Investment

Jucr holt 31 Millionen Euro, um eigene Ladestationen für E-Autos aufzubauen

Die Jucr-Gründer Richard Birich, Max Grollmann und Lukas Puls. © Jucr
Die Jucr-Gründer Richard Birich, Max Grollmann und Lukas Puls. © Jucr

Es sind nicht nur die Autos selbst, sondern es ist auch die Infrastruktur rundherum. Allein in Europa soll hier der Umsatz mit E-Ladestationen bis zum Jahr 2030 auf 40 bis 55 Milliarden Euro steigen, zeigte jüngst eine Studie der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company. Und diesen Markt wollen sich nicht nur Tesla mit dem Supercharger-Netzwerk und die großen Energiekonzerne schnappen, sondern auch Startups.

Jucr aus Berlin zum Beispiel. Dieses gibt heute bekannt, in Summe 31 Millionen Euro für den Aufbau eines eigenen Lade-Netzwerks eingesammelt zu haben. 6,2 Millionen Euro kommen in der Seed-Runde von Vector Venture Capital und den Bestandsinvestoren 2bX sowie dem German Media Pool (GMPVC), weitere 25 Millionen gibt es in Form von Fremdkapital. Ziel ist es nun, eine eigene Hardware-Lösung zum Aufladen von Elektroautos auf den Markt zu bringen. Bis 2025 will Jucr europaweit mit mindestens 100.000 Ladepunkte aufbauen. Konkret handelt es sich um Wechselstrom-Ladepunkte, die bidirektionales Laden, Plug-n-Charge und Over-the-Air-Updates beherrschen und somit technisch besser sein sollen als die Ladestationen vieler anderer Anbieter.

Ladeinfrastruktur für E-Autos wird zum Milliardenmarkt

Durch den Einstieg ins kostenintensive Hardware-Geschäft ändert sich das Business-Modell des Startups stark. 2020 startete Jucr mit einer App, mit der man heute an etwa 330.000 Ladestationen bezahlen kann. Im Interview erläutert Richard Birich, Mitgründer und CEO von Jucr, wie man ein eigenes Ladenetzwerk aufbauen möchte.

Trending Topics: Warum ein eigenes Lade-Netzwerk aufbauen, wenn es schon mehr als 330.000 im Netzwerk gibt?

Richard Birich: Aktuell gibt es zwei große Herausforderungen im EV-Lademarkt. Eine davon ist, den Zugriff auf die bestehende Ladeinfrastruktur so einfach und komfortabel wie möglich zu machen. Das erreichen wir durch unsere App, mit der Verbraucher:innen Zugriff auf das Ladenetz in ganz Europa erhalten. Die zweite große Herausforderung steckt in der Ladeinfrastruktur selbst. Hohe Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und einfache Nutzung ist, was die Kund:innen erwarten. Und hier sehen wir Nachholbedarf. Allein die Anzahl hinkt deutlich hinterher. Wächst die Ladeinfrastuktur in dem aktuellen Tempo weiter, werden wir allein in Deutschland das Ziel von einer Million Ladepunkten bis 2030 massiv verfehlen. All diese Punkte wollen wir mit unserem eigenen Ecosystem lösen.

330.000 ist eine Zahl für ganz Europa. Das ist immer noch weit unter den Zielen, die notwendig sind, um die CO2-Emissionsreduzierung bis 2030 zu erreichen. Verschiedenen Studien zufolge sollte die Zahl der Ladepunkte bis 2030 zwei bis drei Millionen erreichen. In Deutschland werden derzeit pro Woche 330 öffentliche Ladepunkte neu in Betrieb genommen. Bleibt es bei diesem Tempo, gibt es im Jahr 2030 circa 210.000 öffentliche Ladepunkte. Als Ziel wurde von der Bundesregierung eine Anzahl von einer Million Ladepunkten formuliert.

Wie sieht das Geschäftsmodell der selbst entwickelten Ladestationen aus? Gibt es einen Revenue share mit den Unternehmen? Welche Unternehmen kommen in Frage?

Bei unserem Angebot zum Start des Roll-Out fokussieren wir uns auf Key Accounts, etwa Einzelhandelsketten, Kinoketten, Parkhäuser. Es handelt sich um halb-öffentliche Ladepunkte. Wir bauen, installieren, finanzieren, vermarkten und verwalten die Ladepunkte. Wir bieten unseren Kund:innen somit ein Rundum-Sorglos-Paket. Diese müssen sich um nichts kümmern, d.h. kein Risiko, kein Investment und kein Verwaltungsaufwand. Sie profitieren aber in zweierlei Hinsicht. Einmal beteiligen wir unsere Kunden am Gewinn und zusätzlich generieren die Ladestationen einen zusätzlichen Kundenstrom. Je nach Standort und Kunde ist auch ein Mietmodell möglich. Es wird aber auch demnächst ein Angebot für KMU geben, damit auch kleinere Standorte von den Vorteilen unserer Ladeinfrastruktur profitieren können.

Woher kommt der Strom des Ladenetzwerks? Ist er 100% „grün“?

Dies ist sehr stark vom Kunden und Standort abhängig. Besteht die Möglichkeit auf  bestehende Solaranlagen aufzusetzen, können wir diese direkt an die Stationen anbinden. Ansonsten ist die Herkunft des Stroms vom Tarif des Kunden abhängig.

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