Lieferdienst

Wolt: Kritik an Arbeitsbedingungen für Rider wird lauter

Wolt startet in Wien © Wolt
Wolt startet in Wien © Wolt

Vergangene Woche hat mit Wolt aus Finnland ein neuer Lieferdienst den österreichischen Markt betreten (wir berichteten). Zunächst bringt das Unternehmen den Kund:innen in Wien nur Essen, doch in Zukunft will Wolt als „Alles-Lieferer“ Konkurrenten wie Lieferando und Foodora übertreffen. Allerdings gibt es nur wenige Tage nach dem Start auch schon erste Kontroversen. Wie bei vielen Lieferdiensten wird auch hier die Kritik an den Arbeitsbedingungen laut, speziell von der Initiative Riders Collective, die sich für die Rechte von Kurieren einsetzt. Es gab außerdem schon in Wien einen ersten Protest seitens der Rider. Wolt erklärt auf Anfrage jedoch, dass dieser Protest aufgrund eines Fehlers stattfand und nicht wegen einer Entscheidung der Firma.

Wolt startet in Wien – Konkurrent zu Lieferando und Foodora

Erster Protest von Ridern in Wien

„Nach einem schwachen Start hat Wolt bereits geplante Schichten gelöscht. Arbeit und Einkommen, mit dem diese Menschen gerechnet haben, wurden also zugesagt und einfach wieder weggenommen. 30-40 Rider wollten sich das nicht gefallen lassen und sind am Donnerstag zur Wolt-Zentrale gefahren, um die Zuständigen zu konfrontieren“, heißt es von Riders Collective.

Auf den ersten Blick wirkt Wolt wie ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Mindestens 13,50 Euro pro Stunde verspricht das Unternehmen den Ridern. Wolt ist laut Riders Collective aber in keinem Land dafür bekannt, Kuriere anzustellen oder auf Dauer überdurchschnittliche Stundenlöhne zu zahlen. Eher seien die Summen bei der Bezahlung pro Bestellung oft unvorhersehbar. Der Lohn für eine Bestellung richte sich nach der Distanz, der Größe der Bestellung, der Lage vom Restaurant, der Tageszeit und dem Wetter.

Auf Anfrage meint Wolt, dass Zustellpartner*innen frei wählen können, wann sie arbeiten wollen und wann nicht. Die Wolt Partner-App biete vor jedem Auftrag eine transparente Übersicht darüber, was Rider daran verdienen können. „Wir arbeiten mit verschiedenen Boni, beispielsweise wenn das Wetter schlecht ist, verdiene ich mehr pro Bestellung. Dann kann ich für mich entscheiden, ob ich diesen Auftrag annehmen will oder nicht“, so das Unternehmen.

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Wolt-Kuriere nicht fest angestellt

Das Beschäftigungsverhältnis bei Wolt ist dem Riders Collective zufolge entweder selbständig mit Gewerbeschein oder ein freies Dienstverhältnis. Auf den Jacken und Rucksäcken steht daher „Wolt Partner“ – denn man arbeitet mit der Firma und nicht für sie.  Wie bei den meisten Plattformen gebe es aber relativ genaue, oft als „Tipps“ getarnte Anweisungen, wie man sich als Partner:in zu verhalten hat. Riders Collective sieht hierin eine sehr unausgewogene Partnerschaft.

Zu den Regeln für Kuriere gehöre unter anderem, dass sie nicht zuhause oder am Rand des Liefergebiets sitzen dürfen, sondern dort sein müssen, wo die höchste Konzentration von Restaurants ist. Unabhängig der Wetterbedingungen müssen sie zu 100 Prozent verfügbar sein, wenn sie eine Schicht gebucht haben. Sie müssten auch jede Bestellung innerhalb der Garantiezeit annehmen, also bis zur letzten Minute der Schicht. Wenn sie nicht mindestens 85 Prozent ihrer Aufträge annehmen, könne das Konsequenzen haben: Es gebe Strafen in fünf verschiedenen Stufen, von schriftlichen Verwarnungen bis hin zum dauerhaften Ausschluss von der Schichtbuchung. Das klinge eigentlich mehr nach einem normalen Dienstvertrag als einem Freien Dienstvertrag.

Dem Unternehmen zufolge arbeiten die Rider im Durchschnitt etwa 15 Stunden die Woche. Es sei „der perfekte, flexible und gut bezahlte Nebenjob“. Den Vorwurf der strengen Regeln weist Wolt zurück: „Von unserer Seite gibt es keine Vorgaben, wie der Partner seinen Arbeitstag gestaltet. Die Gestaltung des Arbeitstages liegt im freien Ermessen des Partners. Wolt bietet hier volle Flexibilität“, so der Lieferdienst.

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Zu Anfang noch wenige Bestellungen

Nun stößt den Kurieren auch sauer auf, dass Wolt Schichten gelöscht hat. Grund sei ein Mangel an Bestellungen. Tatsächlich sollen viele Rider noch oft mit leeren Rucksäcken fahren. Sie bekommen Anweisung, dass sie nicht herumsitzen dürfen, sondern unterwegs sein sollen. „Dass das versprochene überdurchschnittliche Stundenhonorar für 200 Rider, die kaum etwas zu liefern haben, sich nach kurzer Zeit als teuer erweist, ist zwar nachvollziehbar, aber nach Markteintritten in 25 Ländern ist dieser plötzliche Sinneswandel nicht etwa als Anfängerfehler entschuldbar“, so Riders Collective.

Wolt dagegen gibt sich zufrieden mit der Entwicklung der Bestellung, in weniger beschäftigten Zeiten würde das Unternehmen mit einem garantierten Verdienst von 13.50 Euro pro Stunde arbeiten. Die Löschungen der Schichten waren laut dem Unternehmen außerdem nur ein Fehler. „Letzte Woche waren etwa 20 Zustellpartner:innen im Büro und haben das Gespräch gesucht. Wir haben versehentlich viel zu viele geplante Stunden freigegeben. Es war schlichtweg ein menschlicher Fehler. Daher wurde die Entschädigung aller Zustellpartner:innen, die von den reduzierten Schichten betroffen waren, in der Höhe von insgesamt 25.000 Euro rückwirkend und vollständig veranlasst“, so Wolt.

Man kann sich bei Wolt aber auch einfach einloggen, also ohne eine geplante Schicht arbeiten, pro Bestellung bezahlt werden und Bestellungen auch ablehnen. Das setzt Rider miteinander in Konkurrenz. Auch in solchen Modellen gibt es Proteste: Seit der Einführung von „dynamischer Preisgestaltung“ demonstrieren Kuriere in Dänemark, Tschechien, Slowenien, Serbien, Griechenland und Georgien gegen intransparente Bezahlung und Auftragsvergabe sowie sinkende Kilometergelder. In vielen Ländern wird auch die Forderung nach Tarifverträgen laut.

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