Michael Hollauf

Gründer der Woche: Vom jahrelangen Alleingang zum Mega-Investment

Meister-Mitgründer Michael Hollauf © Meister
Meister-Mitgründer Michael Hollauf © Meister

Diese Woche hat das Wiener Software-Unternehmen Meister (oder Meister Labs) mit dem norwegischen Wachstumsfinanzierer Verdane erstmals einen großen Investor gewonnen, der insgesamt 44 Millionen Euro (52 Mio. Dollar) in die Firma steckt (Trending Topics berichtete). Dabei haben CEO Michael Hollauf und sein Mitgründer Till Vollmer Meister bereits im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Nach einem Angel Investment im Jahr 2008 hat sich das Unternehmen jahrelang fast im Alleingang durchgeschlagen und dennoch mit seinen Produktivitäts-Apps 25 Millionen User erreicht. Deswegen verdient Michael Hollauf unseren Titel „Gründer der Woche“.

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„Unternehmen mit Umsätzen gewachsen“

„Wir haben die Angel-Investmentrunde damals eigentlich nur gemacht, um über die Runden zu kommen. Danach wurden wir sehr schnell profitabel, wenn auch zuerst nur in kleinem Stil. Wir haben unser Unternehmen einfach mit den Umsätzen wachsen lassen. Statt Venture-Capital-Rutschpartien haben wir lieber auf eine nachhaltige Entwicklung gesetzt“, erklärt Hollauf. Verdane sei jedoch der richtige Investor zur richtigen Zeit. Der Financier teile die Vision von Meister und würde dabei helfen, eine Vielzahl an Ideen umzusetzen.

Hollauf und Vollmer hatten die ursprüngliche Idee zu ihrem ersten Produkt „MindMeister“ durch den Google Docs-Vorgänger Writely. Der Gedanke war, eine ähnliche Anwendung zu erstellen, die statt dem gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten die Arbeit an Mindmaps erlauben sollte. Mittlerweile hat Meister auch zwei weitere Produkte. „MeisterTask“ hilft beim Aufgaben-Management von Teams, „MeisterNote“ ist eine kollaborative Dokumentationssoftware.

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Probleme mit Google in der Vergangenheit

Mit Google hatten Hollauf und Vollmer nicht immer die besten Erfahrungen, vor allem was das Ranking in der Suchmaschine angeht. Besonders schlimm war das Jahr 2014. Damals bot MindMeister Nutzern die Möglichkeit, die erstellten Mindmaps in Webseiten einzubetten. Meister nutzte die Gelegenheit, dort Backlinks zur eigenen Webseite zu integrieren. Zehntausende Webseiten verwiesen auf diese Art und Weise auf die Meister-Seite. Doch dann änderte Google seinen Such-Algorithmus, bestrafte die Backlinks, und das Unternehmen stürzte von Seite eins auf Seite zwei oder drei der Suchergebnisse ab.

„Es hat mehr als ein halbes Jahr gedauert, um uns das Ranking wieder zu erarbeiten“, erinnert sich Hollauf. Das Wachstum der Firma brach ein, die Google-Strafe kostete etwa 400.000 Euro. Hollauf und sein Team mussten die Webseiten-Betreiber, die Embeds der Mindmaps integriert hatten, persönlich per Mail kontaktieren und sie bitten, die Backlinks händisch zu entfernen. Davon abgesehen hat Hollauf aber eine gute Einstellung zum Tech-Riesen. Meister ist heute sogar ein Premium-Partner von Google.

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Meister will Unicorn werden

Trotz dieser Rückschläge, starker Konkurrenz von Trello, Asana oder Riesen wie Microsoft sowie der Tatsache, dass Meister so lange ohne großen Investor unterwegs war, ist das Unternehmen eine massive Erfolgsstory. 2018 erreichte die Firma die Marke von zehn Millionen Nutzern, heute sind es 25 Millionen. Alleine im vergangenen Jahr sind acht Millionen neue User dazu gekommen. Meister betreibt Büros in Wien, München und Seattle. Das Team fasst heute etwa 100 Angestellte. Mit dem neuen Mega-Investment wollen Hollauf und Vollmer das Personal ausbauen. Ende 2022 sollen es 250 Angestellte sein, in den nächsten Jahren soll das Team auf bis zu 600 Personen wachsen. Vor allem nach Technikern sucht das Unternehmen. Ausweiten will Meister außerdem den Bereich des Direktvertriebs sowie des Marketings.

„Unser gemeinsame Vision ist, die Meister Suite zu einem führenden Player im Kollaboration-Software-Markt zu machen und eine europäische Alternative zu den US-Anbietern zu schaffen. Unser Ziel ist, in den nächsten fünf Jahren ein European Unicorn in diesem Markt zu werden. Das werden wir verfolgen, und das werden wir auch schaffen. Wir sind es noch nicht, aber wir sind auf dem Weg dorthin“, so die Vision von Hollauf.

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