Analyse

Payment for Order Flow: EU-Verbot bedroht bis zu 50% der Umsätze der Online-Broker

Trade Republic. © Trade Republic
Trade Republic. © Trade Republic

Es ist offiziell: Die von der EU geplanten Änderungen der Mifid/Mifir-Richtlinie sehen vor, dass es ein ausnahmsloses Verbot sogenannter „Payment For Order Flow“-Provisionen geben soll. Dabei handelt es sich um die gängige Praxis, dass Online-Broker Rückvergütungen von Handelsplätzen bekommen, wenn sie dort die Kundenorder (also wenn z.B. jemand eine Tesla-Aktie kaufen will) platzieren. Die Eu sieht darin eine kontroverse Praxis, die dem Gebot, den Kund:innen das beste Angebot zu machen, zuwider läuft.

Nun wird Anfang 2022 über die neue, geplante Richtlinie abgestimmt – das EU-Parlament muss den Vorschlag der EU-Kommission noch absegnen. Online-Broker wie Trade Republic oder Flatex sehen nun ihr Geschäftsmodell bedroht und haben ihrerseits angefangen, in der eigenen Sache zu argumentieren (Trending Topics berichtete). Trade Republic, tätig in Deutschland, Österreich und Frankreich, etwa versucht, mit Studien zu beweisen, dass man im Sinne der eigenen Kund:innen immer günstig die Aktien einkaufe.

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Ertragsmodelle in Gefahr

Konkret heißt es in dem Entwurf der Richtlinie:

„Investment firms acting on behalf of clients shall not receive any fee or commission or non-monetary benefits from any third party for forwarding client orders to such third party for their execution.“

Das wird zur massiven Gefahr für jene Broker, die auf der einen Seiten Null-Gebühren-Handel den Kund:innen bieten und auf der anderen Seite Rückvergütungen kassieren. „Das Ertragsmodell der europäischen Online-Broker-Platzhirsche ist damit in Gefahr. Zwar macht die genannte Rückvergütung von Handelsplätzen in der Regel nur drei bis fünf Prozent der Gesamterträge der arrivierten Broker aus, jedoch belegt der PFOF-Bann eine eindeutige Strategie des Gesetzgebers, „versteckten“ Vergütungen im Wertpapierhandel den Garaus zu machen“, heißt es etwa seitens dem Beratungsunternehmen Simon-Kucher & Partners.

Das Verbot von Rückvergütungen von Produktemittenten (etwa für Zertifikate oder Hebelprodukte) sei der „logische nächste Schritt, was dann schon insgesamt 15 bis 20 Prozent der Erträge renommierter Online-Broker vernichten würde. Rechnen wir jetzt noch den seit der Einführung von MiFID II unter Beschuss geratenen Ertragsstrom der Bestandspflegeprovisionen von Fonds hinzu (je nach Plattform für zwischen 20 und 30 Prozent der Gesamterträge verantwortlich), zeichnet sich ein düsteres Bild für die Zukunft. Mittelfristig ist so nämlich etwa die Hälfte der heutigen Ertragsströme der europäischen Online-Broker-Platzhirsche in Gefahr“, so die Analysten von Simon-Kucher & Partners. Aber nicht nur Broker, auch Retail- und Regionalbanken seien betroffen.

Service-Gebühren statt PFOF-Einnahmen

Welche Folge hätte die EU-Regelung nun für die Kund:innen? Wenn die Broker ihre Geschäftsmodelle umstellen, dann müssten sie wohl mit Nutzungsgebühren rechnen. Bei Simon-Kucher & Partners erwartet man nun die Einführung oder Erhöhung der folgenden vier Gebührenkomponenten:

  • Erhöhung der Handelsplatz- oder Abwicklungsgebühren, die den Ausfall direkt kompensieren
  • Einführung von wiederkehrenden Gebührenkomponenten, wie regelmäßige Plattform- oder Depotgebühren für Stabilität und Perfomance der Plattform sowie für Mehrwertdienstleistungen wie Charting-Tools, Research, etc.
  • Erhöhung der Devisengebühren, da bspw. deutsche oder österreichische Anleger im internationalen Vergleich bislang deutlich geringere Aufschläge auf beim Wertpapierkauf anfallende Devisen-Tauschgeschäfte zahlen
  • Erhöhung der Transaktionsgebühren, um die sichere, schnelle und fehlerlose Ausführung adäquat zu vergüten

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