OpenClaw: Peter Steinberger hat bereits Angebote von Meta und OpenAI am Tisch liegen
Der Entwickler Peter Steinberger, Schöpfer eines erfolgreichen Open-Source-Projekts, steht vor einer wichtigen Entscheidung: Sowohl OpenAI als auch Meta haben Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet. In einem Interview mit Podcaster Lex Fridman sprach Steinberger offen über die verschiedenen Optionen, die sich ihm nach dem unerwarteten Erfolg seines Projekts eröffnet haben.
Steinberger erklärte, dass er nach dem großen Erfolg seines Projekts mehrere Möglichkeiten in Betracht zieht. Neben den Angeboten großer Tech-Konzerne könnte er auch ein eigenes Unternehmen gründen, wofür ihm erhebliche Finanzierungsmittel zur Verfügung stünden. Diese Option reizt ihn jedoch weniger, da er bereits Erfahrungen als CEO gesammelt hat und befürchtet, dass eine Unternehmensgründung ihn von der eigentlichen Entwicklungsarbeit abhalten würde.
Konkrete Angebote hat Steinberger momentan von Meta und OpenAI auf dem Tisch liegen. In Wien bei einem Event verriet er außerdem, dass er bereits auch mit Microsoft-CEO Satya Nadella gesprochen hätte. Außerdem hat er sich mit OpenAI-CEO Sam Altman abgestimmt ob der Namensgebung „OpenClaw“. Denn wie berichtet hieß der KI-Agent zuvor Clawdbot; Anthropic, Macher von Claude, intervenierte deswegen, danach kam die Umbenennung zuerst in Moltbot und dann eben OpenClaw.
„OpenAI hilft derzeit ein wenig mit Tokens aus. Und es gibt noch andere Unternehmen, die großzügig waren. Aber ja, ich mache damit immer noch Verluste. Das ist also ein Weg, den ich in Betracht ziehe, aber ich bin nicht besonders begeistert davon. Und dann gibt es noch all die großen Labore, mit denen ich gesprochen habe. Von diesen scheinen Meta und OpenAI am interessantesten zu sein“, so Steinberger im Podcast.
Bedingung: Open Source muss bleiben
Entschieden ist noch nichts. Für Steinberger steht fest, dass sein Projekt unabhängig von der gewählten Option Open Source bleiben muss. Er vergleicht das angestrebte Modell mit der Beziehung zwischen Chrome und Chromium. Die Community-Komponente und die Möglichkeit für Menschen, frei zu experimentieren und zu lernen, sind ihm besonders wichtig.
Aktuell verliert Steinberger nach eigenen Angaben Geld mit dem Projekt, da er zwischen 10.000 und 20.000 Dollar monatlich investiert. Einen Großteil der Sponsorengelder leitet er an die Entwickler der Abhängigkeiten seines Projekts weiter.
Die Entscheidung zwischen OpenAI und Meta
Steinberger beschreibt die Wahl zwischen den beiden Tech-Giganten als äußerst schwierig. Beide Unternehmen bieten unterschiedliche Vorzüge:
- Meta: CEO Mark Zuckerberg 8er kontaktierte ihn via WhatsApp) hat nach Steinbergers Aussage intensiv mit dem Produkt experimentiert und ihm direktes Feedback gegeben. Der persönliche Kontakt begann mit einem spontanen Telefonat, bei dem Zuckerberg zunächst noch Code fertigstellen musste.
- OpenAI: Das Unternehmen lockt mit Zugang zu modernster Technologie und beeindruckenden Rechenkapazitäten. Steinberger beschreibt sich selbst als „größten unbezahlten Werbeträger für Codex“ und hatte konstruktive Gespräche mit CEO Sam Altman. OpenAI steuert aktuell Tokens zum Projekt bei.
Motivation und Ausblick
Steinberger betont, dass Geld nicht seine Hauptmotivation sei. Vielmehr gehe es ihm um Spaß an der Arbeit und darum, Einfluss zu nehmen. Er hat nie für ein großes Unternehmen gearbeitet und ist neugierig auf diese Erfahrung. Gleichzeitig versichert er, dass das aktuelle Projekt nicht sein Lebenswerk sein wird, sondern er bereits weitere Ideen verfolgt.
