Porträt

Enspired: An den Schalthebeln der Stromzukunft

© David Visnjic
© David Visnjic

Künstliche Intelligenz, die sich um die Flexibilität von Stromanlagen kümmert – so lässt sich das Produkt von Enspired aus Wien in einem Satz zusammenfassen. Das Startup unterstützt Kund:innen dabei, Flexibilität aus ihren Stromanlagen am kurzfristigen Strommarkt anzubieten und so mehr Einnahmen zu generieren. Das Thema ist beliebt: Mit Solmate und Ourpower haben sich zwei weitere heimische Startups – in anderer Form – dem Energiewandel verschrieben.

Vermarktung als Dienstleistung

„Ein stetig wachsender Anteil an erneuerbaren Energien ist integraler Bestandteil der Energiewende, stellt aber große Herausforderungen an die Stabilität unserer Stromnetze. Die Stromerzeugung aus Sonne und Wind ist stark wetterabhängig und damit nur schwer vorherzusagen. Hier kommt Flexibilität, also die Fähigkeit des Netzes, Erzeugung und Verbrauch auszugleichen, ins Spiel“, erklärt Jürgen Mayerhofer, Gründer und CEO von Enspired, das Geschäftsmodell. Enspired vermarktet flexible Erzeugungsanlagen der Kund:innen, etwa Kraftwerke oder Batteriespeicher, als Dienstleistung auf kurzfristigen Strommärkten.

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Die Enspired-KI

Diese kurzfristigen Strommärkte haben sich zu schnell wachsenden und volatilen Märkten entwickelt, erklärt Mayerhofer weiter. Darum würden sie „intensive Datennutzung, vollautomatische Prozesse und Modelle erfordern, die die steigende Komplexität bewältigen können“. Hier kommt das Startup ins Spiel: Enspired setzt auf künstliche Intelligenz (KI) und modernste Technologie, um Handelsentscheidungen „innerhalb von Millisekunden“ zu treffen und auszuführen. „Kurz gesagt vermeiden wir mit unserer Dienstleistung und dem Einsatz von KI, dass das Stromnetz einen Stress bekommt und so mehr konventionelle, umweltschädliche Kraftwerke hochgefahren werden müssen“, fasst Mayerhofer zusammen.

„Zentrale Herausforderung der Energiewende“

Die Energiewende war auch der ausschlaggebende Grund für die Gründung, erzählt er weiter: „Wir haben Enspired gegründet, um eine zentrale Herausforderung der Energiewende zu lösen – die Flexibilisierung der Stromnetze. In den Jahren vor Enspired durften wir mit vielen großen europäischen Energieunternehmen zusammenarbeiten und haben festgestellt, dass deren Fokus vorwiegend auf dem Ausbau und der Vermarktung von erneuerbarer Stromerzeugung durch Wind und Solar galt.“
Bei Wind und Solar treten, bedingt durch Wettereinflüsse, allerdings Abweichungen bei der zu erwartenden Erzeugung sehr kurzfristig auf, „einige Stunden bis Minuten vor der tatsächlichen Stromlieferung“, erklärt Jürgen Mayerhofer. Damit das Stromnetz im Gleichgewicht bleibt, müssen Stromerzeuger, Stromverbraucher oder auch Stromspeicher diese Abweichungen kurzfristig ausgleichen. „Diese Aufgabe ist technologisch sehr anspruchsvoll und ist von mittleren und kleineren Unternehmen kaum selbstständig zu bewältigen. Mit Enspired bieten wir Unternehmen aller Größen Zugang zum kurzfristigen Strommarkt und unterstützen bei der kommerziellen Optimierung von flexiblen Anlagen.“ So soll letztlich auch der rasche Ausbau von erneuerbaren Energiequellen gewährleistet werden.

Deutlich mehr Gewinn

Und wer profitiert letztlich von der KI von Enspired? „Unsere Dienstleistung richtet sich an Betreiber von flexiblen Stromanlagen. Das reicht von Energieversorgern in ganz Europa, Betreibern von Windfarmen bis hin zur energieintensiven Industrie. In a nutshell: alle Unternehmen, die flexible Anlagen zur Erzeugung, zum Verbrauch oder zur Speicherung von Strom besitzen.“ Profitieren würden die Kund:innen in den Bereichen Gewinnmaximierung, Mayerhofer erzählt von rund 30 Prozent Steigerung im Schnitt, Emissionsreduktion und Transparenz.

