Rückblick

Wiener Börse: Starkes IPO-Jahr, aber Aktienumsätze bei minus 11 Prozent

Eingang der Wiener Börse. © Wiener Börse
Eingang der Wiener Börse. © Wiener Börse

Die Wiener Börse hat ein starkes Jahr hinter sich – zumindest, was IPOs angeht. Dieses Jahr debütierten drei Unternehmen im Top-Segment prime market, und zwar wie berichtet Marinomed am 1. Februar, Frequentis Mitte Mai und dann die Addiko Bank im Juli. Mit dem Börsengang von Marinomed lieferte die Wiener Börse sogar den ersten IPO in Europa in diesem Jahr. Für die Wiener Börse ist es somit das stärkste IPO-Jahr seit 2007.

Neben den Debüts im prime market hat sich auch noch einiges getan: RHI Magnesita notiert seit März wieder im standard market, und im KMU-Segment direct market plus (a.k.a. Dritter Markt) listeten vier Unternehmen: startup300 AG, Eyemaxx Real Estate, VST Building Technologies und die Wolftank-Adisa Holding. Und: Der heimische Leitindex ATX liegt inklusive Dividenden per 13. Dezember bei plus 19,77 Prozent.

Doch die Aktienumsätze haben sich negativ entwickelt. Die Wiener Börse verzeichnet per 13. Dezember Aktienumsätze von 59,90 Milliarden Euro, das entspricht einem Rückgang von minus 11,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2018: 67,69 Milliarden Euro). „Wir als Börsenunternehmen selbst konnten die geringeren Handelseinnahmen gut durch Wachstum in anderen Geschäftsbereichen ausgleichen, sodass wir die Jahresplanung exakt erreicht haben“, so Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, in einer Aussendung.

Börsenumsätze erleiden Dämpfer

Die rückläufigen Aktienumsätze sollen einer europaweiten Entwicklung geschuldet sein. Von Jänner bis Oktober machten die Umsatzeinbußen der Londoner Börse minus 18,1 Prozent, der Deutsche Börse minus 13,3 Prozent und von Euronext minus 8,9 Prozent aus. „Die Börsenumsätze erlitten europaweit einen Dämpfer, liegen in Wien jedoch stabil am 5-Jahres-Durchschnitt“, heißt es seitens Boschan. Grund sind der drohende Brexit, die Handelskonflikte zwischen den USA und China und der zu Ende gehenden Konjunkturzyklus, die die Stimmung an den Exchanges drücken.

Die Umsatzrückgänge bei Aktien hätte der Börsenbetreiber durch Wachstum bei IT-Services, Marktdaten und dem Anleihen-Listing-Geschäft kompensieren können. Für 2020 hat Börsenchef Boschan auch einige Wünsche an die kommende Regierung: „Für Wachstum und Beschäftigung sollte die Regierung rasch dort anknüpfen, wo die Arbeit leider viel zu lange unterbrochen werden musste: Konsequente Körperschafts- und Kapitalertragssteuerreform, sowie wirtschaftliche Bildung für Jedermann. Wir brauchen mehr Inklusion, nicht nur eine kleine Finanzelite, sondern alle Österreicher sollten befähigt werden am Unternehmenserfolg teilzuhaben.“

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