Ägypten

Klimakonferenz COP27: Das große Bangen ums 1,5-Grad-Ziel

© COP27
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Am heutigen Sonntag hat die 27. Weltklimakonferenz (COP27) in der ägyptischen Touristendestination Scharm al-Scheich begonnen. Nachdem bereits 2021 die Ergebnisse durchwachsen waren – da wurde lediglich der Abbau, aber nicht der Ausstieg bei der Kohlenutzung beschlossen -, sind auch dieses Jahr die Erwartungen keine großen. Bereits im Vorfeld regte Klimaaktivist:innen auf, dass Coca-Cola Sponsor wurde, und dass das Gastgeberland Ägypten keinen unbedingt langen Track Record in Sachen korrekter Behandlung von Aktivist:innen hat (Trending Topics berichtete).

Im Vorfeld der COP27 soll es bereits zu 300 Festnahmen im Zusammenhang mit Protesten gekommen sein. Greta Thunberg etwa sagte ihre Teilnahme an der COP27 bereits ab. Immerhin entsenden etwa 200 Staaten sowie eine ganze Reihe von NGOs (darunter Greenpeace, WWF, Südwind, Vier Pfoten) ihre Vertreter:innen nach Ägypten, um vielleicht doch noch den großen Wurf zu erzielen. Aus Österreich nehmen Bundespräsident Alexander van der Bellen, Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) teil.

Mit Lula und 4 großen Zielen

Der erste große Lichtblick wird der frisch gewählte brasilianische Präsident Lula da Silva sein, der kurzfristig für die Teilnahme zusagte. Er folgt dem Klimawandel-Leugner Bolsonaro und hat bereits angekündigt, die Abholzung des Amazonas-Waldes bekämpfen zu wollen.

Generell hat die COP27 folgende 4 Ziele:

  • Abschwächung des Klimawandels: „Wir müssen uns zusammentun, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen und hart daran arbeiten, das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Die COP27 wird für die Länder die Gelegenheit sein, ihre Zusagen und Verpflichtungen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens zu erfüllen und die Umsetzung des Übereinkommens zu verbessern“, heißt es in der Formulierung der Ziele der Konferenz
  • Anpassung: „Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbrände sind zu einer alltäglichen Realität in unserem Leben geworden. Das globale Ziel zur Anpassung an den Klimawandel war eines der wichtigsten Ergebnisse der COP26. Wir müssen dafür sorgen, dass auf der COP27 die dringend benötigten Fortschritte erzielt werden, und alle Parteien auffordern, den notwendigen politischen Willen zu zeigen, wenn wir unsere Fortschritte bei der Stärkung der Widerstandsfähigkeit erfassen und bewerten und die am stärksten gefährdeten Gemeinschaften unterstützen wollen.“
  • Finanzierung: „Die Angemessenheit und Vorhersehbarkeit der Klimafinanzierung ist der Schlüssel zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens. Zu diesem Zweck müssen die Transparenz der Finanzströme erhöht und der Zugang erleichtert werden, um den Bedürfnissen der Entwicklungsländer, insbesondere Afrikas, der am wenigsten entwickelten Länder und der SIDS (Small Island Development States), gerecht zu werden. Bestehende Verpflichtungen und Zusagen, die von Kopenhagen und Cancun über Paris bis Glasgow angekündigt wurden, müssen weiterverfolgt werden, um Klarheit darüber zu schaffen, wo wir stehen und was noch getan werden muss. Fortschritte bei der Bereitstellung der jährlichen 100 Mrd. US-Dollar werden das Vertrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern stärken und zeigen, dass die Verpflichtungen tatsächlich eingehalten werden.
  • Zusammenarbeit: „Regierungen, der Privatsektor und die Zivilgesellschaft müssen zusammenarbeiten, um die Art und Weise, wie wir mit unserem Planeten umgehen, zu verändern. Wir müssen neue Lösungen und Innovationen einführen, die dazu beitragen, die negativen Auswirkungen des Klimawandels abzumildern. Wir müssen auch alle anderen klimafreundlichen Lösungen replizieren und schnell auf die Entwicklungsländer ausweiten.“

Greenwashing-Vorwürfe vor großer Klimakonferenz COP27 in Ägypten

Es geht auch um Milliarden Dollar für den globalen Süden

Weil das 1,5-Grad-Ziel bereits für viele unrealistisch erscheint, setzt man nun vor allem daran, dass 2-Grad-Ziel machbar zu machen. Es bedeutet konkret, dass sich die Welt bis zum Jahr 2100 im Durchschnitt nur um 2 Grad Celsius im Vergleich zu 1850 erwärmen soll – also seit dem Beginn der Industrialisierung. Was wenig erscheint, würde im Jahr 2100 bedeuten, dass in Folge der Erderhitzung das nach draußen gehen tödlich sein kann und dass es zu großen Lebensmittelknappheiten kommen wird. Macht die Menschheit aber so weiter wie bisher, werden wird bis 2100 bei mehr als +3 Grad landen. Das würde etwa Dürren und Hungersnöte für Milliarden von Menschen bedeuten.

Vor der Konferenz warnte UNO-Generalsekretär Antonio Guterres bereits, dass das 1,5-Grad-Ziel „auf der Intensivstation“ liege und damit „stark gefährdet“ sei. Deswegen wird auf der Konferenz darum gerungen, die Staaten zu stärkeren CO2-Einsparungen zu verpflichten.

COP27-Klimagipfel: Empörung über Coca-Cola-Sponsorship

Anpassung statt Bekämpfung

Interessant ist auch, dass das Thema Klima-Anpassung („Adaptation“) immer mehr in den Vordergrund rückt. Es bedeutet, dass man die Erderwärmung akzeptiert und, anstatt nur gegen die Erhitzung zu kämpfen, sich schon mal darauf einrichtet, dass es einfach wärmer werden wird. Es wird deswegen verstärkt nach Lösungen gesucht, die helfen, besser mit Phänomenen wie Hitzewellen, Überschwemmungen und Waldbränden umgehen zu können. So hat etwa Bill Gates, einer der wichtigsten Bekämpfer des Klimawandels, seinen Fonds Breakthrough Energy Ventures (BEV) angewiesen, künftig vor allem in Climate Adaptation zu investieren.

Und außerdem wird es auf der COP27 auch wieder um sehr viel Geld gehen. Denn die am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder sind jene des globalen Südens, während die Industriestaaten in der nördlichen Hemisphäre überproportional stark für die CO2-Emissionen verantwortlich sind. Bereits 2009 haben die reichsten Länder der Welt versprochen, dass sie jährlich 100 Milliarden Dollar den am meisten gefährdeten Staaten geben würden, damit diese in ihre Anpassung an die Klimakrise und in die Umstellung ihrer Energiesysteme auf nachhaltigere Quellen finanzieren können. Allerdings wurden bisher nur 83 Milliarden Dollar gezahlt.

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