Gründung 2020

An die Gründung erinnert sich Jürgen Mayerhofer gerne zurück – wenngleich nicht alles perfekt lief. Enspired entstand 2020 gemeinsam mit Wolfgang Eichberger (CTO) und Mario Schmoltzi (CCO). Mut macht sich bezahlt, erzählt Mayerhofer: „Ich denke, wir haben sehr viele Dinge richtig gemacht, etwa sofort nach Gründung mit einem ersten Offering potenzielle Kund:innen kontaktiert, um deren Feedback einzuholen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch nicht eine Zeile programmiert. So könnt ihr vermeiden, etwas zu bauen, was zwar cool ist, aber niemand braucht.“
Fehler habe man aber auch gemacht: „Könnte ich noch einmal etwas ändern, dann hätte ich gleich zu Beginn jemanden für Sales an Bord geholt. Kurz nach der Gründung ist es sehr wertvoll, möglichst viele Rückmeldungen direkt von potentiellen Kund:innen zu bekommen, um dementsprechend die strategische Ausrichtung, den Service oder auch das Geschäftsmodell nachzuschärfen. Sobald die Nachfrage anzieht, wird man aber schnell zum Engpass. Kommt wie in unserem Falle noch eine Finanzierungsrunde ins Spiel, verliert man sehr schnell an Geschwindigkeit im Vertrieb.“ Startups hätten es generell nicht immer ganz leicht: „Als Startup bekommt ihr nicht mal zwei iPhones, ohne eine Kaution zu hinterlegen“, grinst Mayerhofer.

Mehr Öffentlichkeit

Im vergangenen Jahr konnte sich Enspired dann nach Jahren der Mühen belohnen – mit dem Sieg beim Finale der #glaubandich-Challenge. Mayerhofer blickt heute noch zufrieden zurück: „Der wichtigste Mehrwert, den ein Wettbewerb wie die #glaubandich-Challenge bietet, ist es in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Das bedeutet einerseits seine Marke und den Bekanntheitsgrad weiter ausbauen zu können und andererseits die Glaubwürdigkeit des Produktes bzw. Services von extern validiert zu bekommen. Erwähnungen in der Fachpresse und die Chance auf Preisgeld sind natürlich angenehme Nebeneffekte.“
Damit aber nicht genug: „Es entstehen Möglichkeiten sein Netzwerk auszubauen und am Radar potenzieller Kooperationspartner und Kunden aufzutauchen. In unserem Fall gab es auch einige sehr gute Bewerbungen mit Referenz auf die #glaubandich-Challenge sowie viel Aufmerksamkeit und Anerkennung von interessierten Familienmitgliedern, Verwandten, Freunden und Nachbarn.“

Große Ziele

Die Ziele für die nächsten Jahre sind entsprechend hoch gesteckt: „Wir planen die Expansion in alle wichtigen europäischen Märkte. In den Jahren 2022 und 2023 werden wir unserer Dienstleistung auf zehn weitere europäischen Länder ausrollen und etwa 80 bis 100 Mitarbeiter:innen beschäftigen. Weiteres werden wir die Expansion in einen ersten Markt außerhalb Europas für das Jahr 2024 vorbereiten. Wir werden unser Produkt weiterentwickeln und die Ressourcen im Bereich der KI-Forschung deutlich erhöhen. Unsere Vision wird aber auch in den nächsten Jahren die gleiche bleiben: den Energiemarkt durch Technologie zu revolutionieren und die Energiewende voranzutreiben!“

Heimische Energie-­Startups auf dem ­Vormarsch

Zwei weitere Startups dürfen nicht fehlen, wenn es um die Energiewende geht.

Das Grazer Startup Efficient Energy Technology (EET) baut die Solarstromanlage Solmate für den Balkon. Bereits 2018 hat das Startup es ins Finale der #glaubandich-Challenge geschafft und damals den insgesamt dritten Platz einzufahren. Seither ist viel passiert. EET, ein Spin-off der TU Graz, ging im Dezember 2016 an den Start. Die Gründer Stephan Weinberger, Christoph Grimmer und Florian Gebetsroither formulierten schon damals ihr Ziel: „Aktuell werden Photovoltaik-Anlagen und kombinierte Speicherlösungen nur in wesentlich größerem Maßstab angeboten. Grund dafür sind die kostspielige individuelle Planung und Installation“, sagte Mastermind Grimmer damals. Solmate ermöglicht es mittlerweile in verschiedenen Versionen, per Plug & Play zuhause selbst Strom fürs Eigenheim zu erzeugen.

OurPower wiederum ermöglicht es den Kund:innen, grüne Energie direkt von Teilnehmenden oder an andere Teilnehmende zu kaufen bzw. zu verkaufen. Produziert die eigene Photovoltaik-Anlage etwa zu viel Strom, kann dieser auf dem Marktplatz von Ourpower angeboten werden. Auf der Homepage lassen sich Verkäufer:innen einfach über die Postleitzahl suchen. Auch eine etwaige Anfrage lässt sich so direkt stellen. „Unsere Vision ist eine Welt, in der Menschen verantwortungsvoll mit Energie umgehen und Strom zu 100 % direkt aus regionalen Erneuerbaren Energiequellen beziehen“, erklären die Gründer rund um Ulfert Höhne.

Foto: David Visnjic

Diese Story stammt aus dem Gründer:innen-Guide 2022. Der ist hier kostenlos als Download abrufbar.

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