Greenpeace-Studie

Österreichische Kurzstreckenflüge fast immer durch Bahn ersetzbar

© Pascal Meier / Unsplash
Für viele Kurzstreckenflüge gibt es Bahnalternativen, so eine neue Studie © Pascal Meier / Unsplash

Von einer Stadt in die andere fliegen, über kurze Distanzen hinweg: Das ist für Reisende bequem und zeitsparend. Doch für das Klima sind die Kurzstreckenflüge schädlicher als etwa Zugfahrten im Fernverkehr. Durchschnittlich 214 Gramm CO2/ Kilometer pro Person stößt ein Flugzeug bei einem Inlandsflug aus, so das deutsche Umweltbundesamt, zudem trägt es auch mit seinen Kondensstreifen und Stickoxiden zur Erderhitzung bei. Bei der Bahn liegt der Wert bei 29g/CO2 pro Kilometer. Während der weltweite Flugverkehr laut dem deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum mit mehr als drei Prozent zur menschengemachten Klimakrise beiträgt, denken Länder daher verstärkt darüber nach, Kurzstreckenflüge zu verbieten.

Konkrete Schritte in diese Richtung hat heuer etwa Frankreich unternommen: Inländische Kurzstreckenflüge werden verboten, wenn das Ziel innerhalb von zweieinhalb Stunden mit der Bahn zu erreichen ist. Doch auch in Österreich sind heuer Rufe lauter geworden, Kurzstreckenflüge abzuschaffen. Sp sprach sich die österreichische Umweltministern Leonore Gewessler (Die Grünen) im ORF Pressegespräch Ende April für ein Verbot für Inlandsflüge in Österreich aus. Dabei bezog sie sich auf eine Regelung für die Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA). Ist eine Strecke innerhalb von drei Stunden mit dem Zug erreichbar, soll sie nicht beflogen werden. Das gilt im Moment für die Route „Salzburg – Wien“ und dann zukünftig gegebenenfalls auch für die Verbindungen „Graz – Wien“ und „Klagenfurt – Wien“, wenn die Südbahn voraussichtlich 2028 fertig ausgebaut ist, wir berichteten. Bisher blieb es jedoch nur bei der Ankündigung.

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80 Prozent der Kurzstreckenflüge ersetzbar

Dass diese Forderung aber durchaus Relevanz für Österreich hat, zeigt sich in der regen Nutzung des Flugzeuges für vergleichsweise kurze Strecken. Laut dem Verkehrsclub Österreich (VCÖ) ist der Anteil Kurzstreckenflügen nämlich auch hierzulande hoch: 32 Prozent der Passagiere, die im Jahr 2019 vom Flughafen Wien-Schwechat abhoben, flogen ein Reiseziel an, das weniger als 800 Kilometer entfernt lag. Flüge innerhalb von Österreich verursachen laut VCÖ pro Personenkilometer rund 50 Mal mehr klimaschädliche Emissionen als die Bahn.

Das muss aber nicht sein. So zumindest das Resümee einer aktuellen Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Demnach gibt es in Österreich für 53 Prozent der dreißig meistgenutzten Kurzstreckenflüge innerhalb der EU direkte Nachtzugverbindungen. Einschließlich einiger schneller Tages- und Nachtzügen mit einmaligem Umsteigen gebe es für 80 Prozent aller österreichischen Kurzstreckenflüge eine gute Bahnalternative, so die Studie. Dabei liegt Österreich über dem EU-Durschnitt: Hier gibt es für rund 30 Prozent aller Kurzstreckenflüge Zugverbindungen unter sechs Stunden, für 18 Prozent gibt es direkte Nachtzugverbindungen.

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Flughafen Wien widerspricht

Laut der aktuellen Greenpeace-Studie ließen sich so auch große Mengen an CO2 einsparen. Fielen die dreißig meistgenutzten Flüge mit einer Strecke unter 1.500 Kilometer weg, könnte man in Österreich jährlich 1,6 Millionen Tonnen CO2 einsparen, so das Ergebnis der Studie. Europaweit würde allein der Verzicht auf Flüge, für die es einen Zug unter sechs Stunden gibt, über fünf Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Der Flughafen Wien reagierte am Mittwoch auf die Studie von Greenpeace und verwies in seiner Pressemitteilung auf eine aktuelle Eurocontrol-Studie. Demnach würden Kurzstreckenflüge in Österreich vielfach als Zubringerflüge genutzt, um Reisende zu Mittel- und Langstreckenflügen zu befördern. Diese Zubringerflüge könnten durch die Bahn nicht ersetzt werden, so die Studie, da das Angebot noch nicht ausreichend vorhanden und teuer sei. Zudem argumentieren sie, dass die Klimawirkung eines Verbots von Kurzstreckenflügen gering sei, da diese nur nur 3,8 Prozent der CO2-Emissionen in Europa ausmachen würden. Insgesamt verursachte die EU im Jahr 2019 laut Statistik rund 5,4 Mrd. Tonnen CO2. Die fünf Millionen Tonnen CO2, die hier laut Greenpeace durch das Kurzflugverbot gespart werden könnten, stellen daher nur einen kleinen Teil der europäischen CO2-Emissionen dar.

Nichtsdestotrotz werden die Inlandsflüge auf gesamteuropäischer Ebene bereits thematisiert. Der EU-Klimakommissar Frans Timmermans tendiert etwa ebenfalls zu einem Ende von Kurzstreckenflügen in Europa. Erreicht werden soll das aber durch eine höhere Attraktivität von Zugfahrten statt Verboten, wir berichteten. Bei der Frage nach einem Verzicht der Kurzstreckenflüge geht es daher vielmehr darum, den derzeit ausbaufähigen Bahnverkehr langfristig attraktiver zu machen, damit die klimafreundlicheren Zugreisen für Reisende künftig die bequemere Wahl sind.

Anmerkung der Redaktion: Ergänzung Reaktion Flughafen Wien am 27.10.2021 um 14:55 Uhr.

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