Interview

Apeiron-Exit: „Der Deal ist phänomenal für den Biotech-Standort Österreich“

Peter Llewellyn-Davies (CEO) von Apeiron. © Apeiron Biologics AG
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Es ist einer der größten Exits Österreichs und insbesondere der BioTech-Welt: Apeiron Biologics, 2003 durch den österreichischen Genetiker Josef Penninger mitgegründet, hat einen neuen Eigentümer. Ligand, ein US-Pharma-Konzern aus Kalifornien, hat sich das Wiener Unternehmen um 100 Mio. Dollar geschnappt – und investiert gleichzeitig bis zu 4 Mio. Dollar in dessen Spin-off invIOs, das an Behandlungen für Gehirntumore forscht.

Wie es zu dem Deal kam, warum kein europäischer Käufer zu finden war und warum ein Börsengang nicht funktioniert hätte, das erzählt CEO Peter Llewellyn-Davies, seines Zeichens auch Vorsitzender des Vorstands von Biotech Austria, im Interview mit Trending Topics.

Können Sie uns schildern: Warum wurde Apeiron letztendlich verkauft?

Peter Llewellyn-Davies: Apeiron gibt es schon seit 20 Jahren. Apeiron hat über die ganzen Jahre verschiedene Produkte entwickelt. Eines davon war eben Qarziba, welches 2017 auf dem europäischen Markt zugelassen wurde. Parallel dazu gab es einige frühe Projekte, die eher in der präklinischen Phase waren. Diese Projekte haben Geld gebraucht und wir haben viel mehr Geld gebraucht, als was wir Einnahmen hatten. Da habe ich angefangen, Investoren zu suchen. Es ist sehr schwer, Investoren zu finden, die eine ganze Breite von Produkten aus dem Markt wollen. Viele nehmen nur  Low Valuation Companies, also Startups mit frühen Projekten, oder aber Unternehmen in viel späteren Phasen.

Da haben wir überlegt, ob es vielleicht sinnvoll ist, die Firma in zwei separate Entitäten aufzuspalten. Auch weil über die Zeit doch einige Investoren gesagt haben, sie wollen gerne ein bisschen Geld zurückbekommen, was ja auch verständlich ist. Das war die Steilvorlage für eine Unternehmensspaltung, die wir 2021 in die Wege geleitet und 2022 umgesetzt haben. Wir haben alle frühen, innovativen Projekte in die neue Firma invIOs übertragen. Die Apeiron blieb dann als operative Einheit bestehen, im Wesentlichen mit der Einnahmen von der Lizenz. Dann sind wir angesprochen worden von diversen möglichen Käufern. Wir haben immer gesagt: wenn wir einen Käufer suchen, wollen wir einen haben, der auch die invIOs mitfinanziert.

Und da hat sich Ligand ergeben. Sie interessierten sich für den Erwerb Apeiron. Sie investieren auch in die invIOs. Ein dritter Punkt ist ein strategischer. Wir haben im Herbst bekannt gegeben, mit dem Dana-Farber Cancer Institute in Boston zu kooperieren, zur Behandlung von Glioblastom (Hirntumor, Anm.). Ligand ist auch in Boston, dadurch haben wir eine gemeinsame Win-Win-Situation.

Das Spin-off invIOs mit den Neuentwicklungen bleibt eine eigenständige Firma, oder ist diese trotzdem eine Tochter von der Ligand?

Nein, Ligand investiert vier Millionen und wird dann irgendwo zwischen 10 und 20 Prozent halten. Einfach nur als ein Finanzinvestor.

An was arbeitet diese Spin-off-Firma?

Wir arbeiten in der Krebsforschung an der Behandlung von Gehirntumoren. Da gibt es derzeit keine Behandlung, die zugelassen ist. Wir machen Zelltherapien und benutzen das körpereigene Immunsystem, um den Krebs zu besiegen. Es geht um neue, personalisierte Medizin, spezifisch auf den Patienten zugeschnittene Medizin zur Behandlung von Krebs.

Für den Standort in Österreich, wie schaut es da aus? Bleibt alles bestehen, wie es ist? Was heißt für die Mitarbeiter?

