold Wallets oder der Bitcoin-Karte aus dem Online-Shop. Deswegen setzt man in einem ersten Schritt darauf, die Kundschaft so gut wie möglich über die richtige und sichere Verwahrung von BTC zu informieren. Es sei aber geplant, entsprechende Wallets im Laufe 2022 ebenfalls anbieten zu können. Streb: „Wir wollen den Kunden dabei unterstützen, dass er seine Bitcoins selber verwahren kann.“

Ebenfalls interessant ist, dass die neuen Bitcoin-Angebote auf der Webseite im Bereich „Sparen & Geldanlage“ laufen. Klar ist den bayrischen Banker:innen natürlich, dass BTC eine volatile Angelegenheit ist, weswegen man die Kund:innen auch gar nicht zu Bitcoin-Anlagen berät, sondern eben nur zur Wahl der Wallet. „Natürlich ist es nicht sinnvoll, wesentliche Anteile eines Vermögens in diese sehr volatile Wertanlage zu investieren“, so Vorstand Streb. „Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre war allerdings zu beobachten, dass der Bitcoin-Kurs nach oben geht. Deshalb kann es für langfristige Sparer interessant sein, einen kleinen Teil des Vermögens in Bitcoin zu investieren.“

Die angesprochenen „anderen Anbieter“, mit denen die Volksbank Schritt halten will, sind offenkundig. So gibt es bei der Neobank Revolut bereits seit vielen Jahren Bitcoin (und andere Krypto-Assets) zu kaufen, auch N26 hat den Einstieg in das Geschäft angekündigt. In Deutschland ist der Vorstoß der Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte nicht mehr ganz einzigartig. So haben in Deutschland bereits im Dezember 2021 die Deutsche Sparkassen und Giroverband ein gemeinsames Bitcoin-Projekt angekündigt.

N26 wird Anfang 2022 mit Krypto-, Aktien- und ETF-Trading starten

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