Kommentar

Kopf hoch! Auf jeden Crash folgt der Wiederaufbau

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Krypto-Crash.

Absturz der Tech-Aktien.

Downrounds.

Massenkündigungen.

Unicorn-Sterben.

Rezession.

Sorry Leute, aber derzeit müssen wir euch mit ziemlich schlechten Nachrichten aus dem Innovationssektor überhäufen. An allen Ecken und Enden kracht es. Die US-Zinswende, gepaart mit Spätfolgen der Corona-Krise, hoher Inflation und Krieg in Europa, macht derzeit alles zunichte, was sich 2021 im Hype aufgebaut hat. Pessimist:innen könnten meinen: Das Ende der Tech- und Startup-Welt, wie wir sie kennen, steht kurz bevor.

Doch wie sagt man so schön? Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Und aus Gesprächen mit zahlreichen Investor:innen und Gründer:innen in den vergangenen Tagen und Wochen habe ich gelernt: Aufgeben gibt’s nicht. Mich hat der Optimismus, den die meisten weiter vor sich hertragen, überrascht. Auch wenn einer der wichtigsten VCs Europas zu mir meinte: „Es wird noch so richtig schlimm kommen“, sagte er auch im nächsten Satz sinngemäß: „Die guten Gründer:innen, Teams und Geschäftsmodelle werden weiter Geld bekommen.“

Wer am Startup-Markt durch die Finger schauen wird – und wer nicht

„Abkühlung tut der Branche gut“

Und so muss man die Situation letztendlich bewerten. 330 Milliarden Dollar Investment in den USA, 100 Milliarden in Europa, 1.000 plus Unicorns weltweit. Die Ängste vor dem Platzen einer Blase gibt es nicht erst seit der US-Zinswende am 4. Mai oder Russlands Überfall am 24. Februar. Schon vorher haben Investor:innen den überhitzten Markt kritisiert und wollten die teilweise absurden Bewertungen nicht mehr bezahlen. Die Ereignisse in 2022 haben den vorher schleichenden Trend verstärkt und beschleunigt.

Roman Scharf, einer der erfolgreichsten VCs Österreichs, sieht die Sache ziemlich klar und nüchtern. Und spricht von einer „gesunde Rekalibrierung“ des Markts nach „absurden Bewertungen“, die viele VCs in FOMO-Runden bezahlten – da war schon manchmal ein Umsatz-Multiple von 100x oder mehr drinnen.

„Abkühlung tut der Branche gut. Ich will gar nicht in Gründer investieren, die die höchste Bewertung wollen. Man heuert ja auch nicht den teuersten oder den billigsten Verkäufer an, sondern den besten“, sagt Scharf. „Es wird Downrounds geben, es wird Uprounds geben. Es werden Unicorns verschwinden und es wird neue Unicorns geben. Die Erwartung, dass es unendliche Boom-Jahre geben wird, ist unrealistisch.“

Dieser FOMO, also die „Fear Of Missing Out“, hat 2021 auch den Krypto-Markt so richtig erfasst. Viele wollten sich nicht die Blöße geben, an dem Boom-Markt, der satte Renditen versprach, zu beteiligen. Besonders hart ist das für Anfänger:innen, die mit großen Versprechen in einen absolut volatilen und spekulativen Markt gelockt wurden und sich Crypto kaufen – sie stehen jetzt vor einem Scherbenhaufen.

„Gesunde Rekalibrierung nach absurden Bewertungen“: 3VC startet neuen Fonds

It’s time to build

Doch immer wieder kehrt ein Spruch: Wo es Probleme gibt, gibt es auch Chancen. Der Gründer:innen- und Startup-Boom im Corona-Jahr 2020 ist ausgeblieben – zu dick waren die Wirtschaftshilfen für die Unternehmen. Die Insolvenzwelle blieb aus, die Startup-Welle aber auch. Derart massive monetäre Unterstützung wird es diesmal wahrscheinlich nicht geben – immerhin wird der massiven Gelddruckerei der Notenbanken ja die Mitschuld an der hohen Inflation gegeben, die wiederum zu den Zinserhöhungen und damit den Verwerfungen am Markt geführt haben.

Und deswegen sagen in den letzten Tagen immer mehr: Es gilt nun, den Tech-/Unicorn-/Crypto-Winter bestmöglich zu durchtauchen, und viele werden Federn lassen müssen. Diese Phase bedeutet auch, sich auf Stärken, auf Effizienz, auf echte Problemlösungen zu fokussieren. Oder wie manche, die weiter eine große Zukunft für Tech-Innovationen sehen, es aktuell gerne ausdrücken: „It’s time to build.“

Wie die Rezession die Startup-Welt trifft – mit Investor Berthold Baurek-Karlic

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