Bericht

Airlines in Europa täuschen Kund:innen oft mit Emissionsgutschriften

Lufthansa: Irreführung bei CO2-Kompensation von Airlines © code83 on Pixabay
Lufthansa: Irreführung bei CO2-Kompensation von Airlines © code83 on Pixabay

Kurzstreckenflüge in Europa gelten schon lange als sehr klimaschädlich, denn Flugzeuge stoßen sehr hohe CO2-Emissionen aus, speziell im Vergleich mit Zügen. Fluggesellschaften wollen deshalb die negativen Auswirkungen ihrer Flüge durch Emissionshandel ausgleichen. Dabei investieren sie in umweltfreundliche Projekte, um die eigenen CO2-Ausstöße zu kompensieren. Doch europäische Airlines verkaufen Passagieren damit oft falsche Hoffnungen, so ein neuer Bericht der Nonprofit-Organisation Carbon Market Watch.

Österreichische Kurzstreckenflüge fast immer durch Bahn ersetzbar

Investitionen in fragwürdige Vorhaben

Der Kauf von Emissionsgutschriften ist zu einer beliebten Methode für Unternehmen geworden, sich von der Verantwortung für die von ihnen verursachte klimaschädliche Verschmutzung freizusprechen. Fluggesellschaften bieten ihren Kund:innen die Möglichkeit, die Kompensationsgutschriften selbst zu bezahlen, oder sie verpflichten sich, die Emissionen ihrer Flüge zu kompensieren. Mit dem Geld aus diesen Gutschriften sollen Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien oder Forstwirtschaft unterstützt werden, die verhindern, dass sich ein Teil der Kohlendioxidemissionen in der Atmosphäre ansammelt und den Planeten aufheizt.

Doch laut dem Bericht von Carbon Market Watch stecken viele Fluggesellschaften dieses Geld in höchst fragwürdige Klimaschutzprojekte, die die Emissionen möglicherweise gar nicht verringern. Acht der größten Fluggesellschaften in Europa hat die Organisation für den Bericht untersucht: easyJet, Ryanair, Lufthansa, British Airways, Air France, KLM, Wizz Air und Scandinavian Airlines (SAS). Sie kaufen der Analyse zufolge oft minderwertige Gutschriften aus problematischen Projekten und geben sie ihren Kund:innen als praktikable Lösung für den Klimaschutz aus.

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Forstprojekte oft nicht sehr nachhaltig

„Während die Fluggesellschaften nicht für ihre Umweltverschmutzung bezahlen, senden sie irreführende Signale zur Klimaneutralität an ihre Kund:innen, indem sie minderwertige Emissionszertifikate kaufen. Diese schlechte Praxis muss aufhören“, sagt Daniele Rao, ein Experte von Carbon Market Watch für die Dekarbonisierung des Luft- und Schiffsverkehrs. Fast alle untersuchten Fluggesellschaften setzten auf Forstprojekte in Entwicklungsländern, die Schwierigkeiten haben, diese Projekte langfristig zu erhalten, damit sie tatsächlich einen signifikanten Einfluss auf den Klimawandel haben können.

Die Hoffnung ist, dass Bäume aus diesen Projekten CO2 aus der Luft aufnehmen und speichern, damit es den Planeten nicht aufheizt. Doch in der Praxis ist das nicht so einfach, denn wenn diese Bäume nicht über Hunderte von Jahren am Leben erhalten und vor Bedrohungen wie Abholzung und Bränden geschützt werden, setzen sie dieses CO2 wieder frei. Außer SAS unterstützten alle analysierten Fluggesellschaften „minderwertige Kompensationsprojekte“. Und SAS ist nicht völlig unschuldig – die Fluggesellschaft hat nur nicht viele Informationen über die von ihr erworbenen Kompensationsgutschriften bereitgestellt.

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Airlines zahlen zu wenig für Gutschriften

Carbon Market Watch weist auch darauf hin, dass die untersuchten Unternehmen sehr niedrige Preise für Emissionsgutschriften gezahlt haben, die wahrscheinlich nicht die realen Kosten für die Reduzierung der CO2-Emissionen widerspiegeln. Dennoch meinen die Airlines, dass der Kampf gegen Emissionen für sie eine Priorität ist. Letzte Woche hat laut The Verge die Versammlung der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) das Ziel festgelegt, bis 2050 keine Kohlendioxidemissionen aus internationalen Flügen mehr zu verursachen.

Dieses Ziel lässt sich jedoch nur erreichen, wenn der Schwerpunkt auf der Vermeidung von Umweltverschmutzung liegt und nicht auf der Suche nach schnellen Lösungen. Vor allem, wenn es um Klimaschutzprojekte geht, die bereits eine lange Geschichte des Scheiterns haben, ist das zu wenig. Eine Untersuchung des Guardian und des Unearthed-Projekts von Greenpeace im vergangenen Jahr ergab, dass zehn von großen Fluggesellschaften unterstützte Waldkompensationsprogramme – darunter British Airways, easyJet und United Airlines – nicht genug CO2 einsparen, um die Umweltansprüche der Fluggesellschaften zu erfüllen.

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