Österreich

Auswege aus Gas- und Klimakrise: Welche Maßnahmen NGOs vorschlagen

Die Abhängigkeit vom russischen Gas und Öl zwingt Europa, Alternativen zu finden. © Pexels
The dependence on Russian gas and oil is forcing Europe to find alternatives. © Pexels

Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen haben Österreichs bedenkliche Abhängigkeit von fossilen Energie-Importen in den Fokus gerückt. Durch die Preissteigerungen sah sich die österreichische Regierung dazu gezwungen, ein zwei Milliarden Euro schweres Energiepaket auf den Weg zu bringen, das Haushalte und Wirtschaft entlasten soll (Tech & Nature berichtete). Darin enthalten: 400 Millionen Euro für die Erhöhung der Pendlerpauschale, 150 Millionen für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder etwa 250 Millionen Euro Investitionen in Windkraft und Photovoltaik.

Programme von Umweltdachverband und WWF

Der Umweltdachverband und der WWF arbeiten jeweils ihre eigenen Programme aus, mit denen die Energiewende in Österreich vorangetrieben werden könnte. „Die aktuelle Gaskrise bietet die Chance, in Sachen naturverträgliche Energiewende Nägel mit Köpfen zu machen. Wir müssen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern beenden und Klima und Biodiversität schützen“, sagt etwa Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands.

Die Vorschläge des Umweltdachverbandes lassen sich dabei in drei Kategorien aufspalten: Ausbau von Erneuerbaren Energien, Energie sparen und klimafitten Waldumbau. Die Vorschläge des WWF betreffen die Sparten Erneuerbare Energien und Energieeinsparungen ebenfalls, die NGO fordert aber zudem noch eine schnelle Mobilitätswende.

Photovoltaik im Spagat zwischen Fachkräftemangel und ausländischen Herstellern

Ausbau von Erneuerbaren Energien als erstes Gebot

In Sachen Erneuerbarer Energien sollen Energien aus Biogas, Geothermie, Windkraft und Photovoltaik gefördert und ausgebaut werden, wobei die Priorisierung auf Photovoltaik liegen soll. So könnte in den Bauordnungen der Länder Photovoltaik verpflichtend für Neubau und Sanierungen vorgeschrieben werden, wie der Umweltdachverband vorschlägt. Der WWF fordert in Verbindung damit eine Fachkräfteoffensive, um die notwendigen Projekte umsetzen zu können. Für besonders relevante Bereiche wie zum Beispiel Photovoltaik-Installationen müsse es Ausbildungsangebote geben, die innerhalb kurzer Zeit Personalengpässe überwinden können, so der WWF.

Energie sparen und Energieeffizienzgesetz

Zudem fordert der Verband ein Sensibilisierungsprogramm für Energiesparen. Es gebe viele Möglichkeiten, den Energieverbrauch ohne Komfortverlust zu verringern, etwa durch den Beschluss und der Umsetzung eines Energieeffizienzgesetzes. Auch der WWF hakt ein und fordert ein absolutes Energiespar-Ziel ohne Ausnahmen oder Schlupflöcher. Ziel soll sein, den Energieverbrauch bis 2030 um mindestens 30 Prozent und bis 2040 um mindestens 40 Prozent gegenüber 2022 verringern.

Mehr Sanierungen und klimafreundliche Heizungen gefordert

Die thermische Sanierung des Gebäudebestandes sei jedoch der größte Hebel für die Energiewende, so der Umweltdachverband. Die Sanierungsquote soll dabei so rasch wie möglich auf 3 Prozent pro Jahr erhöht werden. Mit einer zusätzlichen Energiespar-Milliarde pro Jahr könnten laut WWF Sanierungsschecks ausgeweitet und die Umstellung auf effiziente, klimafreundliche Heizungen gefördert werden. „Neben einem Einbau-Stopp für neue Gasheizungen muss die Bundesregierung mit dem Erneuerbaren-Wärme-Gesetz rasch einen verbindlichen Rahmen für den Ausstieg aus allen bestehenden Öl- und Gasheizungen bis spätestens 2040 beschließen“, äußert sich der WWF in seiner Aussendung.

Was nützt ein Boykott von russischem Öl in Österreich?

Enormes Potenzial bei Verkehr und Forstwirtschaft

Ein enormes Verbesserungspotential ortet der WWF im Bereich Verkehr.  Dieser sei besonders stark von importiertem Erdöl abhängig. Daher müssen Bund, Länder und Gemeinden das Mobilitätssystem umgestalten und Sofort-Maßnahmen setzen. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel und einer sicheren Rad-Infrastruktur muss laut WWF absolute Priorität bekommen.

Die Klimakrise zwinge laut Umweltdachverband auch zum Kurswechsel in der Forstwirtschaft. Das Waldprogramm soll daher auf klimafitte und naturnahe Wälder ausgerichtet werden, um den Forstbestand in Österreich zu sichern.

Der WWF gibt auch noch Vorschläge zu begleitenden Programmen, die neben ihrem Energiespar-Programm 2022 rasch umgesetzt und beschleunigt werden sollten. Darin findet sich etwa die Eindämmung des Bodenverbrauchs im Land. So wurde etwa erst am Montag statistisch das Limit des jährlichen Bodenverbrauchsziels in Österreich erreicht (wir berichteten). Zudem gelte es, umweltschädliche Subventionierungen abzubauen und die CO2-Bepreisung samt Ökobonus schrittweise auszubauen. Zugleich sollten Bund und Länder ihren Einsatz gegen Energiearmut verstärken.

Langfristige Maßnahmen gefordert

„Mit unserem derzeitigen Energieverbrauch können wir weder die Klimaziele erreichen, noch eine naturverträgliche Energiewende schaffen“, warnt WWF-Energieexperte Karl Schellmann. „Das ist die Folge einer Politik, die Schlüsselbereiche wie Energiesparen und Klimaschutz lange Zeit zugunsten kurzsichtiger Profit-Interessen vernachlässigt hat“, so Schellmann. Umso wichtiger sei es jetzt, mit einem klugen Mix aus rasch wirksamen sowie langfristigen Maßnahmen den fossilen Energieverbrauch massiv einzudämmen und gleichzeitig die Erneuerbaren Energien anhand von Naturschutz-Kriterien auszubauen.

 

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