McKinsey-Report

Energiewende gewinnt an Tempo, kann aber nicht schnell genug gehen

Die Energiewende zieht an, aber das Tempo lässt noch zu wünschen übrig. © Jim McDowall / Alamy Stock Photo

Die Energiewende nimmt weltweit immer mehr Fahrt auf. Laut einer Studie der Unternehmensberatungsfirma McKinsey & Company werden Erneuerbare Energien und Dekarbonisierungstechnologien voraussichtlich fast das gesamte Investitionswachstum im Energiesektor ausmachen. Die Nachfrage nach Öl wird demnach zwischen 2024 und 2027 ihren Höhepunkt erreichen.

Der Report „Global Energy Perspective 2022“ von McKinsey zeichnet ein optimistisches Bild, was das Wachstum im Sektor der Erneuerbaren Energien angeht. Die Kosten für Solarenergie hätten sich laut Report seit 2017 halbiert, für Windenergie sind sie um ein Drittel gesunken. Bereits heute seien 61 Prozent der neu installierten erneuerbaren Kapazitäten preiswerter als die fossilen Alternativen. Auch die Batteriekosten hätten sich in den letzten vier Jahren nahezu halbiert

Report arbeitete 5 Klimaszenarien aus

Für die Analyse wertet die Unternehmensberatung regelmäßig Daten von 55 Industriesektoren und über 70 Energieprodukten in 146 Ländern aus. Dabei wurden fünf Szenarien ausgearbeitet, die unterschiedliche Technologiefortschritte und politische Maßnahmen bis 2050 berücksichtigen. Die Berechnungen wurden vor Ausbruch des Kriegs in der Ukraine im Zeitraum von August 2021 bis Februar 2022 durchgeführt. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine wurden daher nicht berücksichtigt.

Mit einer CO2-Bepreisung lasse sich laut McKinsey die Energiewende gut steuern. © McKinsey
Mit einer CO2-Bepreisung lasse sich laut McKinsey die Energiewende gut steuern. © McKinsey

Doch trotz des prognostizierten Wachstums an Erneuerbaren Energien reiche das Tempo immer noch nicht aus, um das angestrebte 1,5 Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Selbst mit den aktuellen Klimaplänen jener 64 Länder, die mehr als 89 Prozent der weltweiten Emissionen abdecken, könnte die globale Erwärmung bis 2100 je nach Szenario voraussichtlich 1,7 bis 2,4 Grad Celsius betragen, so die Ergebnisse der Studie.

Eine kürzlich im Fachblatt „Nature“ erschienene Studie der internationalen Forschungsgruppe rund um Malte Meinshausen von der australischen University of Melbourne hat alle bisher zugesagten Einsparungen von Treibhausgasemissionen von Staaten und Regierungen untersucht und kam zum Schluss, sollten diese sowohl im Umfang, als auch in der zeitlichen Planung eingehalten werden, kann die Erderwärmung auf knapp unter zwei Grad begrenzt werden. Dabei bezogen die Forschenden auch die aktuellen Zielzusagen von Staaten und Regierungen, welche im Rahmen der Weltklimakonferenz in Glasgow im November 2021 getätigt wurden mit ein. Mit dem Ergebnis: Auf 1,9 bis 2 Grad könnte die Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts mit den bisherigen Zielsetzungen bestenfalls begrenzt werden.

Die prognostizierten Szenarien: Selbst wenn alle politischen Pläne umgesetzt werden, liege die Erderwärmung 2050 bei 1,7 Grad. © McKinsey
Die prognostizierten Szenarien: Selbst wenn alle politischen Pläne umgesetzt werden, liege die Erderwärmung 2050 bei 1,7 Grad. © McKinsey

Um die globalen Netto-Null-Ziele zu erreichen, fordert McKinsey nun eine Beschleunigung der Energiewende. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung könnte sich laut Untersuchung bis 2035 verdoppeln. „Die weltweite Ölnachfrage wird bereits in den nächsten zwei bis fünf Jahren ihren Höhepunkt erreichen, was vor allem auf die Verbreitung von Elektrofahrzeugen zurückzuführen ist“, erläutert Alexander Weiss, Senior Partner aus dem Berliner Büro von McKinsey & Company. Die Nachfrage nach Kohle hat ihren Höhepunkt bereits 2020 erreicht. Demgegenüber wird die globale Nachfrage nach Gas noch um mindestens weitere 10 bis 15 Jahre steigen – um rund 10 Prozent, so die Studie. Auch wenn es regional Unterschiede geben wird.

Erneuerbare Energien: Anstieg bis 2030 um 50 Prozent

Die Stromnachfrage wird sich bis 2050 voraussichtlich verdreifachen, da verschiedene fossile Energieanwendungen elektrifiziert werden. Trotz einer Verdoppelung des Weltwirtschaftswachstums und eines erwarteten Bevölkerungsanstiegs von 2 Milliarden Menschen bis 2050 würde der insgesamt Energieverbrauch sich nur um 15 Prozent erhöhen. Dies ist vor allem auf Fortschritte bei der Energieeffizienz in Gebäuden, im Verkehr und in der Industrie zurückzuführen.

2-Grad-Ziel kann erreicht werden – wenn alle einhalten, was versprochen wurde

Erneuerbare Energien werden bis 2050 um das Dreifache wachsen und bereits 2030 rund 50 Prozent der weltweiten Stromerzeugung ausmachen. 2050 wird laut der Studie rund 80-90 Prozent des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien gedeckt. Gleichzeitig wird die Wasserstoffnachfrage bis 2050 um das Vier- bis Sechsfache steigen. Gebraucht wird der Wasserstoff vor allem im Straßenverkehr, in der Schiff- und in der Luftfahrt. Der Anteil von Wasserstoff und daraus gewonnenen Kraftstoffen wird von rund 1 Prozent bis auf rund 10 Prozent des weltweiten Endenergieverbrauchs steigen.

Rolle von Carbon Capture noch ungewiss

Die Studie zeigt zudem: Um weltweit die angestrebten Netto-Null-Ziele zu erreichen, muss der Einsatz von CCUS (Carbon Capture Utilization and Storage, Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlenstoff) bis 2050 um das 120-fache steigen. Allerdings weisen die McKinsey-Autor:innen auf die aktuelle Unsicherheit hinsichtlich der Rentabilität hin, da die in den unterschiedlichen Szenarien angenommenen Kohlendioxidpreise nicht ausreichen, um CCUS allein zu skalieren.

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