Die Mitarbeiter sind bereits 2022 in die invIOs übertragen worden, weil das ja alles Forschungsmitarbeiter sind, und die machen dort weiter. Ligand hat den Standort gestärkt durch ihr Investment. Apeiron bleibt auch in Österreich. Das ist unser Kenntnisstand. Es gibt keine Pläne, den Standort aufzugeben.

Bei Übernahmen im Biotech-Bereich hat auch die Wettbewerbsbehörde ein Wörtchen mitreden. Wie schaut es da aus?

Das wurde relativ früh in die Wege geleitet und schnell positiv abgeschlossen, weil es auch das Commitment gibt, den Standort weiter zu unterstützen.

Ligand kennt man hier wenig bis gar nicht. Für was stehen die?

Sie sind ein kleineres Pharmaunternehmen und börsennotiert. Sie haben ein beträchtliches Portfolio aufgebaut in den letzten Jahren. Eine stabile Firma, mit der man arbeiten kann. Sie haben acht Projekte mit Umsatz. Sie haben derzeit Cash von ungefähr 300 Millionen Dollar. Und sie haben noch zusätzlich 80 Projekte in der Entwicklung in der Pipeline.

Gab es noch andere Interessenten etwa aus Europa?

Es gab keine anderen Interessenten, die in der Lage waren, sowohl die Apeiron zu kaufen, wie auch in die invIOs zu investieren. Niemand sonst konnte den Preis zu bezahlen, den wir bekommen haben.

100 Millionen klingt nach viel Geld. Im Biotech-Pharma-Umfeld, wie kann man diesen Deal einschätzen?

Es ist ein großer Deal. Es ist ein relativ kleiner Markt, in dem das Produkt Qarziba vertrieben wird. Es geht um pädiatrische Neuroblastom, eine seltene Krebserkrankung, die hauptsächlich Kinder unter 12 betrifft. Deswegen sind die Jahresumsätze nicht riesig, es ist kein Blockbuster-Produkt und daher ist der Preis sehr attraktiv. Aber es ist das einzig zugelassene Produkt in Europa für diese Art der Behandlung.

Ist es ein Cash-Deal oder auch ein Share-Deal?

Ein reiner Cash-Deal.

Es gibt jetzt also ein paar Österreicher mehr mit viel Geld, das sie reinvestieren können?

Zum Beispiel, genau.

Oder anders gefragt: Was bedeutet der Exit für den Biotech-Standort Österreich?

Ich schätze den Deal als phänomenal ein. Es ist wieder ein Exit. Wir haben in den vergangenen Jahren insgesamt fünf oder sechs Biotech-Exits gehabt, die auch beträchtliche Investitionen in Österreich mit sich gezogen haben. Das ist ein Win-Win für den Standort. Es bestätigt die Stärke des wissenschaftlichen Standorts Österreich. Wir müssen mehr und mehr Unternehmer gewinnen, die nicht nur die Projekte entwickeln im universitären Umfeld, sondern auch im unternehmerischen Umfeld. Und dazu braucht es natürlich Geld.

Sie erwarten Rückflüsse ins Ökosystem?

Ja, zum einen. Aber zum anderen erhoffe ich mir dadurch, dass man mehr motiviert ist, in die Biotechnologie zu investieren.

Die Apeiron war ja schon eine Aktiengesellschaft. War ein Börsengang auch mal eine Idee?

Ja, das war eine Idee vor einigen Jahren, da war ich schon an Bord. Wir haben aber diesen Prozess mangels Interesse an Investoren aufgegeben.

In der COVID-Pandemie war Apeiron kurz im Rennen, eines der ersten Medikamente zu entwickeln. Wie lief das damals?

Aufgrund des Fortschreitens beim Impfstoff war das Interesse an der Behandlung nicht mehr so stark. Zweitens hatten wir nicht ausreichend Geld, um schnell große Schritte zu machen. Deswegen haben wir entschieden, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.

Aber damals wurden ja doch 40 MillionenEuro aufgenommen.

Ja, die haben wir für das COVID-Medikament genutzt, das ist richtig, aber auch für die anderen Projekte. Das war eine Kapitalerhöhung. Die Mittel haben wir auch benutzt, um entsprechende Studien zu machen. Wir haben Studien in Österreich gemacht, also zurück in die Infrastruktur, ins Ökosystem investiert. Es ist immer gut, wenn das Geld, das reinkommt, wieder ins System, in die Krankenhäuser fließt.

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