Umrüstung nötig

Bidirektionales Laden: Stadt Utrecht nutzt Elektroautos als Energiespeicher

© We Drive Solar
© We Drive Solar

Eine der größten Herausforderungen bei der Kommerzialisierung von Erneuerbaren Energien ist die oft unberechenbare Natur von Stromquellen wie Wind oder der Sonne. Laut dem deutschen Wirtschaftsministerium muss das Stromsystem angesichts des wachsenden Anteils der schwankenden Erneuerbaren Energien flexibler werden, damit die System- und Versorgungssicherheit weiterhin gewährleistet bleibt. Stromspeicher können demnach für einen Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch sorgen. In Zeiten mit viel Wind können sie etwa Strom aufnehmen, den sie in Zeiten von Windflauten und bedecktem Himmel in das Netz einspeisen können. Der Haken: Es fehlt bisher noch an effizienten Lösungen, die Energie zu speichern. Die niederländische Stadt Utrecht dachte sich: Immer mehr Menschen steigen in Zukunft auf Elektroautos um. Warum diese nicht gleichzeitig als Speicherinfrastruktur nutzen? In Zusammenarbeit mit dem Infrastrukturanbieter We Drive Solar setzt die Stadt auf das sogenannte „bidirektionale“ Laden, mit der sich die Batterien von Elektroautos als Energiespeicher für Gebäude & Co. nutzen lassen, wie etwa das Magazin Fast Company berichtete.

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Bidirektionale Ladestellen

In Utrecht sieht das so aus: Auf einem weitläufigen Sonnendach über einem Parkplatz, der ansässigen Versicherungsgesellschaft a.s.r. gehört, befinden sich mehr als 2.000 Solarpaneele. Und unter diesem Dach stehen 250 bidirektionale Ladegeräte für Elektroautos. Ihre Funktionsweise ist simpel: Die Paneele liefern bei Sonnenschein sowohl Strom für das angrenzende Bürogebäude als auch für die geparkten Autos. Wenn es dunkel ist, schalten die Batterien der Autos um und senden Energie an das Gebäude, sodass dieses weiterhin mit Solarstrom betrieben werden kann, während eine Software den Energiebedarf steuert. So wird Strom bidirektional, also in beide Richtungen übertragen.

So tragen die geparkten Autos dazu bei, Solarstrom für das Stromnetz zu speichern. Gleichzeitig soll das Stromnetz entlastet werden. Aufgebaut wurde der Ladeplatz vom Infrastruktur- und Carsharing-Anbieter We Drive Solar, der die bidirektionalen Ladestationen stärker verbreiten will. Das als Projekt gestartete Unternehmen wurde 2015 als Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen LomboXnet, Elaad, Renault und Last Mile Solutions ins Leben gerufen. Schon im selben Jahr installierte We Drive Solar im Utrechter Stadtteil Lombok die ersten Stationen dieser Art. Dort sind 25 Car-Sharing-Fahrzeuge von We Drive Solar im Einsatz, die über die PV-Dachanlagen im Viertel geladen werden und den aufgenommenen Strom wieder ins Netz einspeisen können.

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E-Autos noch nicht für Technologie ausgelegt

Laut We Drive Solar ist Utrecht die erste niederländische Gemeinde, die sich dafür entschieden hat, die neuartige Infrastruktur im großen Stil umzusetzen. In der Stadt sollen laut dem Unternehmen mindestens 145 bidirektionale Ladepunkte installiert werden. Doch obwohl die Technologie prinzipiell funktioniert, gibt es noch große Hürden zu überwinden.

Im Gegensatz zu den eigenen Carsharing-Autos von We Drive Solar, sind gängige Elektroautos noch nicht in der Lage, auf Befehl Strom ins Netz oder in ein Gebäude zurückzuspeisen. Heißt: Das System kann die Stadt nur dann großflächig mit Strom versorgen, wenn die Technologie auch in vielen Fahrzeugen integriert ist. We Drive Solar arbeitet laut Fast Company daher bereits mit mehreren Automobilkonzernen zusammen, die die Technologie bald einführen werden. Ein Modell von Hyundai, der das bidirektionale Laden unterstützt, soll etwa 2022 auf den Markt kommen. Utrecht plant, 150 dieser Autos als öffentliche Carsharing-Flotte einzusetzen.

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10.000 Elektroautos decken Strombedarf

Das Potenzial für die städtische Stromversorgung ist jedoch groß: Die Universität Utrecht hat laut Fast Company errechnet, dass mit 10.000 Elektroautos, die für bidirektionales Laden entwickelt sind, der gesamte Strombedarf der Stadt ausgeglichen werden kann. Das sind weniger als 10 Prozent des derzeitigen Fuhrparks der Stadt  und die Zahl der Elektroautos nimmt rasch zu. Zudem planen die Niederlande, den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge ab 2030 zu verbieten, was diese Entwicklung weiter verstärkt.

In Utrecht sind Elektroautos nur ein Teil der Strategie zur Dekarbonisierung. Die Stadt verfügt über das größte Fahrradparkhaus der Welt, ein weit ausgebautes Radwegenetze der Welt und plant ein neues autofreies Stadtviertel für 20.000 Menschen. Die Stadt geht laut Fast Company nicht davon aus, dass die Autos völlig verschwinden werden. Doch in den 95 Prozent der Zeit, in denen sie geparkt sind und nicht benutzt werden, können sie mit bidirektionalem Laden zumindest besser genutzt werden.

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