Hintergrund

Mobileye: Ein durchwachsener IPO & der Risikofaktor Gründer-Genie

Amnon Shashua, CEO of Mobileye. © Mobileye/Intel
Amnon Shashua, CEO of Mobileye. © Mobileye/Intel

Es war der Deal des Jahres 2017. Da hat sich der US-Chip-Riese Intel um satte 15,3 Milliarden Dollar das eher nur in Expert:innen-Kreisen bekannte Scale-up Mobileye aus Israel geschnappt. In dem kleinen Startup-Land wurde die Übernahme der 1999 in Jerusalem gegründeten Firma gefeiert; und sonst fragte man sich, was Intel wohl mit dem auf ADAS spezialisierten Unternehmen vorhat.

Das wird nun klar. Intel hat darauf gesetzt, Mobileye zu einem weltweit führenden Spezialisten im Bereich „Advanced Driver Assistance Systems“ (ADAS) und autonomem Fahren zu machen. So schnappte sich das US-Unternehmen die Israelis, die bereits 2014 einen IPO machten; bezahlte einen 50%-Aufschlag (Mobileye war 2017 10,5 Milliarden Dollar wert); nahm Mobileye von der Börse; und bringt es jetzt für nur etwa 16 Milliarden Dollar wieder zurück an die Börse. Geplant wäre eigentlich eine Bewertung von 50 Milliarden gewesen.

Intel muss nach vorne kommen

Aber Intel ist selbst angeschlagen. Das Unternehmen ist auf eine Bewertung von etwa 100 Milliarden abgestürzt – vor einem Jahr war es noch das Doppelte. Und braucht nun offenbar Geld, das Mobileye an der Börse bringen soll. Der druckfrische Börsenprospekt zeigt, dass sich das Zeitfenster für die Tochterfirma schließt – gerade zu einer Zeit, in der Tech-IPOs sowieso schon ziemlich schwierig sind.

Denn zwar war Mobileye eigentlich eine Zeit lang führend bei Technologie für selbstfahrende Autos bzw. Fahrassistenzsystemen; die EyeQ-Chips wurden schnell in der Autobranche bekannt. Aber anstatt immer mehr neue Kunden zu gewinnen, haben sich über die Jahre die Ambitionen der Mitbewerber:innen verstärkt – und Mobileye verlor schließlich Tesla als Kunden. Stattdessen kommen heute 70 Prozent der Umsätze von nur drei Unternehmen: die Autozulieferer ZF (Deutschland), Valeo (Frankreich) und Aptiv (Irland/USA).

EyeQ-Chip für autonomes Fahren. © Mobileye/Intel
EyeQ-Chip für autonomes Fahren. © Mobileye/Intel

Tesla und Mercedes als Kunden verloren

„Tesla hatte zuvor unsere ADAS-Lösungen in seine Fahrzeuge integriert, ist aber zu seinen eigenen ADAS-Lösungen übergegangen. Mercedes-Benz setzt ebenfalls seine eigenen Lösungen ein, während andere Unternehmen wie General Motors, NIO, Volvo Cars und Xpeng Motors ebenfalls eigene Lösungen für Teile des ADAS-Software-Stacks verfolgen“, heißt es im Börsenprospekt. „Darüber hinaus entwickeln unsere Tier-1-Kunden möglicherweise konkurrierende Lösungen oder werden dies in Zukunft tun.“ Argo AI, Aurora, Cruise, Motional, Pony.ai, Waymo, Yandex, Zoox, Baidu, Deeproute.ai, Didi Chuxing, Momenta und WeRide – die Liste der Rivalen ist lange.

Dazu kommen noch die eigenen Zulieferer, ohne deren Hardware nichts geht. Da ist STMicroelectronics aus der Schweiz, das die EyeQ-Chips für Mobileye fertigt – und die wiederum hängen am größten Halbleiterkonzern der Welt, nämlich TSMC aus Taiwan. Da werden globale Lieferketten schnell zum Risikofaktor, wenn man eigentlich Versorgungssicherheit braucht. Dass Google (=Waymo) gesondert als besonders großer Rivale hervorgehoben wird, hat seinen Grund. Mobileye kann 8.6 Milliarden Meilen analysierte Straßendaten vorweisen, Waymo ist längst bei mehr als 20 Milliarden.

Risikofaktor Gründer-Genie

Was Mobileye auch als Risikofaktor, aber auch als großes Asset anführt, ist schließlich ein Mensch. Gründer Amnon Shashua. Er ist seit dem Kauf durch Intel Senior Vice President beim Chip-Hersteller, wird diese Rolle nach dem IPO aber aufgeben und sich wieder Mobileye komplett widmen. Er ist ein Seriengründer aus dem Lehrbuch – und mit Lehrstuhl. Er hat neben Mobileye auch noch CogniTens (Messsysteme), OrCam (Computer Vision), AI21 Labs (Spracherkennung), One Zero Digital Bank (Fintech) und Mentee Robotics (humaniode Roboter) mitgegründet. Shashua hat außerdem den Sachs-Lehrstuhl für Informatik an der Hebräischen Universität Jerusalem inne, wo er unterrichtet und Doktoranden betreut. Er hat 162 Veröffentlichungen auf dem Gebiet des maschinellen Lernens und des rechnergestützten Sehens veröffentlicht und hält über 94 Patente.

Und es ist nicht auszuschließen, dass Shashua wieder neben gründet. „Obwohl Professor Shashua in unserem Management sehr aktiv ist und einen erheblichen Teil seiner Zeit für unser Unternehmen aufwendet, widmet er nicht seine gesamte Zeit und Aufmerksamkeit unserem Unternehmen“, warnt deswegen der Börsenprospekt. „Der Verlust von Professor Shashua oder eine erhebliche Verringerung seines Beitrags zu uns würde sich nachteilig auf unser Geschäft, unsere Betriebsergebnisse und unsere finanzielle Lage auswirken.“

Intel-CEO Pat Gelsinger (right) and Professor Amnon Shashua, CEO of Mobileye. © Mobileye/Intel
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