Porträt

Öklo: „Eine Zeit lang haben wir echt gedacht, das war‘s jetzt“

„In ca. fünf Jahren soll das öKlo-Land entstehen - eine komplett autarke Alternative zur Kläranlage, wo kein Wasser verschwendet, sondern gewonnen wird", sagt Niko Bogianzidis. © Trending Topics / David Visnjic
„In ca. fünf Jahren soll das öKlo-Land entstehen - eine komplett autarke Alternative zur Kläranlage, wo kein Wasser verschwendet, sondern gewonnen wird", sagt Niko Bogianzidis. © Trending Topics / David Visnjic

Viele kennen sie, einige fürchten sie: Toiletten auf Musikfestivals sind meist nicht sehr wohlriechend – im besten Falle. Im ­schlechtesten Fall sind sie, man kann es nicht anders sagen, beschissen. Niko Bogianzidis war in seiner Jugend oft auf Festivals unterwegs und die Toiletten waren “wirklich immer ein Thema”, wie er selbst sagt. Daraus entstand dann die Idee für sein Startup „öKlo“, das Komposttoiletten als mobile WCs vermietet.

Der Entschluss, das Startup zu gründen, fiel dabei kurzfristig. „Wir haben selbst ein Festival veranstaltet und brauchten ohnehin Klos“, erzählt Bogianzidis. „Wir sagten uns: Im schlimmsten Fall sind wir unsere einzigen Kunden. Doch Gott sei Dank kam es anders.“

Die Sache mit der Gesetzgebung

Die Anfangsphase verlief dabei relativ ruhig, obwohl dem jungen Startup auch Steine in den Weg gelegt wurden. Besonders schwierig war es, rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Rückblickend kann Bogianzidis immer noch nicht glauben, „auf welche Art und Weise Menschen verschiedene Gesetze machen.“ Auch wenn es von außen vielleicht leicht aussah, investierte das Team einiges an Schweiß und Herzblut in das junge Unternehmen. „Man muss echt viel arbeiten, sich selber sehr zurückstecken“, gibt der Weinviertler zu. Auch finanziell war die Startup-Phase schwierig, Bogianzidis kann sich noch gut an die Sorgen erinnern, ob man sich die Stapler und die erste Halle auch leisten könne. Sorgen, die sich im Nachhinein – zum Glück für das Gründer:innen-Team – als völlig unbegründet herausstellten. Am Ende lief zumindest alles rund: „Wir haben einfach die Challenge angenommen und sind mit ihr gewachsen.“

-> Zum Gründer:innen Guide 2022

Keine Klos in der Pandemie

Ob sie den Schritt wieder wagen würden? „Fix, also ich würd’ echt alles wieder so machen“, ist der Gründer überzeugt. „Es ist auch cool und macht große Freude.“
Doch wie so viele Unternehmen hat die Coronapandemie auch das Startup, das Kompostklos auf Festivals aufstellt, richtig durchgebeutelt. „Im ersten Monat hatten wir etwa 90 Prozent unseres kompletten Jahresgeschäfts verloren. Jeder Anruf war eine Absage“, denkt Bogianzidis eher ungern an die Zeit zurück. Das Schicksal des Startups hing dabei am seidenen Faden: 2Eine Zeit lang haben wir echt gedacht: Ok, das war‘s jetzt.“ Dennoch habe sich das Team nicht unterkriegen lassen und das Beste aus der Situation gemacht. Anstatt Däumchen zu drehen, wurde viel Wert auf Digitalisierung gelegt, wie etwa dem Webshop. „Zum Glück ist das aufgegangen“, so Bogianzidis.

Expansion in Österreich

Wo die Pandemie jetzt hoffentlich ihrem Ende zugeht, plant auch öKlo, wieder zu expandieren: „Wir wollen jetzt in Graz und Salzburg noch gut eröffnen und das Jahr mit steigenden Events ebenfalls gut abschließen“, erklärt der Gründer die Ziele. Ein weiteres Ziel von Öklo sei es dann, das eigene Konzept durch Franchise oder Vertriebspartner Richtung Osten und in Deutschland auszuweiten. Und Bogianzidis hat auch noch eine größere Version: „In ca. fünf Jahren soll das öKlo-Land entstehen – eine komplett autarke Alternative zur Kläranlage, wo kein Wasser verschwendet, sondern gewonnen wird.“

Es menschelt bei ÖKlo

Welches Learning will also Bogianzidis Gründer:innen mitgeben, die vielleicht noch am Anfang ihrer Reise stehen? „Wo Menschen sind, menschelt‘s“, sagt der CEO und meint damit seine Mitarbeiter:innen. „Wenn verschiedene Menschen – vielleicht sogar unter Stress – zusammen kommen, kann es schon passieren, dass es zu Konflikten kommt.“ Zweites Learining? Es sei „gar nicht so schwer“, ein gutes Unternehmen aufzubauen. „Das Problem ist nur, dass das viele Firmen irgendeinem Grund nicht hinbekommen.“ Dennoch gebe es einige, „die ihren Job wirklich gut und gerne machen – die verlässlich sind, erreichbar und wo immer alles passt.“ Die muss man halt finden. Bogianzidis: „Das ist wohl auch ein ‚Geheimnis‘, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.“

Text: Marcel Strobl
Foto: David Visnjic

Diese Story stammt aus dem Gründer:innen-Guide 2022. Der ist hier kostenlos als Download abrufbar.

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