„Ich kann nicht falsch liegen. Das sind einige der prestigeträchtigsten und größten Unternehmen. Beide sind sehr coole Firmen“, fasst Steinberger seine Situation zusammen.
Unabhängig von seiner Entscheidung plant Steinberger, die nächsten 3.000 Pull Requests zu bearbeiten und das Projekt weiterzuentwickeln. Sollte die Zusammenarbeit mit einem der Konzerne nicht funktionieren, könne er jederzeit wieder eigenständig arbeiten.
Steinberger trifft den Nerv der Zeit
Peter Steinberger hat mit OpenClaw einen Nerv getroffen. Die Software des Wiener Entwicklers ermöglicht es Nutzern, sich ihren eigenen KI-Agenten zusammenzubauen, der durchgehend läuft und eigenständig arbeitet. Was als Experiment begann, entwickelt sich gerade zu einer weltweiten Bewegung, die die KI-Community begeistert, aber auch erschreckt.
OpenClaw unterscheidet sich fundamental von anderen KI-Assistenten wie Anthropics „Computer Use“. Während herkömmliche Systeme auf Anweisungen warten, arbeitet OpenClaw proaktiv und kann etwa über Nacht Aufgaben erledigen. Nutzer können der KI Zugriff auf ihren gesamten Computer geben, verschiedene KI-Modelle anbinden (Claude, GPT-5, Grok oder Open-Source-LLMs) und dann über WhatsApp oder Telegram mit ihrem Agenten kommunizieren.
Die Software entwickelt sich zunehmend zu einer Plattform, an die immer mehr Services andocken wollen. Bei einer Präsentation in Wien zeigten Entwickler beeindruckende Anwendungen: von KI-gesteuerten Mini-Brauereien über Memebattle-Plattformen bis hin zu vollautomatisierten Smart Homes. Sogar das Unternehmen Lovense aus Singapur plant, seine Vibratoren via OpenClaw steuern zu lassen.
Faszination trifft auf Sicherheitsbedenken
Die Begeisterung für OpenClaw geht aber auch mit erschreckender Sorglosigkeit beim Datenschutz einher. Ein Nutzer demonstrierte beispielsweise, wie die KI aus seinem gesamten E-Mail-Posteingang unaufgefordert ein persönliches Gesundheits-Dashboard erstellte, komplett mit Zahngesundheits-Visualisierung und Blutwerten aus Arzt-Korrespondenzen. Was als beeindruckende Demonstration proaktiver KI-Fähigkeiten gilt, offenbart fundamentale Sicherheitsprobleme. Aktuell gibt es mehrfache Bestrebungen, sich Sicherheitslücken zu schließen.
„Er hat nicht nur Software entwickelt. Er hat eine weltweite Gemeinschaft liebenswerter, kreativer Menschen aufgebaut, die die Zukunft gestalten wollen. Das ist so viel mehr wert als ein Stück Code.“ So beschreibt Software-Entwickler und Business Angel Mario Zechner das Phänomen OpenClaw. Tatsächlich ist es Steinberger gelungen, eine globale Community zu schaffen. Das Schalentier im Logo und die Klauenhand sind bereits zu Memes geworden.
Vom Post-Exit-Loch zum nächsten großen Wurf
Steinberger bringt viel Erfahrung mit. Nach dem Verkauf seiner Firma PSPDFKit für über 100 Millionen Euro an Insight Partners fiel er in ein Loch. Drei Jahre Sinnsuche folgten, geprägt von Feiern, Reisen, Therapie und Ayahuasca-Experimenten. Dann kehrte er zum Coden zurück und experimentierte fast manisch: 43 Projekte tüftelte er durch, bevor er mit OpenClaw den großen Hit landete. Jetzt arbeitet Steinberger unter anderem daran, die Sicherheitslücken zu schließen, während die Community weiter wächst. Die Frage bleibt: Kann aus der begeisterten Bewegung eine sichere, zukunftsfähige Plattform werden?

