Abschlusserklärung

COP27: Eher „Highway zur Klimahölle“ als Ausstieg aus den Fossilen

Proteste auf der COP27-Konferenz. © UNclimatechange (CC BY-NC-SA 2.0)
Proteste auf der COP27-Konferenz. © UNclimatechange (CC BY-NC-SA 2.0)

Eigentlich läuft die UN-Klimakonferenz COP27 offiziell nur mehr bis morgen, Freitag – aber eine gewichtige Abschlusserklärung mit klaren Ansagen liegt offenbar noch in weiter Ferne. Zwar wurde heute, Donnerstag, das so genannte Non-Paper als Vorschlag für die Abschlusserklärung vorgelegt; nur finden sich darin wenig konkrete Ansagen. Was Umweltschützer:innen, die vor Ort im ägyptischen Scharm El-Scheich besonders bitter aufstößt: Es ist kein Entschluss für den Ausstieg aus sämtlichen fossilen Brennstoffen, also Kohle, Öl und Gas, zu finden.

Der Leiter der EU-Klimapolitik, Frans Timmermans, sagte am Donnerstag vielmehr, dass der Text „noch sehr viel Arbeit erfordert“. Wie jede:r nachlesen kann, gibt es an vielen Stellen des Vorschlags noch zahlreiche Platzhalter für relevante Ergebnisse der laufenden Verhandlungen. Und das in einer Situation, wo die Welt nicht auf dem Weg ist, das wichtige 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sondern eher auf 2,7 Grad Erderwärmung bis zu Jahr 2100 zusteuert (Trending Topics berichtete).

Dass das 1,5-Grad-Ziel wackelt, ist auch in dem Text zulesen. Da heißt es nämlich bereits, dass man den „Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau zu halten“ versuche und „die Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau fortzusetzen“ gedenke.

Wir wollten das 1,5 Grad-Ziel erreichen. Derzeit sieht es eher nach 2,7 Grad aus.

Enorme Kosten für den Fossil-Ausstieg

Dementsprechend lautstark äußerten sich Aktivist:innen am Mittwoch vor Ort mit erneuten Forderungen nach Systemwechsel und Ende der Fossilen. Der Leiter der Cop27-Delegation von Greenpeace International, Yeb Saño, sagte zu dem vorliegenden Vorschlag: „Die Cop27-Präsidentschaft drückt auf dem Highway zur Klimahölle aufs Gaspedal.“

Immerhin wird bei Durchsicht des unvollständigen Vorschlags klar, dass es ein Verständnis der etwa 200 teilnehmenden Staaten bezüglich der enorm hohen Kosten für den Ausbau Erneuerbarer Energiequellen gibt. Diese werden bis 2030 mit 4 Billionen Dollar an Investitionen in Technologien und Infrastruktur (Solar-Farmen, Windkraft usw.) beziffert, nur so könne man das Net-Zero-Ziel bis 2050 schaffen. Eine globale „Low-Carbon“-Wirtschaft wird kostentechnisch auf 4 bis 6 Billionen Dollar pro Jahr geschätzt.

COP27: Carbon Capture wird zum Feigenblatt der Fossilindustrie

„Bedauern“ über das Verhalten der Industrieländer

Was aber fehlt, ist ein Bekenntnis zu einem eigenen Klima-Fonds, über den vor allem die Länder des globalen Südens für die Klimaschäden- und -Verluste entschädigt werden, die vor allem die Industriestaaten durch ihre Emissionen verursacht haben. Einzelne Länder wie Österreich (50 Millionen Euro) sind mit Ankündigungen zu Entschädigungszahlungen vorgeprescht, doch eine durchgehende Linie gibt es nicht. Stattdessen wollen die Staaten nur ihr Bedauern ausdrücken, dass die Industrieländer, die finanziell und technologisch am ehesten in der Lage sind, bei der Reduzierung ihrer Emissionen eine Führungsrolle zu übernehmen, dies „weiterhin nicht tun und sich unzureichende und wenig ehrgeizige Ziele setzen, um bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen“. Währenddessen würden sie „weiterhin Emissionen verursachen und das globale CO2-Budget unverhältnismäßig stark beanspruchen“.

Klar ist auch, dass bereits bisher nicht genug Geld ausgegeben wurde. Das wird im Vorschlag der Abschlusserklärung festgehalten: „Die globale Klimafinanzierung im Zeitraum 2019-2020 wurde auf 803 Mrd. USD geschätzt. Dieser Betrag entspricht 31 bis 32 % der jährlichen Investitionen, die erforderlich sind, um den globalen Temperaturanstieg auf einen Pfad von deutlich unter 2 °C oder 1,5 °C zu bringen“. Nun bleibt abzuwarten, ob sich die Verhandler:innen doch noch auf eine gewichtige Abschlusserklärung einigen können.

Klimakonferenz COP27: Das große Bangen ums 1,5-Grad-Ziel

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